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Norddeutsche Rundschau

24. Oktober 2017 | 14:14 Uhr

Literatur : Im Wechselbad der Gefühle

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Im Döblin-Haus in Wewelsfleth erlebte das Publikum einen eindrucksvollen Leseabend mit den Autorinnen Inger-Maria Mahlke, Ulla Lenze und Hannah Dübgen.

shz.de von
erstellt am 01.Dez.2015 | 16:54 Uhr

Mit besonderer Vielseitigkeit beeindruckten die Stipendiatinnen in ihrer gemeinsamen Lesung im Alfred-Döblin-Haus. Dort ist es schon längst schöne Sitte, dass die Berliner Autoren, die in den Genuss eines Stipendiums in Wewelsfleth kommen, Interessierten präsentieren, woran sie arbeiten – oder aus ihren veröffentlichten Romanen lesen. Und wieder war die gemütliche Küche des Döblin-Hauses voll besetzt. Das Publikum erlebte einen Abend mit drei bemerkenswerten Schriftstellerinnen, die ihre Zuhörer in ein Wechselbad der Gefühle eintauchen ließen: Inger-Maria Mahlke, Ulla Lenze und Hannah Dübgen.

Das Moderatorinnenteam Carola Jansen und Antje Lenze-Brühs freute sich über die große Zuhörerzahl und dankte Hausdame Desirée Tiedemann für die Vorbereitung. Zwar liege der bundesweite Vorlesetag schon eine Woche zurück, dafür „sind wir hier in der privilegierten Lage uns von Autorinnen selbst vorlesen zu lassen“, meinte Carola Jansen und stellte dem Publikum schon einen eindrucksvollen Leseabend in Aussicht.

Den leitete Inger-Maria Mahlke (Jahrgang 1977) ein – und entführte die Zuhörer auf historischen Pfaden ins 16. Jahrhundert an den englischen Königshof der Tudors. Mit ihrem neuen Roman „Wie ihr wollt“ thematisiert sie die Intrigen bei Hofe um 1571. „Ich hab jetzt nicht die putzigen Stellen rausgesucht“, merkte die Autorin an, im Publikum wurde zustimmend genickt. Im Mittelpunkt die Protagonistin Mary Grey, eine Cousine Elisabeth I., 26 Jahre alt, kleinwüchsig und – wütend. Sie steht schon lange unter Hausarrest, da sie ohne königliche Erlaubnis geheiratet hat. In Tagebuchform wird der Leser, beziehungsweise Zuhörer in das Leben Mary Greys hineingezogen, auch wenn es manchmal nicht ganz einfach war, dem schnellen Vortrag der Autorin zu folgen. Dennoch wurde deren eigene Faszination von der zeitgenössischen Figur ihres Romans spürbar. Das Bemühen um sprachliche Präzision überzeugte das Publikum.

Einen Zeitsprung in die Gegenwart unternahmen die Zuhörer anschließend mit Ulla Lenze (Jahrgang 1973). Mit ihrem in diesem Jahr veröffentlichten Roman „Die endlose Stadt“ lässt sie ihre Leser gemeinsam mit zwei Frauen auf Spurensuche in Istanbul und Mumbai gehen. Der Roman hat viele Schauplätze, im Mittelpunkt stehen eine Künstlerin und eine Journalistin. Ulla Lenze leitete auf die Leseabschnitte hin – und versprach lächelnd: „Wenn Sie das ganze Buch lesen, verstehen sie den Zusammenhang.“ Als „spannend“ und „toll geschildert“ empfand das Publikum allein schon das Gehörte, Ulla Lenze überzeugte mit ausdrucksstarker Sprache. Vor dem inneren Auge wurde beispielsweise die Fahrt durch Mumbai (ehem. Bombay) bildhaft. Ihr sei alles so vertraut dort in Indien, erzählte die Autorin, die schon als 16-jährige Schülerin viele Monate in Indien verbrachte, dann 2010 für neun Monate dorthin ging und schließlich 2014 zu einer Delegation um Frank-Walter Steinmeier, Bundesminister des Auswärtigen, in Neu Delhi gehörte. In Wewelsfleth hat sich Ulla Lenze einem neuen Romanprojekt zugewandt. „Das ist aber erst am werden.“

Um internationale Verknüpfungen auf ganz andere Weise geht es in Hannah Dübgens Roman „Strom“. Die Schicksale von vier Protagonisten aus vier verschiedenen Ländern sind miteinander verknüpft. Der Part, den Hannah Dübgen für die Lesung auswählte, handelte von zwei befreundeten Frauen, von der eine lebensgefährlich an einem Hirntumor erkrankt. Der Autorin ist es gelungen, die Sterbeszene eindringlich zu beschreiben.

Betroffenheit machte sich im Publikum breit. Und auch hier nutzten die Zuhörer die Möglichkeit, mit der Autorin deren literarische Aussagekraft zu erörtern. Am Schluss gab es anhaltenden Applaus für alle drei Stipendiaten.

 

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