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Norddeutsche Rundschau

20. Oktober 2017 | 00:22 Uhr

Wohnungsbau : In jedes Dorf ein Wohncontainer ?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Amts-Bauausschuss steht 1,4 Millionen Euro teurem Neubau von Schlichtwohnungen in Wilster skeptisch gegenüber – und sucht jetzt nach Alternativen.

shz.de von
erstellt am 04.Nov.2015 | 16:25 Uhr

Mit einem Neubau von weiteren Schlichtwohnungen kann sich der Bauausschuss des Amtes Wilstermarsch nicht so recht anfreunden. Mit dem Hinweis auf den anhaltenden Zustrom von Flüchtlingen hatte die Verwaltung Pläne für den Bau von bis zu 16 weiteren Wohneinheiten unmittelbar neben den Notunterkünften am Ortseingang von Wilster vorgelegt. Bis zum Jahresende, so begründete der Leitende Verwaltungsbeamte Heiko Wiese, rechne man zusätzlich zu den im Amtsgebiet rund 100 schon untergebrachten mit weiteren bis zu 150 Flüchtlingen. „Mit den Angeboten auf dem Wohnungsmarkt werden wir dieses Jahr noch überstehen“, ist er zuversichtlich. Da sich der Trend aber 2016 fortsetzen werde, müsse ein Puffer zur Unterbringung der Menschen geschaffen werden. Der Plan: Für insgesamt 1,4 Millionen Euro sollen bis zu 16 neue Wohneinheiten auf dem amtseigenen Gelände entstehen. Vorgesehen ist eine massive Bauweise mit allerdings einfacher Ausstattung. So könnten nach weiteren Umbauten die Wohnungen als sozialer Wohnraum genutzt werden, wenn die Flüchtlingswelle abgeebbt ist.

„Das ist kein Pappenstiel“, bekannte Volker Bolten (St. Margarethen), dass er bei dieser Größenordnung „ein bisschen Bauchschmerzen“ habe. Da für die Realisierung ein Zuschuss in Höhe von 25  000 Euro noch bis 4. Dezember abgerufen werden müsse, halte er das auch für einen „nicht glücklichen Schnellschuss“. Wie er vermisste auch Delf Bolten (Wewelsfleth) mögliche Alternativen. Die kamen dann in der Diskussion zum Vorschein. So wurde die Möglichkeit in die Runde geworfen, je nach Bedarf Wohncontainer anzuschaffen. Für Heino Evers (Ecklak) wäre das sogar eine gute Möglichkeit, eventuelle Fördertöpfe voll auszuschöpfen. Nun soll geprüft werden, ob es die 25  000 Euro auch für jeden einzelnen Wohncontainer gibt, wenn diese dezentral aufgestellt werden. Damit würde auch das erklärte Ziel der Ausschussmitglieder erreicht, die Unterbringung von Flüchtlingen möglichst nicht an einem Standort zu konzentrieren. Allerdings müsste dann in jedem Dorf ein Container platziert werden.

Delf Sievers (Dammfleth) schlug vor, erst einmal in der Stadt Wilster nach freien Grundstücken oder Wohneinheiten zu suchen. „Ein Neubau in dieser Größenordnung würde bei uns keiner verstehen“, gab er die Stimmungslage wieder. Heino Evers regte zudem an, ob man nicht private Hauseigentümer ermuntern könne, erforderliche Ausbauten vorzunehmen. Dafür allerdings, so hieß es von der Verwaltung, gebe es keine Zuschüsse.

„Eigentlich wollten wir Container-Standorte möglichst vermeiden“, warb Heiko Wiese noch einmal für den Neubau. Dieser, so rechnete er vor, werde sich innerhalb von 20 Jahren durch die Einnahmen rechnen. Und für Wohnraum in unmittelbarer Nähe zu Wilster gebe es immer einen Markt.

Nun soll zunächst parallel die Container-Lösung geprüft werden. Vorsorglich empfahl der Ausschuss aber auch, schon einmal Geld im Etat für das nächste Jahr bereitzustellen. Mit dem Thema wird sich dann morgen auch noch einmal der Finanzausschuss befassen.

Einig waren sich die Ausschussmitglieder allerdings, dass die schon vorhandenen Schlichtwohnungen saniert werden sollen. Unter anderem sind eine moderne Gas-Zentralheizung, eine Sanierung der Bäder und diverse Malerarbeiten vorgesehen. Auf den Austausch sämtlicher 31 Fenster und der sieben Außentüren will man zunächst aber aus Kostengründen verzichten. Fenster sollen lediglich nach Bedarf erneuert werden. Der ursprüngliche Haushaltsansatz für die Sanierung wurde von 95000 auf 90000 Euro heruntergesetzt. Am Sanierungsbedarf gab es insbesondere nach einer Ortsbesichtigung keinen Zweifel. „Asylbewerber müssen menschenwürdig untergebracht werden“, sagte Delf Bolten. Die Gebäude selbst sind noch in einem guten Zustand. Den Innenräumen sieht man allerdings einen in 31 Nutzungsjahren entstandenen Verschleiß an. Im Rahmen der Modernisierung sollen übrigens Durchflussbremsen in der Elektrik eingebaut werden – insbesondere mit Blick auf kostenintensive Durchlauferhitzer.

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