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Norddeutsche Rundschau

18. August 2017 | 05:18 Uhr

Abenteuer : In Unterhose über den Pazifik

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wilsteraner Weltenbummler zu Besuch bei seiner Stammesfamilie auf der kleinen Insel Vanuatu.

Ein schwächelnder Motor, ungünstige Winde und zum Essen nur Bananen und selbst gefangene Fische – unter diesen Bedingungen segelte der Wilsteraner Tobias Haack über 2600 Seemeilen (knapp 5000 Kilometer) durch den Pazifik. Ganz allein, nur mit einer Unterhose bekleidet, gelangte der 29-Jährige so von Tahiti auf die kleine Insel Vanuatu, auf der der Weltenbummler vor drei Jahren schon einmal zu Besuch war und in eine Stammesfamilie aufgenommen worden war.

Selbstverständlich verlief die Überfahrt, die rund einen Monat dauerte, nicht ganz ohne Komplikationen. Schon die Vorbereitungen auf Tahiti Ende vergangenen Jahres hatten sich in die Länge gezogen: Monatelang wartete Tobias Haack auf Ersatzteile aus Deutschland, um den Motor seiner Segelyacht „Toango” auf Vordermann zu bringen. Als die Teile schließlich eintrafen, konnte Haack mit der Unterstützung von Einheimischen die defekte Einspritzpumpe reparieren.

Bei schwachem Wind konnte der Motor gleich in den ersten Tagen, nachdem Haack in See gestochen war, zeigen, dass er funktionierte. Doch das sollte nicht so bleiben. Zehn Tage nach Aufbruch berichtet Haack: „Maschine bleibt nicht auf Drehzahl, hoffe es liegt an der Treibstoffzufuhr.” Die Hoffnung sollte sich nicht bestätigen. Bis zum Erreichen seines Ziels hat der Segler immer wieder mit seinem Motor zu kämpfen: „Erst nach einer Stunde Filter wechseln, Schläuche tauschen, Diesel mit dem Mund ansaugen und Entlüften sprang das Miststück endlich an”, schreibt Haack noch am letzten Tag der Reise in seinem Blog.

Für Erheiterung sorgten auf der einsamen Fahrt die Seevögel, die Haack immer wieder mal einen Besuch abstatteten. Da war beispielsweise ein Tölpel, der eines Tages unsanft auf dem Deck der Toango landete: „Als ich an Deck ging, um über Bord zu pinkeln, quakte er erschrocken auf dem Deck der anderen Seite. Später fiel er ungeschickt ins Wasser und ich motorte davon, ihm winkend.” Nach einigen Minuten kam das Federvieh noch einmal zurück und landete wiederum unsanft auf dem Deck, um einige Meilen mit dem Wilsteraner zu reisen. Zum Dank verrichtete es ein stinkendes Geschäft an Bord der Yacht, bevor es verschwand.

Wenig hilfreich erwiesen sich die Vögel bei der Jagd nach Fischen – die einzige Möglichkeit für Haack, frische Nahrung zu bekommen. Von einem erfolgreichen Fang berichtet er auf seinem Blog: „Fetten Thunfisch gefangen! Hunderte Seevögel verschiedener Arten attakierten die Wasseroberfläche um Toango auf der Jagd nach Fisch. Hätte jetzt zehn weitere Thunfische fangen können. Doch der Dicke hatte eine riesige Menge Fleisch. Ich schätze, er wird für Frühstück, Mittag, Abend, Frühstück, Mittag, Abend reichen. Ich werde ein bisschen warten, bevor ich wieder fische.”

Als Haack viele Tage später, nachdem er die Datumsgrenze passiert und weiter mit dem Motor gekämpft hat, die Insel Vanuatu erreicht, gibt es kein Halten mehr: „Ich bastelte mein altes Klapprad zusammen, schnappte meine Bootspapiere, ruderte an Land und radelte in die kleine Stadt Luganville, um mich bei den Autoritäten anzumelden. Gleich darauf besuchte ich meine Freunde. Sie konnten nicht glauben, dass ich tatsächlich zurückgekommen bin.”

Die Überfahrt ist inzwischen mehrere Wochen her. Derzeit bereitet Haack zusammen mit seinem „Stammesbruder” die Adoption in eine Eingeborenen-Familie vor. „Das bedeutet, dass sich ein Großteil meiner Brüder versammelt und ich dann ein Schwein erschlage.” Eine Freundin hat er auf der Insel bereits gefunden. Das Problem: „Solange ich sie nicht ‚geblockt’ habe, das heißt ihrer Familie einige Sachen überbracht habe, dürfen ihre Brüder und Väter mich nicht mit ihr zusammen sehen. Daher will ich sie so bald wie möglich blocken, damit ich ihre Familie kennen lernen kann.“

>Tobias Haack war im November 2013 zusammen mit seinem Kumpel Björn Voß zu einer Weltumseglung aufgebrochen. Im Moment reisen die beiden getrennt voneinander, Björn Voß hält sich in Neuseeland auf (wir berichteten). Örtliche Unternehmen sponsern ihre Tour. Über ihre Erfahrungen berichten sie regelmäßig in ihrem Blog http://toangotoango.blogspot.de/

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erstellt am 14.Mär.2015 | 16:25 Uhr

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