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Wirtschaft in Brunsbüttel : „Industrie-Region hat großes Potenzial“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Frank Schnabel, Sprecher der Werkleiterrunde im ChemCoast Park, sieht gute Entwicklungschancen für das Revier.

Seit knapp zwei Jahren ist Frank Schnabel Sprecher der Werkleiterrunde im ChemCoast Park. Dieser Interessenvertretung gehören zurzeit 19 Unternehmen an, darunter die Raffinerie Hemmingstedt, die RWE Dea in Friedrichskoog, das Kernkraftwerk Brokdorf, das Itzehoer IZET und Holcim in Lägerdorf. Schnabel ist zudem Geschäftsführer der Brunsbütteler Schrammgroup und der Brunsbüttel Ports GmbH. Im Gespräch äußert sich der 48-Jährige über Perspektiven in Schleswig-Holsteins größten zusammenhängenden Industriegebiet.

Es gibt seit Jahren viele freie Flächen, neue Unternehmen sind aber nicht in Sicht. Staatssekretär Dr. Frank Nägele vertritt daher die Ansicht, das Industriegebiet habe seinen Zenit überschritten. Ist das so?
Schnabel: Die Industrie- und Hafenregion Brunsbüttel ist noch immer gut aufgestellt und hat großes Potenzial. Eine Vielzahl von Unternehmen im ChemCoast Park Brunsbüttel hat in den letzten Jahren in den Ausbau und die langfristige Standortsicherung investiert und zudem neue Arbeitsplätze geschaffen. Beispielhaft sind die Sasol Germany, die Spedition Kruse, Total Bitumen, Yara Brunsbüttel und Brunsbüttel Ports zu nennen. Sasol hat u.a. die Produktion anorganischer Spezialchemikalien ausgebaut. Die Spedition Kruse hat neue Lagerhallen errichtet, die als Zentrallager für Windkraft-Zubehör der Firma Senvion genutzt werden. Die Total Bitumen Deutschland baut einen neuen Rohöltank, den größten in Schleswig-Holstein. Zudem feierte die Total Bitumen im vorigen Jahr mit einem großen Fest ihr 100-Jähriges Bestehen am Standort Brunsbüttel. Yara erweiterte die Harnstoffproduktion mit Wärmerückgewinnung zur Produktion von DeNOx-Lösungen für die Luftreinhaltung und flexibilisierte die Rohstoffnutzung der Ammoniak-Anlage. Brunsbüttel Ports ertüchtigte kürzlich den mittleren Liegeplatz im Elbehafen und investierte in neue Öllöscharme. Zudem wurden am Elbehafen in einem Gemeinschaftsprojekt der Brunsbüttel Ports, egeb Wirtschaftsförderung und Sartori & Berger ein neues repräsentatives Verwaltungsgebäudes gebaut. Investitionen, die klar für den Standort sprechen!
Als positiv denkender Mensch, sehe ich immer die Chancen im Vordergrund.

Wie wichtig ist es nach außen hin, dass große Konzerne in Brunsbüttel Werke haben? Als Lockmittel für Neuansiedlungen dient das ja offenbar nicht.
Unser Industriestandort Brunsbüttel hat seit vielen Jahren international namhafte Unternehmen vorzuweisen, die sicherlich für den Standort sprechen und auch Interesse bei potenziellen Neuansiedlern erzeugen. Auf viele dieser Namen und deren Erfolge setzen wir auch in Zukunft. Zusätzlich sind aber auch andere Faktoren, wie z. B. die infrastrukturelle Anbindung, Energieversorgung und die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal von hoher Bedeutung, um neue Unternehmen für Brunsbüttel zu gewinnen. Ein großes Plus ist auf jeden Fall die Akzeptanz für Industrie und der logistisch attraktive Standort am Schnittpunkt Elbe und Nord-Ostsee-Kanal.


Mit der Vielzweckpier soll das Tor für neue Investoren geöffnet werden, die in unmittelbarer Hafennähe produzieren. Da der Zug für den Offshoremarkt offenbar schon abgefahren ist, favorisiert das Land nun den Maschinenbau. Ist das realistisch?
Mit einer Fläche von 2000 Hektar ist der ChemCoast Park Brunsbüttel das größte Industriegebiet in Schleswig-Holstein. Über 12  500 Arbeitsplätze in der Region werden von den Unternehmen am Standort beeinflusst, mehr als 4000 davon direkt in Brunsbüttel. Daher begrüßen wir es, dass die Landesregierung plant, in die Infrastruktur zu investieren und den Standort damit für weitere Ansiedlung zu stärken.

Eins Ihrer Lieblingsthemen ist LNG, Flüssiggas, sowohl für Schiffe als auch für die Gasversorgung der Industrie. Kann die Realisierung einer zentralen LNG-Station ein Aufbruchsignal für den ChemCoast Park sein?
Durch umweltpolitische Neuregelungen in der Seeschifffahrt sowie durch geopolitischen Spannungen zwischen Europa und Russland, wurde in vielen Ländern LNG als Alternative zu herkömmlichen Schiffstreibstoffen sowie zu Pipelinegas erkannt. In Deutschland ist Brunsbüttel aus unserer Sicht der am besten geeignete Standort für ein LNG-Terminal, da hier sowohl die maritime Branche, als auch die regionale Industrie direkt versorgt werden kann. Zudem können Industrieunternehmen im Binnenland über die Schiene mit LNG beliefert werden. Die Realisierung eines LNG-Terminals wäre ein starkes Signal für den ChemCoast Park und Hafenstandort Brunsbüttel als Knotenpunkt im Unterelbe-Raum.

Woran hapert es? Zwei und mehr Jahre allein für Planung – schreckt das ansiedlungswillige Unternehmen ab?
Auch wir erachten die Komplexität und insbesondere die Zeitdauer bei Planungs- und Genehmigungsverfahren als gelegentlich hemmend für Investitionen. Hierzu muss jedoch angemerkt werden, dass dies ein bundesweites Problem ist und sich nicht nur in Brunsbüttel auswirkt. Die gute Zusammenarbeit mit den zuständigen Genehmigungsbehörden in Brunsbüttel, Dithmarschen, Steinburg und Schleswig-Holstein ist aus unserer Sicht eher ein Argument für die Ansiedlung in Brunsbüttel als dagegen.

Wo sehen Sie den ChemCoast Park in zehn Jahren?
Der ChemCoast Park Brunsbüttel wird noch enger im Verbund der Metropolregion Hamburg vernetzt sein. Hamburg mit dem Unterelberaum ist für die gesamte Region ein wichtiges Zugpferd und die Zusammenarbeit sollte noch weiter intensiviert werden. Der ChemCoast Park wird weiterhin der bedeutendste Industriestandort in Schleswig-Holstein mit den Schwerpunkten Chemieindustrie, Energieversorgung und Logistik sein. Die Ursprungsidee und –vision aus den 60ern und 70ern zur Entwicklung eines so großen zusammenhängenden Industriegebietes, wird sich auch in Zukunft als glückliche und richtige Entscheidung erweisen. Viele der damaligen Ziele werden wir auch in den nächsten 10 Jahren weiter umsetzten.

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erstellt am 23.Feb.2015 | 17:02 Uhr

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