Laternen : IG Metall prüft Feuerhand-Pleite

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Gewerkschaft sieht Anzeichen für betrügerischen Konkurs. Die Laternen-Produktion wurde ein Jahr nach der Insolvenz wieder aufgenommen .

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16. November 2013, 08:00 Uhr

Ist der Laternenhersteller Feuerhand Ende 2012 absichtlich in die Pleite geführt worden? Dies will die IG Metall jetzt rechtlich prüfen lassen. Grund der juristischen Aktivität Monate nach der Insolvenz: Die Produktion der robusten Lampen ist wieder aufgenommen worden – zu vermutlich wesentlichen günstigeren Bedingungen. Denn Auftragnehmer ist die Behindertenwerkstatt Hohenwestedt, die in einem ersten Probelauf auf jetzt pro Monat 18 000 Laternen herstellt. Auftraggeber ist die im Mai 2013 ins Handelsregister eingetragene Firma A.P. Montageservice. Das Unternehmen ist ansässig auf dem ehemaligen Feuerhand-Gelände (vormals Nier) in der Deutsch-Ordens-Straße 2a.

Für Kai Trulsson, 1. Bevollmächtigter und Geschäftsführer IG Metall Unterelbe, kommt der Neubeginn der Produktion nicht überraschend. Schon während des Insolvenzverfahrens hatte er die Befürchtung geäußert, dass die Produktion mit deutlich geringerem Lohn für die Beschäftigten nach der geplanten Insolvenz wieder aufgenommen werden soll. Für Trulsson und auch den ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden Volker Ebert sind Anzeichen eines betrügerischen Konkurses vorhanden. Denn bei der Pleite der Feuerhand GmbH stellte der Insolvenzverwalter Dr. Klaus Pannen abschließend fest, dass es überhaupt keine Gläubiger gab – Feuerhand schuldete niemandem Geld. Mit Ausnahme der Mitarbeiter. „Die 42 Feuerhand-Arbeiter hatten 2012 weder Urlaubs- noch Weihnachtsgeld bekommen, auch die Tariferhöhung wurde ihnen versagt“, so Trulsson. Darüber hinaus hatte die Feuerhand zum Zeitpunkt der Insolvenz auch keine Sachwerte mehr. Die für die Produktion notwendigen Maschinen und Anlagen sowie die Werkshallen befanden sich nicht im Eigentum der Feuerhand GmbH, sondern bei der Firma Müller & Co. Die Gesellschafter beider Unternehmen (unter anderem Marc-Michael Müller) waren identisch. Vorteil der Pleite: Die Firma konnte sich einen teuren Sozialplan ersparen.

Trulsson kritisiert vor allem eines dabei: Kurz vor der Insolvenz sei das einzig Wertvolle der Feuerhand, nämlich das Markenrecht, „betrügerisch herausgelöst“ und anschließend auf Müller & Co übertragen worden. Wären die Markenrechte bei Feuerhand geblieben, hätte man diese bei einem Konkurs verkaufen und damit die Ansprüche der Mitarbeiter befriedigen können. So habe es keine Konkursmasse gegeben und die Mitarbeiter hätten nichts erhalten.

„Maßlos aufgeregt“ habe er sich, weil jetzt Menschen aus dem gesellschaftlichen Rand gegeneinander ausgespielt würden – nämlich Menschen mit Behinderungen gegen Feuerhand-Mitarbeiter, die überwiegend einen Migrationshintergrund hätten. Deshalb werde er auch noch das Gespräch mit der Behindertenwerkstatt suchen, die zur Gesellschaft der Norddeutschen Diakonie gehört. Auch die Diakonie habe eine gesellschaftliche Verantwortung.

Dort zeigt sich Sprecherin Kerrin Schöne gesprächsbereit, für die Diakonie sei der Vorgang aber nicht ungewöhnlich. „Wir haben an einer Ausschreibung teilgenommen, kalkuliert und den Zuschlag erhalten.“ Die Mitarbeiter der Hohenwestedter Werkstätten würden jetzt – allerdings erst in einem Probebetrieb - 18 000 Laternen pro Monat montieren und verpacken. Sie weist daraufhin, dass es eine gesetzliche Aufgabe sei, Menschen mit Behinderungen aufzunehmen und ihnen eine angemessene Bildung und Arbeit zukommen zu lassen.

Die Auftraggeber waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Schon bei der Insolvenz vor einem Jahr hatte Marc-Michael Müller der Presse keine Auskünfte gegeben. Klar war aber damals, dass er auf jeden Fall die Lohnkosten senken wollte. Auf 30 Prozent sollten die Mitarbeiter der Feuerhand verzichten. Die IG Metall zeigte sich zwar kompromissbereit, aber 30 Prozent waren für die Gewerkschafter dann doch zuviel. Eine Einigung kam nicht zustande, 42 Mitarbeiter – meist jahrzehntelang im Betrieb – standen am Ende auf der Straße. Und viele von ihnen stehen da immer noch. „Drei Mitarbeiter haben einen neuen Job gefunden, zwei sind in der Umschulung“, sagt Volker Ebert. Alle anderen bekämen demnächst Hartz IV.

Die neue Laterne mit dem Namen „Eternity“ (Ewigkeit) unterscheidet sich im übrigen kaum vom Feuerhand-Vorgängermodell. Allerdings ist die neue „Eternity“ etwas matter. Dies liegt an der Verzinkung. Die bisherigen Modell waren blank, da sie verzinnt wurden. In der neuen Werbung dazu heißt es: „Damit ist die Laterne nunmehr rostresistent und verspricht eine bisher unerreichte Haltbarkeit. Alle bisherigen Produktvorteile, wie die außergewöhnliche Stabilität, das hitzebeständige Glas und der garantiert dichte Petroleumbehälter, bleiben erhalten. 100 Prozent Made in Germany vervollständigen dieses Qualitätsprodukt und bleiben mit der unerreichten Technik konkurrenzlos.“


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