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Norddeutsche Rundschau

22. Oktober 2017 | 19:27 Uhr

Itzehoe : Im Untergrund mit der sehenden Düse

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Stadtentwässerung investiert 515 000 Euro in neues Kanalreinigungsfahrzeug / Innovative Kameratechnik soll künftig Geld und Zeit sparen

von
erstellt am 28.Jul.2017 | 05:00 Uhr

280 Kilometer – so lang ist das Regen- und Schmutzwasser-Kanalnetz in Itzehoe. Und alle diese Rohre müssen regelmäßig gepflegt werden. Sonst verstopfen früher oder später Sand, Laub, Fette und Abfälle, die eigentlich nicht in die Toilette gehören, die Kanäle. Dafür hat die Stadtentwässerung nun kräftig in neue Technik investiert: Für die stolze Summe von gut einer halben Million Euro ist ein neues Kanalreinigungsfahrzeug angeschafft worden. „Das ist eine ganze Menge Geld“, sagt Uwe Snegotska, technischer Leiter der Stadtentwässerung. Doch die Investition werde sich bezahlt machen. Denn das neue Fahrzeug biete gegenüber seinem in die Jahre gekommenen Vorgänger eine ganze Reihe von Vorteilen, die für mehr Effizienz und Kostenersparnis bei der Kanalreinigung sorgen werden.

„Die wichtigste Neuerung ist die ‚sehende Düse‘ “, sagt Peter Bräuß, Betriebsleiter Kanalbetreuung. Mit bis zu 100 Bar Druck spült sie Ablagerungen mit Wasser weg und überträgt ein Videosignal davon per Kamera direkt auf einen Bildschirm am Fahrzeug. „Wir können damit viel effektiver arbeiten“, sagt Bräuß. Bisher mussten für Videos aus dem Untergrund immer externe Dienstleister beauftragt werden. „Die konnten wir nicht zu allen Arbeiten mitnehmen.“ Im Zweifel sei dann immer lieber etwas mehr, als zu wenig gespült worden. „Manch einen Durchgang können wir uns nun sparen, weil wir direkt sehen, dass alles frei ist.“ Ein weiterer Vorteil: Schäden an Rohren fallen bei Routinearbeiten früher auf. Das spare Geld und Zeit, so Bräuß. „Man kann einen Schaden, von dem man nichts weiß, beim Spülen auch durchaus größer machen. Das wird nun nicht mehr passieren.“

Ein weiterer Vorteil des neuen Reinigungsfahrzeugs: Die maximale Entfernung, in der vom Schacht aus gespült werden kann, ist wesentlich größer, sagt Snegotska. „Bisher wurden Schächte in Itzehoe jeweils im Abstand von 50 Metern gesetzt. Künftig reichen auch 100 Meter Abstand. Das spart bei Neubauten natürlich Geld.“ Wie weit die Düse im Kanal vorangekommen ist, können die Mitarbeiter auf zehn Zentimeter genau vom Bildschirm ablesen. „Auch das steigert die Effizienz“, sagt Bräuß. Wenn etwas repariert werden muss, ist gleich klar, wo sich der Schaden befindet.

Und auch an die Umwelt ist bei der Konstruktion gedacht worden: Das Wasser zum Spülen wird mit den Feststoffen eingesaugt, im Fahrzeug gereinigt und gleich wieder verwendet. Eine externe Wasserversorgung ist nicht nötig. Erst wenn der sechs Kubikmeter große Schmutztank voll ist, müssen die Mitarbeiter der Stadtentwässerung zum Ausleeren fahren. „Es gibt noch ein paar weitere Vorteile zum alten Fahrzeug, wie die höhere Pumpenleistung, die niedrigere Lärmentwicklung und den Schwenkarm am Heck, mit dem schwer zugängliche Schächte besser erreicht werden können“, sagt Snegotska.

Zwei Jahre wurde die Beschaffung vorbereitet. Die Ausschreibung lief europaweit. Den Zuschlag bekam die Spezialfirma Wiedemann Enviro Tec aus dem bayrischen Altenmünster. 40 bis 50 vergleichbare Fahrzeuge baut das Unternehmen pro Jahr, alles individuelle Spezialanfertigungen. Firmenmitgründer Rainer Reichhardt, eigentlich im Ruhestand, war diese Woche zwei Tage mit den drei künftigen Fahrern der Stadtentwässerung im Itzehoer Stadtgebiet unterwegs, um ihnen das 430 PS starke neue Fahrzeug im „Realeinsatz“ zu erklären. „Die Düse wird über eine Fernbedienung gesteuert. In Verbindung mit der Kamera muss das schon ein wenig geübt werden“, sagt Reichhardt. So ist zum Beispiel auch das „Abbiegen“ in kleinere Nebenkanäle möglich, etwa um verstopfte Hausanschlüsse frei zu spülen. Ab heute steht das Fahrzeug dann voll zur Verfügung – „24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr“, wie Snegotska betont. Und das nicht nur in Itzehoe. „Wir betreuen damit auch das Kanalnetz in Wilster.“ Mindestens ein Jahrzehnt soll das Kanalreinigungsfahrzeug im Einsatz bleiben. „Vielleicht auch länger. Das ist aber heute schwer zu sagen. Die Technik entwickelt sich ja immer rasanter weiter.“

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