zur Navigation springen

Denkmalpflege : „In Schleswig-Holstein fast einmalig“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Denkmalschützer schwärmt vom Neuen Rathaus in Wilster. Jetzt gehen die Restaurierungsarbeiten im Bürgermeister-Zimmer weiter.

shz.de von
erstellt am 06.Apr.2017 | 05:57 Uhr

Dr. Günter Klatt geht mit leuchtenden Augen durch die Räume in der ersten Etage des Neuen Rathauses. Die Sanierungsarbeiten im mittleren Teil sind abgeschlossen, grüner Salon und ein mit prachtvollen Wandmalereien versehener Nebenraum erstrahlen in altem Glanz. Günter Klatt ist zufrieden. Das Geld der durch ihn als Ortskurator vertretenen Deutschen Stiftung Denkmalschutz ist gut angelegt. 60  000 Euro hatte die Stiftung zu den Sanierungsarbeiten beigesteuert, weitere 15  000 Euro für die gelungene Freilegung der Wandmalereien in einem Nebenraum das Gartensalons.

Seit gestern wird das finanzielle Engagement auch nach außen hin deutlich. Gleich neben dem Haupteingang befestigte ein Mitarbeiter des Bauhofs eine schwere Stiftungsplakette. Direkt darunter zeigt ein kleines Schild, dass auch die Landesdenkmalpflege sich mit pekuniären Zuwendungen um den Erhalt des architektonischen Kulturguts verdient gemacht hat.

„Das ist fast einzigartig in Schleswig-Holstein“, macht Günter Klatt die Bedeutung des Neuen Rathauses deutlich. Im Inneren des Gebäudes aus dem 18. Jahrhundert sind zudem noch zahlreiche Relikte und Einbauteile aus dem längst abgerissenen Drager Schloss zu bewundern. Der aus Nordfriesland kommende Kurator ist der Region ohnehin auf besondere Weise verbunden. Der bedeutende Glückstädter Maler und Grafiker Max Kahlke war ein Cousin seines Großvaters.

Bürgermeister Walter Schulz nutzte die Gelegenheit, sich nun auch ganz offiziell bei der Denkmalstiftung für die Unterstützung bedanken zu können. „Nur so können wir der Nachwelt etwas Vorzeigbares hinterlassen“, wies er auf die chronisch leere Stadtkasse hin. Mit Besuchern, so Schulz weiter, gehe er stets voller Stolz durch die Räumlichkeiten. Demnächst kann er dann auch sein ehemaliges Bürgermeisterbüro in den Rundgang mit einbeziehen. Fördergelder für die dortige Restaurierung sind beantragt und bereits genehmigt. Kalkuliert wird mit einem Finanzvolumen von knapp 30  000 Euro. Den Zuschlag für die Arbeiten hat wieder der Lübecker Restaurator Jarek Kulicki bekommen. „Ein Genie“, lobt Schulz dessen bisherige Arbeit.

Allgemein bedauert wurde, dass das kulturhistorische Juwel neben zahlreichen weiteren Kleinoden im Stadtgebiet mitunter gar nicht mehr genug gewürdigt werde. „Es gibt ja in den Schulen auch keinen Heimatkundeunterricht mehr“, bedauert die Wewelsflether Architektin Christine Scheer, dass der Nachwuchs in den Gemeinden gar nicht mehr recht mit der eigenen Geschichte vor Ort vertraut gemacht werde. Scheer und Schulz erinnerten auch daran, dass es für Realschüler einst üblich gewesen sei, zum Ende der 10. Klasse eine Jahresabschlussarbeit über das eigene Lebensumfeld zu schreiben. Frühere Arbeiten seien heute bedeutende Informationsquellen, die es künftig nicht mehr geben werde. Dafür gibt es noch Pinsel mit Straußenfedern. Mit diesen kann man empfindliche Oberflächen besonders pflegeleicht von Staub befreien. Wie Christine Scheer berichtet, habe das Reinigungspersonal im Neuen Rathaus strikte Ordner, mit Blattgold überzogene Teile von historischen Spiegeln besonders behutsam zu behandeln. Damit wurde eine Empfehlung des Restaurators umgesetzt. Den Straußenfeder-Pinsel fand man im unerschöpflichen Sortiment von „Klein Karstadt“.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen