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Befall mit Varroa-Milben : Imker in SH alarmiert: Jede dritte Biene tot

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Varroa-Milbe hat viele Völker vernichtet. Jetzt hoffen die Züchter auf Wärme und wenig Niederschläge.

Burg | Wenn es summt, dann ist Anke Schneider glücklich. Die Vorsitzende des Imkervereins Itzehoe und Umgebung steht in ihrem Garten in Burg (Kreis Dithmarschen) und blickt auf ihre Bienenvölker. „Ich hatte mal acht, jetzt sind es nur noch sechs“, sagt die 35-Jährige. Damit ist die Imkerin noch gut durch den Winter gekommen, denn in dem Itzehoer Verein haben manche Imker bis zu 40 Prozent ihres Bestandes verloren. „Ein Kollege hatte vor dem Winter 30 Völker – jetzt hat er noch fünf. Die Verluste sind schon unglaublich groß.“ Schuld ist die Varroa-Milbe, die den Imkern seit langem Sorge bereitet. „Immer wenn es den Bienen gut geht, geht es auch der Varroa gut“, sagt Schneider. „Aber im vergangenen Jahr ging es ihr wohl zu gut.“

Die Varroamilbe (Varroa destructor) ist eine (als ausgewachsenes Weibchen) etwa 1,1 Millimeter lange und 1,6 Millimeter breite Milbe aus der Familie Varroidae, die als Parasit an Honigbienen lebt. Die Milbe entwickelt und vermehrt sich in der verdeckelten Brut im Bienenstock. Der Befall von Bienenvölkern durch die Milbenart wird als Varroose bezeichnet. Varroa destructor gilt als der bedeutsamste Bienenschädling weltweit.

Einige Imker versuchen, die Milbe mit Chemie zu bekämpfen, Anke Schneider setzt auf Ameisensäure. „Um sie richtig einzusetzen, darf es aber nicht zu warm und nicht zu kalt sein, und auch die Luftfeuchtigkeit muss stimmen. Ein Allheilmittel gibt es nicht.“

Und so kann ihr nur das Wetter helfen. „Wir brauchen ein gutes Bienenjahr.“ Und dafür muss es so sein, wie es auch viele Menschen mögen – warm und mit möglichst wenig Niederschlägen. Dann können die Imker viele Ableger produzieren, aus denen neue Völker entstehen können.

Dass die Imker selbst Nachwuchs bekommen, dafür sorgt Schneider auch, in dem sie mehr Jüngere an den Verein binden will – etwa durch Kurse, bei denen Neu-Imker einen Ableger eines Volkes kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. „Ich bin selbst durch einen Anfängerkursus zur Imkerei gekommen“, sagt Schneider, die damals noch in Rheinland-Pfalz wohnte. Die Liebe verschlug die technische Zeichnerin vor dreieinhalb Jahren nach Schleswig-Holstein – ihre Bienen zogen mit um. Seit sie Vorsitzende des Itzehoer Vereins ist, seien 20 neue Mitglieder hinzugekommen. „Wir hatten mal ein Durchschnittsalter, das bei 59 Jahren lag, jetzt sind wir schon ein bisschen darunter.“ Auch weil die Imker Anfängerkurse anbieten, in denen ein Pate den Nachwuchs in die Imkerei einführt und den angstfreien Umgang mit den Insekten zeigt. „Dafür braucht man nicht viel – und für viele ist Imkern mittlerweile cool geworden“, sagt Schneider. Viele Menschen hätten zwar noch Angst vor Bienen – aber das Image verbessere sich.

Bienen könne man fast überall halten, selbst auf Hochhäusern oder Balkonen sei das möglich. „Und ganz nebenbei stellt man ja auch ein Lebensmittel her“, so Schneider. Sie ärgert, dass der schleswig-holsteinische Honig durch die Debatte um Giftanteile durch das Jakobskreuzkraut in Verruf geraten sei. Bei einem landesweiten Test habe aber etwa der Honig eines Imkers aus Hohenaspe keine auffälligen Anteile an Pyrrolizidinalkaloiden ergeben. In der Tat sind laut Forschungen die Gebiete im Kreis Steinburg weniger stark belastet als etwa Gegenden in Ostholstein. Und wer ganz sicher gehen wolle, der kaufe Honig aus der Frühlingstracht oder eben Rapshonig. „Wenn der geschleudert wird, dann blüht das Jakobskreuzkraut noch gar nicht“, so Schneider.

Die Bienen hätten eine immer weiter steigende Bedeutung für Mensch und Natur. Durch ihre Bestäubung gedeihen Pflanzen. „Wir wollen doch nicht Zustände wie in China, wo Menschen in Apfelbäumen sitzen und Blüten bestäuben.“ Allerdings seien Bienen auch schon in Steinburg bedroht, weil es auch hier immer mehr Monokulturen gebe. „Und wenn die Biene außer Raps nichts findet, dann kann sie nach der Blüte innerhalb von einer Woche verhungern“, sagt Schneider.

Doch noch ist es nicht so weit. Die Insekten beginnen erst mit dem Fliegen – und wenn Anke Schneider dann in ihrem Garten sitzt, ist sie fröhlich. „Das ist das Schöne am Imkern – die Bienen haben ihr eigenes System, das muss ich nur begleiten.“

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