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Besuch in der Moschee : Imam predigt über Versöhnung

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Moschee in Glückstadt ist mehr als nur ein Gebetshaus. Jung und Alt begegnen sich und tauschen sich aus. Am 3. Oktober lädt die Gemeinde zum Tag der offenen Moschee ein.

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erstellt am 30.Sep.2014 | 05:00 Uhr

Reges Treiben herrscht auf der Straße. Frauen, Männer und Kinder unterhalten sich. Zu hören ist ein deutsch-türkisches Stimmengewirr. Die Frauen tragen Kopftücher, manche Männer haben noch runde Kopfbedeckungen, ihre Gebetsmützen, auf. Diese Szene spielt sich jeden Freitagmittag vor der Moschee am Großen Schwibbogen hinter dem Rathaus ab, wenn das Freitagsgebet der muslimischen Gemeinde zu Ende geht.

Von außen ist die Moschee kaum als solche zu erkennen. Der rote Klinkerbau mutet an wie ein Einfamilienhaus. Auch beim Betreten des Gebäudes, hat der Besucher zunächst den Eindruck, er stehe in einem gewöhnlichen Hausflur. Doch spätestens wenn er um eine Ecke geht, und auf ein hölzernes Regal trifft, in dem mehrere Dutzend Paar Schuhe stehen, merkt er, dass er an einem besonderen Ort ist.

„Der Gebetsraum soll sauber bleiben“, erklärt Kadir Basar (32) vom Moschee-Verein. Allein deshalb werde jeder Besucher aufgefordert, sich die Schuhe auszuziehen. Und tatsächlich ist auf dem roten, mit bunten Ornamenten verzierten Teppich im Gebetsraum kein Krümel Dreck zu entdecken. Der Weg zum Gebetsraum führt an einer kleinen Küche vorbei, in der einige Frauen bei einem Glas Tee zusammensitzen. Hinter einer anderen Tür sind lange Waschbecken, die an einen Waschraum in einer Kaserne erinnern, zu sehen. „Jeder, der zum Gebet geht, wäscht sich vorher hier“, sagt Kadir Basar.

Im Gebetsraum, dem größten Saal der Glückstädter Moschee, steht Imam Senol Usta und legt gerade sein weißes Gewand ab, das er beim Freitagsgebet getragen hatte. Es ist kaum vorstellbar, dass in dem kleinen Raum gerade noch 60 Gemeindemitglieder versammelt waren. Von Versöhnung habe er heute gepredigt, berichtet der Imam. „Der Koran sagt, dass wir uns lieben sollen. Und wenn uns jemand etwas Böses tut, dann sollen wir ihm verzeihen“, sagt Senol Usta (51), der ehrenamtlich in der Moschee betet und predigt. Der hauptamtliche Imam, Turgut Kaynak, der im Obergeschoss der Moschee wohnt, sei gerade auf Pilgerfahrt nach Mekka.

Stolz zieht Usta einen samtroten Vorhang mit aufgestickten arabischen Schriftzeichen beiseite. Er gibt den Weg frei, auf eine kleine hölzerne Treppe, über der eine goldene Kuppel prangt. Von dieser sogenannten Minber hat er seine Predigt gehalten, bevor er sich dann in der zentralen Gebetsnische, die mit reichlich verzierten Kacheln geschmückt und gen Mekka ausgerichtet ist, zum Gebet auf den Boden gekniet hat.

„Das Freitagsgebet ist Pflicht für jeden muslimischen Mann, der nicht arbeiten muss“, sagt Kadir Basar. Für Frauen sei die Teilnahme empfohlen. Damit die Männer sie während des Gebets nicht beobachten können, beten sie entweder in einem Nebenraum, oder – wenn viele Frauen kommen – wird ein Vorhang zugezogen, der den Gebetsraum in eine Hälfte für Frauen und eine für Männer trennt.

Die Moschee sei für die Gemeinde, die 106 Mitglieder zählt, nicht nur Gebetsraum, berichtet Basar. Sonnabends und sonntags gibt der Imam den Kindern Unterricht. Die kleine Küche biete Gelegenheit, sich auf eine Tasse Tee zu treffen. Jüngst habe die Gemeinde einen Basar organisiert, bei dem 3840 Euro für Bedürftige in Palästina gesammelt wurden. Und wenn es am Gebäude etwas zu renovieren gäbe, dann packe jeder gerne mit an. So hätten Gemeindemitglieder im vergangenen Jahr in Eigenarbeit neue Fenster und vor Kurzem auch neue Türen eingesetzt.

Jugendliche der Gemeinde treffen sich einmal in der Woche zum Fußballspielen in der Turnhalle am Neuendeich. „Wir würden gerne mehr Aktionen für unsere Jugendlichen anbieten“, sagt Kadir Basar. Doch die Räume der Moschee seien zu klein. Seit Flüchtlinge aus dem Irak und Syrien zur Gemeinde hinzukommen, werde die Not noch größer. Die Gemeinde suche ein Grundstück für einen Neubau.

Wenn an diesem Freitag, 3. Oktober, muslimische Gemeinden bundesweit zum Tag der offenen Moschee einladen, dann beteiligt sich erstmals auch die Glückstädter Moschee. Von 10 bis 17 Uhr können Besucher die Räumlichkeiten besichtigen und mit Gemeindemitgliedern ins Gespräch kommen. Um 13.20 Uhr besteht die Möglichkeit, am Freitagsgebet teilzunehmen.

„Unsere Türen sind immer für Besucher offen“, sagt Kadir Basar, der hofft, dass die Veranstaltung zur gesellschaftlichen Verständigung beiträgt. Manchmal habe er den Eindruck, dass er als Moslem sofort mit gewaltbereiten Islamisten in Verbindung gebracht werde. Das stimmt ihn traurig: „Der Islam ist eine friedliebende Religion. Wer bereit ist, Menschen umzubringen, der ist für mich kein Moslem.“

Die Sehzade Camii-Moschee ist nach den Prinzen des osmanischen Reichs benannt. Anders als die Moschee am Wall, die von dem privaten Verband islamischer Kulturzentren getragen wird, steht die Moschee am Großen Schwibbogen unter der Aufsicht des türkischen Staats und ist  dem Verein DITIB angeschlossen. Das Kürzel besteht aus den türkischen Anfangsbuchstaben des Namens „Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religionen“. Der türkische Staat schickt und bezahlt den hauptamtlichen Imam, der jeweils für fünf Jahre eingesetzt ist. Laufende Kosten für das Gebäude der Moschee oder für Veranstaltungen in der Gemeinde werden aus Mitgliederbeiträgen bezahlt. Jeder ist verpflichtet, monatlich einen Beitrag zu leisten, über die Höhe entscheidet jedes Mitglied selbst.
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