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Norddeutsche Rundschau

20. Oktober 2017 | 00:22 Uhr

Kernenergie : Im Kernkraftwerk wird nachgeladen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Brennelemente-Wechsel ist Schwerpunkt der Revision in Brokdorf.

Noch bis 24. Februar ist das Kernkraftwerk Brokdorf wieder zu einem der größten Arbeitgeber in der Region geworden – zumindest für einen Zeitraum von drei Wochen. In der Spitze bis zu 1200 Mitarbeiter zusätzlich zum Stammpersonal tummeln sich während der alljährlichen Revision auf dem Gelände an der Elbe. Der Schwerpunkt in diesem Jahr: Gleich 60 von den insgesamt 193 Brennelementen werden ausgetauscht. Jeweiliger Stückpreis: rund eine Million Euro.

Nach Angaben von Werkleiter Uwe Jorden ist der Revisionsaufwand diesmal geringer als in den Vorjahren. So seien einige Großkomponenten bereits in den vergangenen drei Jahren ausgewechselt worden. Ansonsten stünden hauptsächlich Routinearbeiten an: Schweißnähte prüfen, Elektro-Motoren checken, Schaltanlagen durchsehen.

Zunehmend schwierig wird es immer dann, wenn Ersatzteile benötigt werden. Weil das Kraftwerk überwiegend noch mit analoger Technik gefahren wird, müssen fehlende Teile auch schon mal in Einzelanfertigung produziert werden. Das wiederum dauere wegen der größeren Vorlaufzeit etwas länger. „Heute wäre das alles digital“, sagt Jorden. Betriebsreferent Hauke Rathjen sieht darin allerdings auch Vorteile: „Für Hacker ist es unmöglich, bis ins Kraftwerk vorzudringen.“ Jorden pflichtet da bei: „Wenn bei uns ein Schalter betätigt wird, läuft das noch über einen echten Draht.“

Neben Ersatzteilen muss sich die Preußen Elektra als Betreibergesellschaft aber auch die Fachleute warmhalten. Für zahlreiche Arbeiten werden Spezialisten benötigt. Die entsprechenden Firmen würden sich angesichts der nur noch wenige Jahre dauernden Restlaufzeiten – in Brokdorf bis zum 31. Dezember 2021 – schon jetzt umorientieren. „Zum Teil bilden wir aber auch im eigenen Hause Mitarbeiter dafür aus“, so Jorden.

Bei dieser Revision sind aber auch Experten zum Bewegen schwerer Teile gefordert. Jedes einzelne der 60 neuen, aus dem niedersächsischen Lingen angelieferten Brennelemente ist 4,70 Meter lang und wiegt mit jeweils 850 Kilogramm so viel wie ein Kleinwagen. Dass jetzt so viele Brennelemente bewegt werden, hängt mit den nach wie vor strittigen Sondersteuern dafür zusammen. Jeweils 3,5 Millionen Euro waren pro Element fällig – allerdings nur bis Ende 2016. Um Steuern zu sparen, wurde der Betrieb mit den alten Brennstäben ausgereizt. „Vielleicht noch 14 Tage“, sagt Jorden auf die Frage, wie lange die Anlage jetzt noch hätte laufen können. Normalerweise finden die Revisionen im Frühsommer statt. Im vergangenen Jahr hatte man wegen der Steuern aber auf neue Brennelemente verzichtet.

In anderen Kernkraftwerken in Deutschland sei ähnlich verfahren worden. Dennoch, so Jorden, habe es trotz Winterzeit keinen Engpass in der Stromversorgung gegeben. „Im Zweifel werden eben alte Schlorren hochgefahren“, kann sich der Werkleiter einen indirekten Hinweis auf die schlechte CO2-Bilanz von Kohlekraftwerken nicht verkneifen.

Eher Probleme habe es in Frankreich gegeben. Weil dort zahlreiche Kernkraftwerke parallel vom Netz gegangenen waren, habe man im Nachbarland zeitweise sogar über eine Stromrationierung nachgedacht. Dort werde allerdings auch noch viel mit Elektroöfen geheizt.

Umgekehrt, so Jorden weiter, gebe es aber auch nach wie vor keine Probleme, den in Brokdorf erzeugten Strom zu verkaufen. „Die Nachfrage ist noch groß genug.“ Das Kraftwerk sei zuletzt mit rund 90 Prozent ausgelastet gewesen. Dass es nicht 100 Prozent waren, liegt am Windstrom, der im Netz Vorrang hat. Immer wieder müsse Brokdorf daher gedrosselt werden. Zum Teil gebe es ein Auf und Ab mehrmals am Tag. In jedem Fall plane Preußen Elektra mit der Brokdorfer Anlage bis zum Ende der Laufzeit. Auch die Revisionstermine würden drei Jahre im Voraus geplant und festgelegt. Das nächste Mal fährt die Anlage Ostern 2018 runter.

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