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Kernenergie : „Im Betrieb ist das nicht messbar“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Oxidierte Brennstäbe: Gespräch mit dem Leiter des Kernkraftwerks Brokdorf über den Stand der Untersuchungen.

Eigentlich sollte das Kernkraftwerk Brokdorf an diesem Wochenende wieder am Netz sein – bis bei einer Routinekontrolle vier über das erlaubte Maß hinaus oxidierte Brennstäbe entdeckt wurden. Wir sprachen mit Werkleiter Uwe Jorden über den Stand der Untersuchungen, kritische Stimmen von Atomkraftgegnern – und wie so etwas künftig verhindert werden soll.

Wie weit sind Sie denn mit der Ursachenforschung?

Uwe Jorden: Da ist in erster Linie der Hersteller der Brennelemente gefordert. Das ist noch nicht abgeschlossen. Wir haben erste Hinweise. Die müssen aber noch erhärtet werden.

Oxidierte Brennstäbe: Da denkt der Laie vielleicht an so etwas wie Rost am Auspuff. Wie muss man sich die Oxidation denn praktisch vorstellen?

Die Stäbe glänzen dann nicht mehr. Sie sind nicht mehr so blank wie vorher. Eher matt, so wie Aluminium. Generell ist äußere Oxidation der Hüllrohre, in denen sich die Uranpellets befinden, auch ganz normal. An den Stellen, wo die meiste Leistung erzeugt wird, tritt es besonders auf. Das Ungewöhnliche diesmal ist, dass die Auffälligkeiten an anderen Stellen auftauchten und dabei die vorgegebenen Grenzwerte überschritten wurden. Betroffen sind aber lediglich vier Brennstäbe von insgesamt mehr als 45  000.

Und wie stellt man das fest?

Bei jeder Revision läuft dafür ein Prüfprogramm ab. Alle Brennelemente werden mit einer Kamera abgefahren. Ein Mitarbeiter hat einen speziell eingerichteten Arbeitsplatz und verfolgt das an Monitoren. Auffälligkeiten werden dann sofort registriert.

Die Bürgerinitiative Brokdorf-akut reagierte prompt und bemängelte eine zu späte Information der Öffentlichkeit. Wann genau haben Sie das Problem denn bemerkt?

Am ersten Tag der Revision gab es noch keine Hinweise. Konnte es auch nicht geben. Im laufenden Betrieb ist das auch nicht messbar. Erst, wenn der Deckel geöffnet wird, kann man optisch Auffälligkeiten sehen. Das wurde dann genau inspiziert. Dann hat man gesehen: Da ist etwas nicht in Ordnung, was wiederum mit Messungen bestätigt werden muss. Als feststand, dass an den vier Brennstäben die Oxidationsstärke über den Grenzwerten lag, wurde das sofort gemeldet. Wir haben alle Meldekriterien genau erfüllt.

Hat es vergleichbare Fälle in der Brokdorfer Anlage schon einmal gegeben?

2013. Was diesmal nicht normal war, waren die betroffenen Stellen.

Die betroffenen Brennelemente können jetzt ja nicht wieder zum Einsatz kommen. Wo kriegen Sie denn so schnell Ersatz her?

Wir haben noch Brennelemente im Trockenlager, die wir dort einsetzen können. Die anderen verbleiben im Abklingbecken.

Preußen Elektra als Betreiber-Gesellschaft hat angekündigt, dass für die weiteren Arbeiten jetzt das Personal aufgestockt werden soll. Was genau machen diese Mitarbeiter?

Die planmäßige Revision ist jetzt soweit ja abgeschlossen. Wir haben natürlich beim Hersteller der Brennelemente alles erforderliche an Equipment für die notwendigen Untersuchungen angefordert. Dazu gehören dann natürlich auch die entsprechenden Mitarbeiter.

Die nächste Revision soll erst im April 2018 stattfinden. Wer garantiert denn, dass bis dahin eingesetzte Brennstäbe nicht ebenfalls über Gebühr oxidieren?

Wir müssen sicherstellen, dass nur Brennelemente eingesetzt werden, die vorbehaltlos sind. Das wird von vornherein durch die Auswahl von geeignetem Material sichergestellt.

Preußen Elektra kündigte das Wiederanfahren der Anlage zum 3. März an, was Energiewendeminister Habeck „sehr sportlich“ fand. Ab wann gibt es denn wieder Strom aus Brokdorf?

Aktuell peilen wir den 8. März an. Die Untersuchungen sind allerdings auch mit einem sehr großen Aufwand verbunden, weil sehr viele Daten und Dokumente gesichtet werden müssen.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Wie man hört, haben Sie kürzlich Ihren Vertrag als Werkleiter verlängert. Deutet das auch daraufhin, dass die Laufzeit der Anlage bis 31. Dezember 2021 voll ausgeschöpft wird?

(Lacht) Woher wissen Sie das denn? Ja, es stimmt. Ich habe meinen Vertrag über den regulären Ruhestandstermin hinaus entsprechend verlängert.

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erstellt am 25.Feb.2017 | 08:04 Uhr

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