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Flüchtlinge : „Ich will kein Kunde beim Jobcenter werden“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Asylbewerber des Regionalen Berufsbildungszentrums stellen sich Betrieben aus der Region vor.

von
erstellt am 23.Jan.2016 | 06:49 Uhr

Sie haben eine lange und zumeist beschwerliche Reise hinter sich. Nun träumen sie von einem neuen Leben in Deutschland. Die Flüchtlinge, die am Donnerstagabend stellvertretend für rund 300 Vertriebene im Regionalen Berufsbildungszentrum (RBZ) vor Vertretern von Unternehmen und Betrieben aus der Region ihre Geschichte erzählten, einte die Bereitschaft zur Integration: Sie wollen die deutsche Sprache lernen, und sie wollen arbeiten. Gemeinsam mit dem Unternehmensverband Unterelbe-Westküste und den Serviceclubs hatte das RBZ zu einer Impulsveranstaltung geladen, um erste Kontakte zwischen den Protagonisten herzustellen und Flüchtlingen somit ein Praktikum oder eine Betriebserkundung zu ermöglichen (wir berichteten).

Schulleiter Klaus-Peter Teske stellte zu Beginn die Größe der Herausforderung für seine Institution dar: „Die Integration und die Beschulung der Flüchtlinge ist eine Riesenaufgabe für uns alle.“ Aber es helfe nicht Drohkulissen zu zeichnen, sondern es gehe um die Frage: „Wie können wir unbürokratisch Lösungen finden? Daher freue ich mich über einen so vollen Saal.“

Tatsächlich hatten die Initiatoren nicht mit einem Ansturm in dieser Größenordnung gerechnet, was auch Lutz Bitomsky eingestand. „Wir sind regelrecht überrannt worden“, sagte er. Rund 250 Gäste fanden den Weg ins RBZ. „Das zeigt, dass wir offensichtlich einen Nerv getroffen haben.“ Der Vorsitzende des Unternehmensverbandes sprach mit Blick auf die Resonanz von einem erfolgreichen Abend. „Die Arbeitgeber nehmen die Herausforderungen, die mit der Integration von Flüchtlingen einhergehen, als Chance an. Wir werden alles dafür tun, um die Menschen mit Bleibeperspektive in Arbeit zu bringen“, so Bitomsky. Mitinitator Reinhold Wenzlaff stellte im Anschluss die derzeitigen Rahmenbedingungen am RBZ vor, unter denen Flüchtlinge Deutsch lernen. Nach dem Spracherwerb dauert es bis zu fünf Jahre, ehe der Weg in die Arbeitswelt offen steht. „In diesem langen Zeitraum müssen wir die Motivation dieser Menschen erhalten, und das ist nicht einfach“, sagte der Studiendirektor, der einer von 45 Ehrenamtlern ist, die sich am RBZ um die Ausbildung von Flüchtlingen kümmern. Dabei soll ein Projekt, wie das der Betriebserkundung, helfen. Lutz Bitomsky dazu: „Ich habe eine Reihe von Gesprächen geführt und jede Menge positive Signale und Bereitschaft von Arbeitgebern gehört.“ Erste Kontakte wurden anschließend noch vor Ort geknüpft.

Das große Ziel, das sowohl Politik als auch Gesellschaft und Flüchtlinge verfolgen, brachte der 19-jährige Hussam Mohamad aus Syrien in seinem Beitrag auf eine einfache Formel: „Ich möchte arbeiten, denn ich will kein Kunde beim Jobcenter werden.“

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