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Norddeutsche Rundschau

17. Oktober 2017 | 21:38 Uhr

Wassersport : Im Kanu einmal um die ganze Welt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

40 352 Kilometer im Paddelboot: Uwe Münster aus Wilster mit „Globus-Abzeichen“ ausgezeichnet.

Uwe Münster ist ein Phänomen. Der 58 Jahre alte Kanute der Kanu-Gruppe Wilster (KGW) gehört zu den wenigen organisierten Paddlern in Deutschland, die zeit ihres Lebens 40  000 Kilometer oder mehr erwandert haben. Für diese sportliche Leistung wurde der Wilsteraner jetzt beim Verbandstag des Landes-Kanuverbandes (LKV) ausgezeichnet – mit dem „Globus-Abzeichen“ des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV). Überreicht wurde es ihm von Eckehard Schirmer, Küstenwart im LKV. Dass so eine Ehrung Seltenheitswert hat, zeigt sich an der Statistik: Bis vor Jahresfrist vergab der DKV bundesweit gerade einmal 644 Abzeichen dieser Art.

Uwe Münsters Eintritt in die KGW erfolgte im Jahr 1971. Damals war er 13 Jahre alt und hatte zuvor vom Anleger der Rumflether Mühle aus die Wilster Au auf dem Floß erkundet. „Meine Eltern erkannten meine Leidenschaft für das Wasser und rieten mir, in den Verein einzutreten.“ Damals gab es bei der KGW bereits eine recht starke Jugendgruppe, der er sich anschloss.

Seine ersten Paddelschläge erfolgten von einem „Nanuk“ aus. „Mit diesem Eskimo-Typ paddelten damals viele in unserem Verein, denn er wurde hier in Eigenbauweise hergestellt.“ In den Folgejahren probierte Uwe Münster weitere Bootstypen aus. Heute bepaddelt er die Flüsse, Seen oder Großgewässer entweder mit einem für ihn geeigneten Wanderboot oder mit einem Seekajak – die jeweilige Wahl richte sich nach der Art des Gewässers.

An seine erste Jugendsommertour mit dem Verein im Jahr 1973 erinnert sich Uwe Münster noch genau: „Vom Edersee aus sollte es binnen drei Wochen in Etappen nach Hause gehen. Doch wir kamen nur bis Osten auf der anderen Elbseite. Dort wurde die Tour wegen Sturms abgebrochen.“ Später habe ihn auch der Weser-Marathon gelockt. Die 135 Kilometer in einem Zweier habe er zusammen mit dem zwischenzeitlich nach Brasilien ausgewanderten Klaus Albrechtsen nach neun Stunden bewältigt: „Wir haben während der Tour das Boot nicht verlassen. Während einer von uns Pause machte, paddelte der andere weiter, um den Schnitt von 15 km/h zu halten.“

Viele seiner Fahrten hat Uwe Münster mit seiner Ehefrau Christiane und den Söhnen Kristof und Konstantin oder in anderen Gruppen unternommen. Doch es waren auch viele Alleinfahrten dabei. So nahm er zwar im vergangenen Jahr an der „KGW-Herrentour“ von Fürstenwalde bis Brandenburg teil, doch nach der Gemeinschaftsfahrt paddelte er von dort solo über Havel, Elbe und Stör weiter bis nach Wilster. „Früher habe ich mir nicht vorstellen können, so lange allein fahren zu können. Doch es gefällt mir, man bekommt den Kopf frei.“

Für den Kanuten bedeute Paddeln „Entspannung, aber gleichzeitig auch sportliche Herausforderung“. Ein Blick in seine Fahrtenbücher zeigt, dass Uwe Münster seit Oktober 2009 sehr viel gefahren ist – knapp 18000 Kilometer. Die Saison 2011/2012 schloss er zudem mit dem Vereinsrekord ab: Einträge von mehr als 3900 Kilometer binnen einer Saison hat niemand im Verein zu Buche stehen.

„Eigentlich“, so berichtete Uwe Münster im Gespräch mit unserer Zeitung, „wollte ich die Voraussetzungen für den Erwerb des Globus-Abzeichens erst innerhalb der jetzt laufenden Saison erfüllen, doch als ich im vergangenen August feststellte, dass mir nur noch 1400 Kilometer fehlen, habe ich mich mit meiner Ehefrau besprochen und danach nochmals losgelegt.“

Dass der Wilsteraner sein Ziel, die 40  000 Kilometer zu erreichen, nicht schon früher erpaddelt hat, ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass er zwischenzeitlich viele Jahre lang Verantwortung innerhalb des KGW-Vereinsvorstandes übernommen hatte. „Als Jugendwart habe ich mich intensiv mit unserem Nachwuchs beschäftigt. Das war eine schöne Zei,t die mir viel Freude bereitet hat, doch auf mehr als 600 bis 700 Kilometer pro Saison bin ich in den Jahren nicht gekommen.“

Auch wenn Uwe Münster heute keine Funktionen innerhalb der KGW mehr hat: Eine von ihm eingeleitete Maßnahme gibt es immer noch – das „Kanuwochenende“ der an Stör, Wilster Au und Elbe ansässigen Steinburger Kanuclubs. Noch heute treffen sich die Jugendlichen der KGW alljährlich mit den Gleichgesinnten der Vereine Itzehoer Kanu-Club, Itzehoer Wasser-Wanderer und Elmshorner Wanderpaddler mit Sitz in Kollmar, um binnen drei Tagen etwas Gemeinsames zu erleben und sich durch den Sport besser kennen zu lernen. Mit Blick auf seine Zugehörigkeit in der KGW wird noch etwas bleiben: Uwe Münster ist der erste Kanute im Verein, der die Bedingungen zum Erwerb des Globus-Abzeichens erfüllt hat.

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