Neues Projekt : Imkerausrüstung für Tansania

Eckhard Ranft und Oliver Zantow wollen Imkergerätschaften nach Tansania schaffen.
Eckhard Ranft und Oliver Zantow wollen Imkergerätschaften nach Tansania schaffen.

Der Verein Rafiki schiebt das neue Projekt „Kilimanjaro-Honig“an. Deshalb soll jetzt eine heimische Imkerausrüstung die Reise in die Partnergemeinde Mrimbo antreten.

shz.de von
13. November 2013, 12:00 Uhr

Süßer Honig ist auch in Afrika beliebt – deshalb soll jetzt eine heimische Imkerausrüstung die Reise in die Partnergemeinde Mrimbo antreten. Beim Besuch des „Bienenhuus“ von Ute Runge-Ranft und Eckhard Ranft im Jahr 2012 zeigten sich die Gäste aus Tansania hoch interessiert an der Imkerei. Überrascht erfuhren seinerzeit die Gastgeber: Auch im heimischen Mrimbo wird leidenschaftlich gern geimkert. Die afrikanischen Kollegen verwickelten den erfahrenen Freizeitimker Eckhard Ranft sogleich in ein Fachgespräch über die Honiggewinnung, verkosteten begeistert den Honig aus heimischer Tracht und ließen sich gründlich über die hiesige Imkerarbeit informieren.

Dabei erfuhr Ranft, dass die Honigernte in Afrika auf eine andere, beschwerlichere Art und Weise als in Schleswig-Holstein erfolgt. Gerätschaften wie die Honigschleuder und Wabenkästen mit Rahmen sind dort unbekannt. Anlass genug, nach dem Bienenhuus-Besuch ein neues partnerschaftliches Projekt anzuschieben.

Die heimische Wirtschaft ist stets mit von der Partie, wenn afrikanische Freunde in der Störstadt weilen. Nach guter Tradition darf im dichten Programm der Begegnungsbesuche der Besuch von Betrieben aus Handel, Handwerk und Gewerbe nicht fehlen. Die Besichtigungen hinterlassen Spuren und führen zuweilen zu neuen Ideen. So auch in der Imkerei. „Wir bemerkten gleich ein außerordentliches Interesse“, sagt Oliver Zantow, Chef und Gründer des gemeinnützigen deutsch-tansanischen Rafiki-Vereins (Förderverein des Kiumako Educational Center). Kein Wunder, denn die Imkerei dient in der Region Mrimbo als Hobby und zum Teil auch dem Gelderwerb. Natürlich wollten die Afrikaner ganz genau wissen, wie der Imker vor Ort mit den summenden Honigproduzenten umgeht. „Im Gespräch erfuhren wir, dass die Afrikaner den Bienen so genannte Trogbeuten zur Verfügung stellen“, erklärt Ranft. Die Beuten werden in ausgehöhlte Baumstämme gehängt, so dass der Honig später herausgeschnitten werden kann. Was den Imkern in Mrimbo fehlt, ist eine Honigschleuder um die gesunde Köstlichkeit aus den Wabern zu schleudern. „Mit ihrer herkömmlichen Honiggewinnung sind sie nicht in der Lage, Honig herzustellen, der wie bei uns in Gläser gegossen werden kann“, sagt Ranft. Diese Kultur habe sich nie entwickelt, weil wegen des fehlenden Stroms dort auch Brot nicht bekannt sei, ergänzt Zantow.

Durch die Partnerschaft mit Rafiki und nicht zuletzt wegen der touristischen Entwicklung der Region sei jetzt aber Bewegung in das Thema gekommen. „Kilimanjaro-Honig“ ließe sich gut vermarkten und wirke sich als zusätzliche Einnahmequelle positiv auf die Dorfgesellschaft aus, ist Zantow überzeugt. In einem vertiefenden Gespräch mit Gilbert Towo – Rafiki-Repräsentant in Mrimbo – erfuhr Eckhard Ranft außerdem, dass es in der Region eine kleine stachellose Bienenart sowie größere wehrhafte Insekten gibt, mit der aber nicht geimkert werde. Konkret wollen Ranft und Zantow jetzt versuchen, für Honigschleuder und Co. ein Plätzchen in einem Container zu bekommen, der demnächst im Rahmen anderer partnerschaftlicher Aktivitäten nach Tansania verschifft wird. „Der Gerätesatz kann sehr gut im Kiumako-Ausbildungszentrum stehen und gemeinschaftlich genutzt werden“, sagt Zantow. Weitere Exemplare könnten in den verschiedenen Werkstätten aber auch in der Erwachsenenbildung selbst hergestellt werden. „Bis zum Endprodukt Honig ist dann alles in einer Hand.“

Ranft, der im Rahmen der Rafiki-Veranstaltungsreihe „Lebensmittel erleben“ sowie zur „Fairen Woche“ über den Wert der Imkerei und heimische Bienenprodukte referierte, zeigt sich begeistert vom Honig-Projekt. Besonders gefalle ihm, dass Hilfe zur Selbsthilfe im Vordergrund stehe, sagt Ranft. Schon jetzt träumt der Imker von einer Reise zu den afrikanischen Honigbienen und ihren Haltern – außerdem würde sich ein Glas der exotischen Kilimanjaro-Tracht im Bienenhuus-Regal gut machen.

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