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Norddeutsche Rundschau

20. August 2017 | 06:30 Uhr

Hilferuf : Immer Ärger mit dem Müll

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Anwohner in Herzhorn klagen über weite Wege bei der Abfallentsorgung. Der Bürgermeister sieht wenig Chancen für Änderungen von Amts wegen.

„Bei Eis und Schnee packe ich mein Altpapier ins Auto und fahre es nach Glückstadt. Das kann doch wohl nicht sein.“ Walter Ladiges ärgert sich. Wie seine Nachbarn an der Straße Am Deich muss der 68-jährige Herzhorner seinen Müll nicht, wie die meisten anderen Leute, nur zu seiner Grundstücksgrenze bringen, sondern ein ganzes Stück weiter zur Kreisstraße 23. Das Problem: Die Straße verläuft oben auf dem alten Deich und der Weg dahin ist steil und, besonders im Winter, oft rutschig. Mehrere kleine Wege aus Gehwegplatten führen von den Wohnhäusern unten nach oben zur Straße.

„Die gelben Säcke sind ja noch leicht, aber spätestens den schwarzen Sack und die Papiertonne kann man als älterer Mensch dort nicht rauf bekommen“, beschwert sich auch Ladiges Nachbarin Gisela Thomsen. Vielen Anwohnern breite es seit Jahren Probleme den Müll zu entsorgen, sagt Thomsen. Sie selbst sei bereits mehrfach hingefallen auf dem Weg zur Straße. Zum Glück habe sie sich nicht ernsthaft verletzt, aber viel habe nicht gefehlt. „Muss sich erst jemand ein Bein brechen, damit sich etwas ändert?“, fragt die 69-Jährige. Ein weiteres Problem aus ihrer Sicht: Oben auf dem Deich liege der Müll ungeschützt im Wind. „Ich habe bereits mehrfach mühselig die Säcke nach oben gebracht und am Ende liegen sie wieder unten.“ Auch für den Straßenverkehr sieht Thomsen eine Gefahr durch herumwehenden Müll.

Der Grund für den weiten Weg zur Abholung ist die Gewichtsbegrenzung der Anwohnerstraße. Nur fünfeinhalb Tonnen dürfen Fahrzeuge wiegen, die dort entlang fahren – zu wenig für die normalen Müllwagen. Die Anwohner wünschen sich daher ein spezielles Fahrzeug, dass den Müll unten abholt. „Es gibt hier im Kreis leichtere Wagen. Bei anderen Straßen mit Gewichtsbegrenzung kommen sie auch“, berichtet Walter Ladiges.

Bereits mehrfach haben sich die Anwohner deshalb an die Gemeinde gewandt – zuletzt auf der Gemeinderatssitzung. Bürgermeister Wolfgang Glißmann hat Verständnis: „Das ist ein ernstes Problem.“ Unterschiedliche Lösungsansätze seien bereits mit der zuständigen Abteilung für Abfallwirtschaft im Kreis diskutiert worden. „Die Mitarbeiter der Kreisverwaltung haben das Anliegen sehr ernsthaft geprüft, sehen aber keine Möglichkeit zu helfen“, sagt Glißmann. Er habe auch Verständnis für die dortige Sichtweise. „Der Kreis kann nicht für jeden eine individuelle Lösung finden. Wo fängt man da an und wo hört man auf?“, fragt der Bürgermeister. Allein in der Gemeinde Herzhorn gäbe es bereits mehrere andere Straßen, wo die Lage ähnlich sei.

Alternativ wünschen sich die betroffenen Herzhorner, dass der Gemeindearbeiter, der über einen leichten Trecker mit Anhänger verfügt, für einen reibungslosen Mülltransport sorgt. Auch dies hält Glißmann für nicht umsetzbar. „Das kann man nicht einfach willkürlich machen. Dafür ist unser Mitarbeiter auch nicht da.“ Am Ende würde er im ganzen Dorf den Müll abholen, befürchtet der Bürgermeister. „Und er hat auch so genug zu tun.“ Glißmann schwebt eher eine andere Lösung vor. „Das Problem besteht, und es muss irgendwie hier in der Gemeinde gelöst werden – ehrenamtlich oder auf nachbarschaftlicher Basis.“ Vielleicht sei auch ein Schüler bereit sich sein Taschengeld aufzubessern.

Einige Anwohner haben bereits solche individuellen Lösungen gefunden: Bei Käthe Körner, die ebenfalls am Deich wohnt, kommen ihre Kinder vorbei, um den Müll rauf zur Straße zu bringen. „Anders würde es auch gar nicht gehen“, sagt die 87-Jährige.

 

 

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