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Norddeutsche Rundschau

17. Oktober 2017 | 23:27 Uhr

ChemCoast Park : Industrie Park fordert Taten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Werkleiterrunde in Brunsbüttel stellt einen Themenkatalog zusammen, dessen Abarbeitung durch Land und Bund für das Industrierevier als unverzichtbar gelten.

shz.de von
erstellt am 07.Jan.2014 | 11:45 Uhr

18 Schwerpunkte umfasst ein Maßnahmen- und Forderungskatalog, den die Werkleiterrunde für den ChemCoast Park Brunsbüttel erarbeitet und gestern in einer Pressekonferenz im Verwaltungsgebäude des Elbehafens vorgestellt hat. Als Sprecher dieser Runde erhob Frank Schnabel, Geschäftsführer von Brunsbüttel Ports, die eindringliche Forderung: „Wir brauchen mehr Tempo bei der Umsetzung der hier anstehenden Themen.“ Die Westküste brauche mehr Aufmerksamkeit, um die Rahmenbedingungen für Energie und Infrastruktur zügig zu verbessern. An Bund und Land appellierte Schnabel, bei der Vergabe der vorhandenen Finanzmittel die Westküste maßgeblich zu beteiligen. „Der dreispurige Ausbau der B 5 zwischen Itzehoe und Brunsbüttel sowie der Weiterbau der A 29 mit dem Sprung über die Elbe sind beschlossene Sache. Jetzt geht es darum, dass beides zügig gebaut wird.“

Gemeinsam mit der seit Jahresbeginn als neue Geschäftsführerin an der Spitze der Wirtschaftsförderung egeb stehenden Martina Hummel-Manzau und Olaf Hiel als Verantwortlichem für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit machte Frank Schnabel bewusst, dass der ChemCoast Park Brunsbüttel mit einer Fläche von 2000 Hektar das größte Industriegebiet in Schleswig-Holstein sei mit der Besonderheit, dass hier sogar noch 400 Hektar wassernah für eine Ansiedlung von Gewerbe- und Industriebetrieben verfügbar seien. Bei dem Maßnahmen- und Forderungskatalog gehe es vorrangig darum, den Standort Brunsbüttel zu stärken, ihn für Neuansiedlungen interessant zu machen sowie Arbeitsplätze zu erhalten und neue zu schaffen. Brunsbüttel sei ein wichtiger Standort in der Metropolregion Hamburg sowie im länderübergreifenden Wirtschaftsraum Unterelbe mit Unternehmen in Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Nicht ohne Grund habe der Kieler Wirtschaftsminister Reinhard Meyer die Region Brunsbüttel als „Perle der Wirtschaft“ bezeichnet.

Schnabel sprach nicht nur von der Bedeutung des ChemCoast Parks als Industrie- und Hafenstandort, sondern hob mit Nachdruck die Ausstrahlung auf den Arbeitsmarkt hervor: „Hier wurden 4000 direkte und deutlich mehr als 12 000 indirekte Arbeitsplätze geschaffen.“

Als Hauptthema für eine Stärkung und Weiterentwicklung des Industriestandorts bezeichnete Schnabel den dreispurigen Ausbau der B 5 bis Brunsbüttel und den Bau der A 20. Zudem bezog er auch die Optimierung der Schienenanbindung mit ein. Dass die Brunsbütteler Industrie mit nur einer eingleisigen Strecke von Wilster bis Brunsbüttel Zugang zum Schienenverkehr habe, sei ein einmaliger Standortnachteil. Sowohl Stade und Bremerhaven als auch Emden und Wilhelmshaven seien mindestens zweigleisig angebunden und hätten direkten Autobahnanschluss. Hier müsse die Westküste dringend aufholen. Den alten Güterbahnhof auf der Südseite müsse er als „abgängig“ bezeichnen, so Schnabel. Hier sei ein Neubau gemeinsam mit einer Optimierung der Schienenanbindung vor dem Industriegebiet denkbar. In diesem Zusammenhang müsste auch das noch mitten durchs Total-Werksgelände führende Gleis um den Betrieb herumgeführt werden, um die Arbeitssicherheit der Mitarbeiter zu verbessern.

Auf Unverständnis in der Werkleiterrunde mit Führungskräften der hier ansässigen Firmen und Unternehmen, die mit Brunsbüttel und dem Elbehafen verbunden sind, stieß die Argumentation der DB-Netz, die bislang eine zweigleisige Schienenanbindung mit dem Hinweis auf fehlende Verkehre abgetan habe. Diese Verkehre könnten aber erst aufgebaut werden, wenn es tatsächlich zwei Gleise gebe, hielt Frank Schnabel dagegen.

Von Bedeutung für die Infrastruktur sei auch die wasserseitige Anbindung sowohl über die Elbe als auch für den Nord-Ostsee-Kanal. In diesem Zusammenhang unterstützte er die von Hamburg geforderte Elbvertiefung, um damit auch den Elbehafen für Schiffe bis 14,8 Meter Tiefgang offen zu halten. Die Wirtschaft sei auf einen funktionsfähigen Kanal angewiesen, stellte Schnabel fest und forderte den zügigen Bau der 5. Schleusenkammer sowie die Sanierung der alten Schleusen. Hier sei nach dem „ersten Spatenstich“ vor eineinhalb Jahren nichts Entscheidendes geschehen, kritisierte der Sprecher der Werkleiterrunde.

Egeb-Geschäftsführerin Martina Hummel-Manzau zeigte sich optimistisch, dass im nächsten Jahr mit dem Bau der Multi-Purpose-Pier im Elbehafen begonnen werden könne. Sie geht davon aus, dass ab 2018 eine um 300 und vielleicht sogar um 600 Meter verlängerte Pier für den Schiffsverkehr zur Verfügung stehen werde.

In der Energieversorgung beharrt die Werkleiterrunde auf einer weiterhin kosteneffizienten Stromversorgung, die sowohl wirtschaftlich als auch politisch für die hier ansässigen Betriebe von höchster Bedeutung sei. Bei der Gasversorgung setzt Schnabel auf Liquid Natural Gas (LNG) als Zukunftsenergie für Schifffahrt und Industrie.

Um dem zunehmenden Fachkräftemangel zu begegnen, setzte sich Schnabel für eine verbesserte Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf das Berufsleben ein. Olaf Hiel ergänzte: „Wir müssen Fachkräfte nicht nur generieren, sondern auch halten!“

Eine Lanze brach Frank Schnabel für die egeb-Wirtschaftsförderung, die im Gegensatz zu den Regionen Rostock, Cuxhaven und Emden geringere finanzielle Förderung erhalte. Weil die Arbeit nun mit weniger Personal geleistet werden müsse, sagte Schnabel die Unterstützung der Wirtschaft zu, um die personellen Ressourcen zu stärken.

Von der Administration bei der Kieler Landesregierung erwarten die Werkleiter eine Optimierung von Genehmigungsverfahren, um diese zügiger zum Abschluss zu bringen. Ministerpräsident Torsten Albig habe einen Workshop angeregt, an dem man gern mitwirken wolle. Wunsch sei es, die Genehmigungsverfahren zu bündeln und dafür einen gezielten Ansprechpartner im Landeshaus in Anspruch nehmen zu können.

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