LNG-Terminal am Elbehafen : Idealer Standort für Flüssiggas

Unmittelbar am Elbehafen gibt es ausreichend Flächen für ein großes Import-Terminal mit mehreren Hunderttausend Kubikmetern Fassungsvermögen.
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Unmittelbar am Elbehafen gibt es ausreichend Flächen für ein großes Import-Terminal mit mehreren Hunderttausend Kubikmetern Fassungsvermögen.

Zukunftsprojekt: Am Elbehafen in Brunsbüttel könnte ein LNG-Terminal entstehen, das Schifffahrt und iNdustrie mit Flüssiggas versorgt. Brunsbüttel Ports stellt erste Weichen.

shz.de von
16. Januar 2015, 17:07 Uhr

LNG soll der Schiffstreibstoff der Zukunft werden. Seit drei Jahren ist der Bau einer LNG-Bunkerstation ein Thema für den Betreiber des Brunsbütteler Elbehafens, die Schramm-Group. Jetzt denkt das Unternehmen bei dem verflüssigten Erdgas, dem Liquefied Natural Gas, sogar in ganz großen Größen: statt kleiner Bunkerstation ein großes Import-Terminal. Brunsbüttel-Port-Geschäftsführer Frank Schnabel möchte nicht nur die Schifffahrt, sondern auch die Brunsbütteler Industrie als größte Gasabnehmer des Wirtschaftsraumes mit Flüssiggas versorgen, verweist er auf Großbetriebe wie Bayer, Yara und Sasol. „Der Gasverbrauch der Industrie könnte zum größten Teil aus Flüssiggas gedeckt werden“, sieht Schnabel gute Chancen für den Treibstoff der Zukunft. „Die Industrie ist der Hebel zum Erfolg.“

Bei der Idee für eine Bunkerstation am Elbehafen sei man davon ausgegangen, dass LNG als Ersatz des bisher eingesetzten Schweröls schon ab 2015 zum vorrangigen Treibstoff für die Schifffahrt werde. Aber die Reeder hätten ihre Schiffe aus Kostengründen noch nicht auf den neuen umweltfreundlichen Treibstoff umgestellt. Dennoch ist Frank Schnabel überzeugt: „LNG kommt – nur etwas später!“

Einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum LNG sieht der Elbehafen-Geschäftsführer in neuen gesetzlichen Bestimmungen: Die Schwefelgrenzwerte in den Schiffsabgaben seien ab 2015 durch die „Annex VI“ der internationalen Marpol-Konvention deutlich reduziert, für Nord- und Ostsee und den NOK von aktuell einem Prozent auf nur noch 0,1 Prozent. Global reduziere sich der Grenzwert von 3,5 auf 0,5 Prozent ab 2020. „Das ist für die Umwelt gut, für die Reeder aber eine finanzielle Belastung“, kommentiert Frank Schnabel die engeren Grenzwerte.

„Wir als Häfen werden nur investieren, wenn Bedarf da ist“, gibt der Hafenchef zu bedenken. LNG sei ein um das 600-fache komprimiertes Erdgas. Das bedeute weniger Volumen und damit Kostenvorteile bei Transport und Lagerung. Unabhängig von Pipelines mit Gastankschiffen transportiert, habe das weltweit in großen Mengen vorhandene LNG auch eine strategische Bedeutung: eine Unabhängigkeit vom russischen Erdgas. Um das komprimierte LNG per Pipeline zur Industrie zu bringen, müsse es wieder zum herkömmlichen Erdgas rückvergast werden.

Bei einer Bunkerstation spreche man von einer Anlage mit einer Lagerkapazität von 6000 Kubikmetern und einer Investition „von einigen Millionen Euro“. Das habe man schon mit der norwegischen Gasnor vereinbart, die inzwischen von Shell übernommen wurde. Für ein Terminal mit einem Volumen von 200- bis 400  000 Kubikmetern und Kosten von „mehreren hundert Millionen Euro“ brauche man einen ganz starken strategischen Partner. Inzwischen gebe es bereits Gespräche im einem ernsthaft interessierten Investor. „Wir bohren hier ganz dicke Bretter“, sagt Schnabel. Der Import-Terminal sei aber ein Projekt, das ein großes Potenzial für die Entwicklung des Standortes Brunsbüttel habe. Um ein solches Terminal auf den Weg zu bringen, brauche es aber auch entsprechender Aussagen aus der Politik. Schnabel: „Um uns herum entstehen solche Terminals, nur Deutschland glaubt, das nicht zu brauchen.“

Als zentralster Standort des Nordens liege der Elbehafen auf dem Kurs für Schiffe von und nach Hamburg, durch den Nord-Ostsee-Kanal sowie für Nord- und Ostsee. „Wir sind der beste Standort einer Verteilerstation“, preist Schnabel den Elbehafen an. Dort stünden auch ausreichend Flächen zur Verfügung. Die notwendigen 30 bis 40 Hektar könne man problemlos in unmittelbarer Hafennähe anbieten. Zudem könne man langjährige Erfahrungen im Gasgeschäft vorweisen.

Tatsächlich sei man mit beiden Projekten „in einer Denke“: für das Terminal ebenso wie für die kleine Lösung mit einer Bunkerstation. Die Bunkerkapazität könne man mit zwei Lagertanks auf zwei mobilen Bargen schaffen. Er sei sich bewusst, dass man die Anlagen nicht kurzfristig aus dem Boden stampfen könne. Für die kleinere Bunkerstation rechnet er mit einer Bauzeit von zwei Jahren und für ein Terminal sogar vier Jahre. Insgesamt seien es aber Projekte, die in sich schlüssig und auf den Standort Brunsbüttel zugeschnitten seien.

Einen wichtigen Schritt in diese Richtung geht Brunsbüttel Ports am Montag. Dann soll eine Kooperation mit der Hamburger VTG unterzeichnet werden. Die, so Schnabel, wäre dann der verlängerte Arm eines Brunsbütteler Flüssiggas-Terminals ins Hinterland. Denn VTG habe einen Waggon entwickelt, um LNG auf der Schiene zu transportieren. Mehr Kunden verbesserten die Wirtschaftlichkeit einer Anlage an der Elbe.

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