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Helfer Aus Itzehoe : „Ich werde wieder rausgehen“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Sein Einsatz nach dem Erdbeben in Nepal war hart und nicht Risiko. Doch davon lässt sich THW-Helfer Sven Guericke nicht abschrecken.

Es ist der 12. Mai, als unter Sven Guericke die Erde bebt. „Wir wollten Besorgungen in Kathmandu machen, standen im ersten Stock eines alten Gebäudes. Erst fing alles an zu wackeln, dann sind wir nur noch rausgestürzt. Und irgendwann bin ich hingefallen, weil meine Achillessehne gerissen war. Ich habe das erst gar nicht gemerkt, und ich weiß auch heute nicht mehr, was mit dem Haus passiert ist – so voll war mein Körper mit Adrenalin“, sagt der 39-jährige Itzehoer über den Tag, an dem Nepal von einem starken Nachbeben der Stärke 7,3 getroffen wird. „Das war eigentlich kein Nach-, sondern eher ein eigenes Beben. Es gab wieder viele Tote und Verletzte“, erklärt Guericke.

Er leitet ein zehnköpfiges Team der Schnell-Einsatz-Einheit Wasser Ausland (Seewa) des Technischen Hilfswerks (THW), das nach dem schweren Erdbeben in Nepal das Trinkwasser in der Krisenregion wieder aufbereitete. Bereits sechs Stunden nach dem Beben am 25. April wurde er alarmiert, tags darauf war er in Nepal in seinem 13. Auslandseinsatz.

Seit mehr als 20 Jahren ist Guericke ehrenamtlich für das THW tätig, ist Ortsbeauftragter in Itzehoe. Guericke war lange bei Prinovis, zuletzt als Betriebsrat. Seit zwei Jahren arbeitet er hauptamtlich beim THW in Neumünster, die Auslandseinsätze bleiben für ihn ein „Highlight“. Und das, obwohl Guericke dort viel Leid sieht. „Man baut da einen inneren Schutz auf, damit man nicht alles an sich heran lässt.“

Doch Guericke verfolgt auch nach seiner Rückkehr die Ereignisse in Nepal. „Bei Katastrophen ist es immer gleich. Zunächst ist die Aufmerksamkeit der Medien hoch, aber irgendwann erlahmt das Interesse und keiner interessiert sich mehr dafür“, sagt der THW-Helfer. „Dabei geht es den Menschen in Kathmandu und Umgebung immer noch schlecht. Viele schlafen im Monsun unter Planen, weil ihre Häuser immer noch zerstört sind.“ Durch den Regen drohten die Hänge weiter abzurutschen, Nepal bleibe ein Erdbebengebiet. Und immer noch fehle es den Menschen dort an fast allem.

Dass in Deutschland die Unglücke vergessen würden, sei zwar schade, aber normal, meint der Itzehoer. „Irgendwann wollen die Leute wohl nichts mehr davon hören. Aber ich war da, für mich ist das etwas anderes.“ Guericke hat mit seinem zehnköpfigen Team ein paar Wochen lang die Trinkwasserversorgung für 30  000 Menschen gesichert, jetzt sind sie auf die örtlichen Versorger angewiesen. „Wir haben versucht, nachhaltig zu arbeiten, viele Zelte, Decken und Betten sind in Nepal geblieben“, sagt Guericke.

Nach einem Einsatz brauche er immer eine Zeit, um sich zu erholen. „Man steht dort enorm unter Druck, hat viel Stress, schläft wenig. Nach drei Wochen ist man ziemlich am Ende.“ Deswegen wird die Einheit dann abgelöst. Kurz nachdem sich Guericke bei dem Nachbeben verletzt hatte, wurde er ausgeflogen. „Das war sowieso ein paar Tage später geplant.“

Nun ist er noch ein paar Tage krank geschrieben. „Ich bin froh, wenn ich wieder arbeiten kann“, sagt Guericke, der für weitere Auslandseinsätze für das THW zur Verfügung steht. „Es ist gut zu sehen, wenn man helfen kann.“ Und das auch, wenn man selbst dabei zu Schaden komme. „Man muss sich des Risikos bewusst sein. Ich bin das erste Mal verletzt worden, ich habe Glück gehabt“, sagt Guericke. Aber eines sei sicher: „Ich werde wieder rausgehen.“

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erstellt am 02.Sep.2015 | 05:00 Uhr

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