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Ausgewandert : In Afrika eine neue Heimat gefunden

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Carsten Wille stammt aus Beidenfleth. Inzwischen lebt und arbeitet er im afrikansichen Guinea-Bissau – und hat dort eine Familie gegründet.

Seit zehn Jahren lebt Carsten Wille in Guinea-Bissau und betrachtet das Land inzwischen als sein Zuhause. Er lebt dort mit seiner Frau Djenaba-Fanta Dabo-Wille und den Kindern Ussumane und David in der Hauptstadt Bissau. Bis vor gut drei Jahren hatte Carsten Wille die Leitung beim Bewässerungsanlagenbau einer Brokdorfer Firma, jetzt leitet er das Verbindungsbüro der Deutschen Botschaft Dakar in Bissau. Die Botschaft unterstützt unter anderem Projekte zur Förderung der Wirtschaft und besserer Lebensbedingungen.

„Wir haben viel Landwirtschaft, aber die anfallenden Arbeiten werden per Handarbeit erledigt, nicht mit schwerem Gerät wie in Deutschland“, erzählt Wille. Er ist mit seiner Familie und den Schwestern seiner Frau, Binta und Mariama, zu Besuch in Beidenfleth. Als Junge in der Wilstermarsch aufgewachsen zeigt er den afrikanischen Gästen das Land. Seine Frau war schon zwei Mal in Deutschland, der Rest der Familie ist beeindruckt von Land und Leuten.


Großwild im Serengeti-Park


„Wir haben bei unserer Ankunft Freunde in Köln besucht und waren im Phantasialand Brühl, da waren die Kinder schon begeistert.“ Der Kölner Dom mit seiner filigranen Architektur und den Buntglasfenstern war ebenso faszinierend wie die Tatsache, dass jeder Raum einen Stromanschluss und jedes Haus fließend Wasser hat. „Wir sind auch ans Stromnetz angeschlossen, aber haben einen eigenen Generator, der meistens nur abends angeschaltet wird“, erklärt Carsten Wille. Wasser wird aus dem Brunnen vor dem Haus geholt.

Auch an den Rhythmus mussten sich alle erst gewöhnen. Morgens ist es früh hell und abends spät dunkel, für uns Europäer nichts Ungewöhnliches im Sommer. In Guinea-Bissau beginnt der Tag um 7 und endet um 19 Uhr. „Sonnenauf- und untergang ist bei uns sehr schnell, da gibt es keine langen Dämmerungsphasen.“

Das in Afrika lebende Großwild haben Willes jetzt im Serengeti-Park Hodenhagen staunend erlebt. „Wenn überhaupt, dann sieht man bei uns mal eine Gazelle, Affen und Hyänen.“ Genauso wenig kannte der Besuch Meeresbrandung und überfüllte Strände, wie sie zurzeit an der Nordsee zu erleben sind. Und ein besonderes Erlebnis waren auch ein Besuch des WOA und des Wilster-Jahrmarkt. Während Carsten Willes Erinnerung an den Markttrubel vergangener Jahre nicht bestätigt wurde, waren die Jungen begeistert. Gemeinsam mit ihren Cousins Asmus und Tede Doberstein konnten sie einige Fahrgeschäfte ausprobieren. „In Bissau gibt es seit zirka einem Jahr einen Autoskooter, der an Feiertagen stark frequentiert wird“, berichten Carsten und Fanta Wille. Außerdem wird in Bissau Karneval mit großen Umzügen gefeiert, in denen sich die verschiedenen Volksgruppen präsentieren.

„Bei uns leben alle Religionen einhellig zusammen, und jeder feiert die Festtage des anderen mit, egal ob christlich oder muslimisch“, sagt Carsten Wille. Und darum wurde auch in Beidenfleth-Dodenkopp das Zuckerfest zum Ende des Ramadan gefeiert. Carsten Wille genießt die Wochen in seiner Heimat, die Treffen mit Familie und Freunden. Für die Söhne seiner Schwester Meike ist es eine spannende Zeit mit den Afrikanern, und die Unterhaltung zwischen den Kindern klappt bestens. Während Ussumane und David von ihren Cousins Deutsch lernen, versucht Asmus sich in Englisch. „Aber ich fahre auch gerne wieder nach Afrika, da ist unsere Arbeit und unser Zuhause“, sagt Carsten Wille.

Knapp sechs Wochen Deutschland-Urlaub gehen jetzt zu Ende. Ein Abstecher zu Freunden in den Schwarzwald ist noch geplant, und die letzten Einkäufe müssen noch erledigt werden. Carsten Wille kocht gern und einige Zutaten nimmt er aus Deutschland mit. Aus Afrika hatten die Besucher Affenbrotbaum-Früchte und getrocknete Hibiskus-ähnliche Blüten mitgebracht. Daraus wurde leckerer Fruchtsaft hergestellt. Und wenn die Wilstermarschler auch nicht mit Krokodilen und Stachelschweinen als Haustiere aufwarten konnten, gibt es Internet, und Facebook rund um die Uhr. „Wir müssen in Afrika erst ins Internet-Café und hoffen, dass es klappt.“

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