zur Navigation springen

ChemCOast Park : Industrie soll Bahntrasse finanzieren

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Wolfgang Tiefensee, bringt ungewöhnlichen Vorschlag für das Brunsbütteler Industriegleis ins Spiel.

Für die Unternehmen im ChemCoast Park ist die Verbesserung der Bahnanbindung ins Industriegebiet der Schleusenstadt ein gewichtiges Thema. Zuletzt hatte die Werkleiterrunde Anfang des Jahres massiv darauf hingewiesen, dass ein Ausbau der Strecke und eine geänderte Trassenführung dringend erforderlich sei. Gestern nahm sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Tiefensee der Thematik an. Der ehemalige Bundesverkehrsminister ist jetzt wirtschaftspolitischer Sprecher der sozialdemokratischen Bundestagsfraktion.

Eigentlich wollte Tiefensee mit Brunsbüttel Ports-Chef Frank Schnabel – zugleich Sprecher der Werkleiterrunde im ChemCoast Park – sprechen. Doch der war gestern am Messestand auf der Antwerpener Break Bulk unabkömmlich. Daher ließ sich Tiefensee, der von seinem Fraktionskollegen Matthias Ilgen aus dem Wirtschaftsauschuss begleitet wurde, von Wolfgang Greiner über die Situation unterrichten.

„Wenn in Itzehoe ein Zug losfährt, kann hier keiner starten, bis der da ist“, brachte der Prokurist von Brunsbüttel Ports es auf den Punkt. An der Verbindung des etwa 35 Kilometer langen Industriegleises zwischen ChemCoast Park und dem Itzehoer Bahnhof habe sich seit Jahrzehnten nichts mehr getan. Die eingleisige Strecke, so Greiner gegenüber unserer Zeitung, genüge den Anforderungen längst nicht mehr. Und vor allem stehe sie dem Anspruch entgegen, mehr Fracht auf die Schiene statt auf die Straße zu bringen. Dies werde auch angesichts der jahrelangen Baustellen an der A7 bei Hamburg an Bedeutung gewinnen. Greiner: „Wenn mehr Arbeitsplätze entstehen sollen, muss die Infrastruktur angepasst werden.“ Die jetzige Situation, verdeutlichte Greiner, betreffe nicht nur den Elbehafen, von dem aus täglich Kohle per Bahn zu den Kraftwerken in Neumünster und Kiel transportiert wird.

Matthias Ilgen, der das Gespräch angeschoben hatte, sah durchaus die Deutsche Bahn in der Pflicht, etwas zu tun. So müsste die Strecke etwa eine höhere Priorität bekommen. Dies allerdings gilt angesichts der jetzigen Auslastung als schwierig – der Deutschen Bahn fahren nicht genug Güterzüge zwischen Brunsbüttel und Itzehoe.

Wolfgang Tiefensee brachte eine andere denkbare Lösung ins Spiel, nach der sich das Gleis schneller ausbauen ließe. Die Industrie und eventuell weitere Investoren könnten das Gleis finanzieren. In einer Projektpartnerschaft mit der Deutschen Bahn ließen sich so die Investitionskosten relativ schnell aufbringen. Dafür müssten die Geldgeber dann an den Einnahmen aus dem Bahnverkehr beteiligt werden – 25, 30 oder mehr Jahre lang. Auf der Autobahn zwischen Hamburg und Bremen habe dies gut funktioniert. Warum, so Tiefensee, sollte ein solches Modellvorhaben nicht auch auf der Schiene umgesetzt werden können? Jetzt müsse die Machbarkeit errechnet werden. Zahlen könnten bereits in einem halben Jahr vorliegen. Und um Kosten zu sparen, könnte die eingleisige Strecke um Ausweichgleise ergänzt werden.

zur Startseite

von
erstellt am 15.Mai.2014 | 17:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen