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Europawahl am 25. Mai 2014 : „In Europa hab’ ich jetzt Blut geleckt“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Britta Reimers aus Poyenberg: Steinburger Europaabgeordnete Britta Reimers strebt eine weitere Legislaturperiode an. Auf der Bundesliste ihrer Partei will sie weit nach vorne

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2013 | 05:00 Uhr

Die Kommunalpolitiker haben sich inzwischen neu sortiert, und in Berlin laufen die Sondierungsgespräche auf Hochtouren – da fiebert Britta Reimers schon dem nächsten Wahltermin entgegen. Am 25. Mai 2014 wird ein neues Europäisches Parlament gewählt. Und da will die 42-Jährige an vorderster Front mitmischen. Vor vier Jahren war die gelernte Landwirtin dank eines guten Ergebnisses für die FDP in den Straßburger Plenarsaal eingezogen. Damit stellte der Kreis Steinburg erstmals seit 1958 wieder einen Vertreter auf EU-Ebene. Damals saß der 1990 verstorbene, frühere schleswig-holsteinische Landwirtschaftsminister Dr. Ernst Engelbrecht-Greve im Europaparlament.

Für Britta Reimers war es ein Sprung ins kalte Wasser. Der Einzug über FDP-Listenplatz 12 war nicht unbedingt vorhersehbar. Plötzlich mussten Familie, Beruf und die politische Herausforderung unter einen Hut gebracht werden. Die Bilanz heute: Den Familienbetrieb mit Milchvieh und Futterbau schmeißt der Ehemann mit einem Angestellten und die inzwischen 14 und 16 Jahre alten Kinder hätten sich „super entwickelt“. „Ich will weitermachen. Jetzt habe ich Blut geleckt“, ist Britta Reimers in den Jahren als Abgeordnete zur überzeugten Europa-Politikerin geworden. Außerdem, so fügt sie hinzu, dürfe das in den vergangenen Jahren erworbene Know-how auch nicht verloren gehen.

In Straßburg gehört Britta Reimers der 85 Mitglieder starken Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (ALDE-Fraktion) an. Inzwischen ist sie hier sogar zur parlamentarischen Geschäftsführerin aufgestiegen – ehrenamtlich, wie sie auf Nachfrage betont. Ihre Fachbereiche sind die Ausschüsse für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung sowie für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit. Auf Landesebene ist die 42-Jährige Stellvertreterin von FDP-Chef Dr. Heiner Garg sowie im Landesfachausschuss Agrar aktiv. Nur in ihrem Heimatkreis übt sich die frühere Kreistagsabgeordnete aktuell eher in Zurückhaltung. „Bei Bedarf stehe ich aber bereit“, sagt sie.

In ihrer Heimatregion ist Britta Reimers ohnehon eher seltener zu sehen – abgesehen vom „heiligen Sonntag“, den sie grundsätzlich bei ihrer Familie verbringt. Dabei hat auch sie vor der Bundestagswahl engagiert um Stimmen für die Liberalen geworben. Als europäische Agrarexpertin war sie bundesweit im Einsatz, nahm viele Termine vor allem auch in Süddeutschland wahr. Und das für ihre Partei vernichtende Wahlergebnis ? „Ich hatte schon mit einem Denkzettel gerechnet, aber niemals, dass wir unter die fünf Prozent rutschen.“ Für ihre Arbeit als Abgeordnete hat der Rausschmiss der FDP aus dem Bundestag gravierende Folgen. Die Partei muss sich von insgesamt rund 600 festen Mitarbeitern trennen, die auch ihr bei Bedarf zugearbeitet hatten. „Berlin war für mich schon eine ganz wichtige Schnittstelle. Unser Netzwerk muss jetzt völlig neu aufgebaut werden.“ Britta Reimers selbst beschäftigt als Abgeordnete zwei Mitarbeiter in Brüssel und einen in Schleswig-Holstein. In der Landesgeschäftsstelle hat sie ein eigenes Büro. „Wir müssen jetzt alle Kräfte bündeln“, kündigt sie angesichts der Misere ihrer Partei eine verstärkte Präsenz in der Heimat an.

Ihr oberstes Ziel bleibt der Wiedereinzug ins Europäische Parlament. Wohl auch für dem Hintergrund, dass die Liberalen auch bei der Europawahl mit Stimmeneinbußen rechnen müssen, will sie um einen vorderen Listenplatz kämpfen. Ganz entschieden macht sie sich dabei für einen personellen Neuanfang der gesamten Partei stark. Befürchtungen, bei der Europawahl könnten Versorgungspöstchen für algediente Parteifreunde eine Rolle spielen, tritt sie ebenso entschieden entgegen. Fest steht für Britta Reimers nur, dass Alexander Graf Lambsdorf, ein Neffe des früheren Bundeswirtschaftsministers, Spitzenkandidat werden soll. Für die Listenplätze dahinter steht für sie fest: „Ich will weiter nach vorne.“ Schließlich habe sie in den vergangenen vier Jahren so viel gelernt, das müsse nun auch genutzt werden. Im November werden auf Landesebene die personellen Weichen für die Europawahl gestellt. Im Januar folgt dann in Bonn die Aufstellung der liberalen Bundesliste. Und da will eine Landwirtin aus einer kleinen Gemeinde im Kreis Steinburg eine möglichst große Rolle spielen.

 

 

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