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Naturschutz : Illegal eingesetzte Fische zerstören Biotop

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

In Burg muss die Tonkuhle abgelassen werden, weil dort ein Unbekannter unerlaubt Fische eingesetzt hat, die den Bestand des geschützen Kammmolchs vernichten.

shz.de von
erstellt am 26.Okt.2014 | 16:00 Uhr

Das Wasser der Tonkuhle läuft ab. Waldmuseumsleiter Ernst-Otto Pieper öffnete den Ablauf. Geschätzte 14 000 Kubikmeter Wasser fließen nun über die Regenwasserkanalisation in das Rückhaltebecken an der Buchholzer Straße und von dort aus durch das Paradiestal bis in die Burger Au.

Den Grund für die Trockenlegung der Tonkuhle lieferte ein noch unbekannter Angler, der Karauschen, Rotfedern und andere Friedfische illegal in dem Teich einsetzte und damit großen Schaden an den dort lebenden Amphibien verursachte.

Die Tonkuhle war vor drei Jahren für 48 000 Euro extra als Amphibienschutzgebiet hergerichtet worden. Den Grund dazu lieferte der seltene Kammmolch, der dort im Sommer lebte und in der Tonkuhle nach ihrer Herrichtung als Schutzraum ideale Lebensbedingungen fand.

Im Winter graben sich die Molche ins Erdreich ein. ,,Ganz viele sind aber in den Kellern der angrenzenden Häuser, in Holzstapeln, Schuppen und anderen Verstecken“, sagt Pieper. ,,Hauptsache frostfrei“, benennt er die wichtigste Bedingung für das Überleben des Kammmolches im Winter.

Aber nicht nur den seltenen Molchen, auch Fröschen und anderen Amphibien diente die Tonkuhle als Lebensraum – bis die Fische eingesetzt wurden. Die fraßen die Brut der Amphibien und Insekten und lösten so eine Kettenreaktion aus. Durch die fehlenden Insekten finden etwa Fledermäuse weniger Nahrung. Festgestellt hat Pieper das Sterben der Kammmolche durch regelmäßige Zählung.

Dazu stellt er im Sommer einmal im Monat für drei Stunden fünf Lebendfallen auf. 2012 und 2013 fing er im Mittel fünf bis sechs Molche. 2014 ging nicht mehr ein Einziger in die Falle. Dafür fing Detlef Fischer, Vorsitzender des Angelvereins Burg, vor wenigen Wochen bei einem Testangeln 270 Fische in nur zwei Stunden. Die Fische haben sich ohne natürliche Feinde in der Tonkuhle offenbar prächtig vermehrt. Um das etwa einen Hektar große Gewässer als Amphibienschutzgebiet zu retten, muss jetzt der Mensch eingreifen. Bis zum 2. November soll das Wasser abgelassen sein.

An den tiefen Stellen der Tonkuhle werden sich die Fische dann tummeln. Mit Netzen wollen sie Burgs Angler herausziehen und im nahen Waldsee einsetzen. Dort gibt es Raubfische wie Hecht und Zander. Sind alle Fische raus und ihre Brut vernichtet, dreht Pieper den Hahn wieder zu. Vier Wochen, schätzt er, wird es brauchen, bis die Tonkuhle sich wieder gefüllt hat. Da das Gewässer keine eigenen Quellen hat, sorgt allein Regen für die Neubefüllung. Pieper hofft, dass im März und April, die ersten Kammmolche in ihr Schutzgebiet zurückkehren.

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