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Norddeutsche Rundschau

18. August 2017 | 15:08 Uhr

Herbstprobleme : Im Laubhaufen lauert Ärger

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Immer mehr Anwohner fegen Blätter von Gehwegen und Grundstücken auf die Straße – obwohl sie verpflichtet sind, sie selbst zu entsorgen.

Jeder Laubhaufen bietet neue Überraschungen: Gelegentlich liegen Äste unter den Blättern, kleine Tiere verstecken sich darin, und auch verlorene Portemonnaies entdeckten die Bauhof-Mitarbeiter schon. Doch vor allem lauert rund um die Laubhaufen jede Menge Ärger. „Ich werde fast täglich von Bürgern angepöbelt“, berichtet ein Bauhof-Mitarbeiter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Er arbeite nicht ordentlich, er komme nicht häufig genug oder er nehme nicht alles mit, lauteten die Vorwürfe.

Sein Kollege Jörg Steffens betont: „Unser größtes Problem ist, dass immer mehr Leute ihr Laub unzulässigerweise an den Rinnstein auf der Straße harken.“ Eigentlich seien Anwohner verpflichtet, das Laub von den öffentlichen Geh- und Radwegen vor ihren Grundstücken aufzunehmen und eigenständig zu entsorgen. Dieser Pflicht kämen jedoch die wenigsten nach. Insbesondere im Dichterviertel, in der Bismarckstraße, der Breitenburger Straße und am Albert-Schweitzer-Ring kehrten immer mehr Anwohner ihr Laub einfach auf die Straße.

Für einen 66-jährigen Anwohner aus dem Dichterviertel ist das ganz selbstverständlich: „Natürlich fege ich das Laub vom Gehweg auf die Straße“, sagt der Rentner. Auch er möchte seinen Namen lieber nicht nennen. Klar, den Gehweg halte er sauber, da fühle er sich in der Pflicht. „Aber dass ich das Laub von Bäumen entsorge, die die Stadt gepflanzt hat, und auch noch dafür bezahle, sehe ich nicht ein. Schließlich sind das mehrere Zentner, die da jedes Jahr vor meinem Grundstück anfallen.“

Den Bauhof-Mitarbeitern bereiten die Laubhaufen, die dann auf den Straßen liegen, gleich ein doppeltes Problem. „Zum einen können unsere Maschinen die großen Haufen nicht auf einmal aufnehmen“, sagt Jörg Steffens. Seine Mitarbeiter müssten mehrmals mit der Kehrmaschine hin- und herfahren, bis ein Laubhaufen beseitigt sei. „Zum anderen dürfen wir das Laub, das auf der Straße liegt, nicht kompostieren, sondern müssen es als Sondermüll entsorgen.“ Schließlich könnten Öl oder andere Gefahrstoffe auf der Fahrbahn lauern.

Der Anwohner aus dem Dichterviertel fordert, dass die Stadtreiniger, die in der Regel einmal wöchentlich vorbeikommen, häufiger Dienst tun. Das hält Jörg Steffens jedoch für unmöglich. Schon jetzt seien sieben Mitarbeiter täglich in zwei Schichten im Einsatz. Insgesamt rund 200 Tonnen Laub gelte es in diesen Wochen zu entsorgen, in denen die Bäume ihre Blätter abwerfen. „Das sind schon Massen, die wir da jeden Tag bewegen.“

Warum die Bürger in die Pflicht genommen werden, dafür hat Steffens eine ganz einfache Erklärung: „Die Bäume gehören nicht der Stadt, sondern uns allen.“ Wer eine schöne Allee vor der Tür haben wolle, der müsse eben auch mit anpacken. Gehe es so weiter wie bisher, sehe er auf Dauer nur einen Ausweg: „Die Gebühr für die Straßenreinigung wird steigen.“

 

 

 

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erstellt am 05.Nov.2015 | 05:30 Uhr

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