zur Navigation springen

Im Sommer vor 71 Jahren: Als Bomben auf Wilster fielen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Zweite Weltkrieg ist lange her, für die Wilsteraner war er aber nicht weit weg. 51 Tote und mehr als hundert zerstörte Häuser gab es bei einem Bombenangriff im Jahre 1944. Der stellvertretende Bürgermeister und SPD-Ratsherr Helmut Jacobs hat die jetzt mehr als 71 Jahre zurückliegenden Ereignisse zusammengefasst.

Es war der 15. Juni 1944, als die Marschenstadt Wilster ihre größte Katastrophe erlebte. Kurz nach neun Uhr morgens brachte ein angloamerikanischer Fliegerangriff Zerstörung, Tod und unendliches Leid über die Stadt. Zwölf viermotorige Bomber waren im Schutz von sechs Jägern über die Marsch gejagt und hatten rund Einhundert Sprengbomben über Wilster abgeworfen.

Eine sichere Erklärung hierfür gibt es nicht. Vermutlich waren die Bomben für Hamburg bestimmt und die Bomber sind von der Flugabwehr abgedrängt worden. Vielleicht haben sie sich über Wilster ihrer Bomben entledigt, um weniger belastet nach England zurückfliegen zu können. Aber über Einhundert Bomben einfach so wahllos abzuwerfen, ist auch nicht sehr wahrscheinlich.

Aus Erzählungen weiß man, dass die Bomber in anderen Fällen ihre übriggebliebenen Bomben über der Elbe oder über der Nordsee abgeworfen haben. Vielleicht hatte man doch Hinweise und Erkenntnisse für kriegswichtige Einrichtungen in unserer Stadt.

Etwa eine Woche vor dieser Bombardierung begann die Landung der Alliierten in der Normandie und es ist bekannt, dass die Alliierten sich im Juni 1944 in zahlreichen Luftoffensiven auf die Zerstörung der Treibstoffindustrie und der Fabriken, die für die Nachschubproduktion verantwortlich waren, konzentrierten.

In den Mühlenwerken von Gustav Lumpe wurden Lebensmittel für den Nachschub produziert. Die totale und möglicherweise gezielte Zerstörung dieser Mühlenwerke könnte ein Teil dieses Konzeptes gewesen sein. Die meisten Bomben trafen den Bereich Lange Reihe, Steindamm, Bahnhofstraße und Klosterhof.

Der Angriff dauerte nur wenige Minuten und hinterließ eine grauenvolle Bilanz. Es gab 51 Tote, darunter viele Fremdarbeiter, die in der Lumpeschen Mühle tätig waren. Mehrere Hundert Menschen waren verletzt. Wilster bot ein Bild der Zerstörung. 34 Häuser waren total vernichtet worden, 109 Häuser waren nicht mehr bewohnbar und 300 weitere beschädigt.

Auch markante Gebäude wurden von den Bomben getroffen. Neben den bereits erwähnten Mühlenwerken waren auch das Krankenhaus Menckestift und die Stadtwerke bombardiert worden. Die Gas-, Wasser- und Elektrizitätsversorgung fielen völlig aus. Das Wilstermarschhaus Op de Göten war so beschädigt, dass es später abgerissen werden musste. Die Kirche hatte im Orgelbereich schwere Treffer abbekommen. Sie konnte mehrere Jahre nicht genutzt werden. Der Gottesdienst fand im Gasthof Lübbe in der Schmiedestraße statt und an Feiertagen im Colosseum. Weihnachten 1954 – also zehn Jahre später – erklang zum ersten Mal die neue Orgel. In der Zeit des Bombenabwurfs war der „Totale Krieg“ längst propagiert. Die Nationalsozialisten veranstalteten eine aufwändige Trauerfeier und nutzten diese für ihre Propagandazwecke.

zur Startseite

von
erstellt am 11.Nov.2015 | 11:29 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen