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Norddeutsche Rundschau

18. August 2017 | 13:15 Uhr

Nahverkehr : Immer Ärger mit der Nordbahn

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Probleme im Schienenverkehr reißen nicht ab / Glückstädter Arbeitsgruppe übt scharfe Kritik an Verkehrsbetrieb und Nahverkehrsverbund

Manch ein Bahnfahrer reagiert inzwischen mit purem Sarkasmus auf die Situation im Schienennahverkehr zwischen der Elbestadt und Hamburg sowie Itzehoe: „Unglaublich! Dieses Foto beweist es. Ein Zug der Nordbahn in Hamburg angekommen“, schreibt ein Internet-Nutzer im sozialen Netzwerk Facebook unter ein Bild eines Zuges im Hamburger Bahnhof Dammtor.

Andere Bahnfahrer reagieren mit Resignation: „Wir sind halt in Glückstadt geblieben und haben es uns am Hafen gemütlich gemacht – zum Glück war schönes Wetter“, sagt Silke Zadeck. Die Glückstädterin wollte eigentlich vor wenigen Tagen mit ihrer Freundin Brigitte Voigt einen Ausflug nach Hamburg machen. Nachdem sie eine Stunde auf dem Bahnhof gewartet hatten und immer noch kein Zug kam, änderten sie genervt ihre Pläne. „Was mich vor allem stört, ist das mangelnde Krisenmanagement“, sagt Brigitte Voigt. „Dass es zu Problemen kommen kann, ist klar. Aber dass es dann weder vernünftige Durchsagen noch einen Schienenersatzverkehr gibt, kann ich nicht verstehen.“ Das Geld für ihre bereits bezahlte Fahrkarte haben die beiden Glückstädterinnen übrigens trotz intensiver Bemühungen auch nach Tagen noch nicht erstattet bekommen. „Bei uns ist es wirklich kein Drama gewesen – es war ja nur Freizeit. Aber andere müssen zur Arbeit oder haben sonstige wichtige Termine“, ärgert sich Silke Zadeck.

Die Liste der Beschwerden ließe sich lange fortsetzen. In den Postfächern der Redaktion der „Glückstädter Fortuna“ häufen sich die Klagen über Probleme bei der Nordbahn. Im Internet beschweren sich zahlreiche Bahnkunden über die offenbar nach wie vor unzuverlässigen Verbindungen und die schlechte Information.

Dabei sollte eigentlich alles besser werden: Per Pressemitteilung räumte die Nordbahn vergangene Woche Startschwierigkeiten nach der Übernahme der Strecke Hamburg-Itzehoe ab dem 14. Dezember ein. Diese habe zu „anfänglichem Ärger, den die Fahrgäste an einigen Stellen berechtigt geäußert“ hätten, geführt. Nun sei die Nordbahn aber „weitgehend im Routinebetrieb angekommen“. Insgesamt bewertet das Unternehmen die „zurückliegende Betriebsaufnahme unter Berücksichtigung aller Faktoren wie zum Beispiel der generellen Auslastung der Strecke, die eine hundertprozentige Pünktlichkeit nicht zulässt, positiv“.

Diese Einschätzung teilen weder die vielen verärgerten Bahnfahrer noch die überparteiliche Glückstädter „Arbeitsgruppe Bahn“, in der sich neben Bürgermeister Gerhard Blasberg und Vertretern aller Fraktionen der Stadtvertretung auch Lutz Thieme vom Fahrgastverband Pro Bahn und Heike Schlüter als Sprecher der Glückstädter Pendler engagieren. „Mitnichten“ könne die Rede von Routinebetrieb sein. Stattdessen „werden die Glückstädter Bahnkunden auf eine harte Geduldsprobe gestellt“, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Arbeitsgruppe habe darauf gehofft, „dass es sich bei den Problemen der Nordbahn um Kinderkrankheiten handelt und dass der Betrieb sich normalisiert. Heute müssen wir mit Bedauern feststellen, dass dieses nach wie vor nicht der Fall ist“. Die Arbeitsgruppe fordert die Geschäftsführung der Nordbahn auf, „nicht die Augen vor den offensichtlich vorhandenen Problemen zu verschließen und endlich dafür Sorge zu tragen, dass der Zugverkehr auf der Strecke Itzehoe-Hamburg so wie versprochen reibungslos von statten geht“.

Die Kritik richtet sich auch an den Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein (NAH.SH), den landeseigenen Auftraggeber der Nordbahn. „Wir Glückstädter erwarten ein professionelles Qualitätsmanagement“, heißt es in Richtung von NAH.SH. „Augen zu und durch“ sei zu wenig. Es gelte Mängel „zeitnah abzustellen“. Als „zielführenden Vorschlag“ legt die Arbeitsgruppe der NAH.SH den ständigen Halt der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) in Glückstadt nahe. Das „würde alle Probleme und Sorgen der Glückstädter Bahnkunden auf einen Schlag lösen“, heißt es weiter. Ziel der Arbeitsgruppe bleibe langfristig eine ganztägige halbstündige Bahnanbindung der Elbestadt an Hamburg und Itzehoe. Dafür wolle man auch in Zukunft „überparteilich und unabhängig streiten“.

 

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erstellt am 18.Apr.2015 | 17:00 Uhr

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