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Wirtschaft : Industrie fordert bessere Strukturen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Mehr Gehör in der Landes- und Bundespolitik wollen sich die Unternehmen im ChemCoast Park Brunsbüttel durch ein breit angelegtes lokales Bündnis verschaffen.

Schlechte Infrastruktur, schwache Gasversorgung der Industrie und – zumindest vorerst – die aufgeschobene Elbvertiefung: Im Brunsbüttel ChemCoast Park werden diese Themen seit Jahren diskutiert. Doch bislang gibt es nur wenig Reaktionen von Seiten der Politik. Erst zu Jahresbeginn hatten die Werkleiter einen Forderungskatalog nach Kiel und Berlin geschickt. Denn ihnen geht es um die Zukunft des landesweit größten zusammenhängende Industrieareals, in dem 4000 Menschen direkt beschäftigt sind und von dem weitere 12 000 Arbeitsplätze indirekt abhängen. Frank Schnabel, Sprecher der Werkleiterrunde, weiß, dass ein dickes Brett gebohrt werden muss, um sich Gehör zu verschaffen. Er bringt es für sich auf den Punkt: „Es gibt einen gewissen Grundfrust.“


Ausbau von Straße und Schiene seit Jahren überfällig


Die Unternehmen, so Schnabel, hätten Probleme damit, dass Anfang der 70er Jahre das Industriegebiet in der Schleusenstadt aus dem Boden gestampft wurde und sich bei der Infrastruktur seitdem nichts getan habe. Die B5 müsse zügig dreistreifig bis Brunsbüttel ausgebaut, die A20 bei Glückstadt über die Elbe geführt und die Bahnanbindung dringend zweigleisig und elektrifiziert ins Industriegebiet geführt werden. Woanders, sagt Schnabel, sei sowas offenbar selbstverständlich. Cuxhaven habe eine Autobahnanbindung und der nur schwach ausgelastete Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven eine zweigleisige Bahnanbindung bekommen – „obwohl es dort nicht einmal den Bedarf dafür gibt“.

Ihre Forderungen will die Industrie Dienstag kommender Woche einmal mehr vortragen. Als Podium dafür dient Schnabel das traditionelle Brunsbütteler Industriegespräch mit geladenen Teilnehmern aus Wirtschaft und Politik. Als besondere Gäste eingeladen sind Schleswig-Holsteins Wirtschafts- und Verkehrsminister Reinhard Meyer sowie der Parlamentarische Staatssekretär des Bundesverkehrsministeriums, Enak Ferlemann. Gerade Meyer, so Schnabel, habe vor seinem Wechsel in die Kieler Landesregierung in ähnlicher Position in Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) gezeigt, was möglich ist.

Und, die Wirtschaft im Brunsbütteler Industrierevier will neue Wege gehen. So hat Frank Schnabel mit dem DGB bereits ein erstes Gespräch geführt. Ziel ist ein Bündnis aus Unternehmen, Gewerkschaften und der lokalen Politik. So will sich der ChemCoast Park mehr Gehör verschaffen im großen Wetteifern um staatliche Gelder für den Ausbau der Infrastruktur. „Nur wenn wir richtig wahrgenommen werden, bekommen wir, was wir brauchen!“

Dies sei unverzichtbar, um das Areal nach über 40 Jahren in die Zukunft zu führen und um neue Firmen anzusiedeln. Immerhin 450 der insgesamt 2000 Hektar Fläche können noch besiedelt werden. Aber, so Schnabels Stellvertreter Morten Holpert, angesichts ausbleibender Verbesserung der Strukturen, gebe es eben auch keine Neuansiedlungen.

Was allein der fehlende Ausbau der B5 bedeutet, machte Morten Holpert, zugleich Geschäftsführer bei Holcim, gestern im Pressegespräch deutlich: 60 000 Lkw pendeln im Jahr zwischen dem Werk Lägerdorf und Brunsbüttel hin und her, um Zement am Kanal auf Schiffe zu verladen. „Wir fahren angesichts der tagsüber stark belasteten B5 vorwiegend nachts.“ Die Bahn übrigens, das betonte Holpert auch, sei unter Kostengesichtspunkten keine Alternative.

Die Werke im ChemCoast Park wollen nicht nur fordern, sie bieten auch selbst Lösungen an. Etwa bei der gerade im Winter spürbaren Unterversorgung mit Gas. So könnte, bundesweit einmalig, in Brunsbüttel eine Importstation für Flüssiggas errichtet werden. Die Kapazität könnte bei einer halben Million Kubikmeter liegen. Die geschätzten Kosten liegen im dreistelligen Millionenbereich. Allein die Hälfte des Gases, erklärte Schnabel, würde die Industrie abnehmen. Nicht zuletzt, um etwas unabhängiger von russischen Gaslieferungen zu werden. Die andere Hälfte biete sich beispielsweise als Schiffstreibstoff an. Was fehlt, ist ein Investor.

 

>Internet: www.chemcoastpark.de

 

 

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erstellt am 15.Okt.2014 | 17:00 Uhr

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