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Norddeutsche Rundschau

19. Oktober 2017 | 19:26 Uhr

„Ich rühre die Dinger nicht mehr an“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Christine Bunge stoppt Rauchen mit Facebook-Unterstützung

shz.de von
erstellt am 23.Sep.2014 | 17:54 Uhr

„In den letzten Wochen ging mir das so richtig auf den Geist“, sagt Christine Bunge, wenn sie an den Qualm in ihrer Wohnung und die vergilbten Wände und Gardinen denkt. Jetzt ist die langjährige Raucherin seit zwei Wochen rauchfrei. Und das soll auch so bleiben: „Ich bin richtig entschlossen, und ich brauche es nicht mehr“, sagt die 50-Jährige.

Eine gehörige Portion Motivation bekam die Glückstädterin über das soziale Netzwerk Facebook. Im Frühjahr hatte sie dort eine virtuelle Gruppe „Moin Moin Glückstadt“ gegründet, in der sich inzwischen fast 300 Internet-Nutzer aus Glückstadt und Umgebung über lokale Themen austauschen. Christine Bunge veröffentlichte in dieser Gruppe ihren Entschluss, mit dem Rauchen aufzuhören, um sich unter Druck zu setzen. Sie postete ein Bild ihrer letzten Zigaretten-Schachtel und schrieb: „Ich bitte euch, dass mir jeder den Marsch bläst und mir den Kopf zurechtrückt, wenn er mich mit einer Zigarette erwischt.“

Dieser Schritt zeigte Wirkung: „Leute haben mich in der Stadt angesprochen, ob ich wirklich aufgehört habe“, erzählt Christine Bunge. Und auch im sozialen Netzwerk selbst erhielt sie über hundert motivierende Kommentare: „Ich drücke dir die Daumen und wenn ich dich mit ’ner Ziggi erwische, gibt es was auf die Finger“, schreibt eine Nutzerin. Und eine andere meint: „Ich finde das ganz mutig, eine ganze Stadt als Durchhalte-Partner zu wählen.“

Im Nachhinein ist Christine Bunge froh, dass sie ihre Facebook-Gruppe miteinbezogen hat. Die Idee entstand spontan, nachdem sie sich schon länger mit dem Gedanken geplagt hatte, von den Zigaretten abzulassen. Im Frühjahr hatte sie auf einer Reise nach Kroatien acht Stangen gekauft. „Damals habe ich beschlossen: Wenn die alle sind, dann hörst du auf.“ Vor zwei Wochen war es schließlich soweit. Vier Zigaretten waren noch in der Schachtel. „Erst wollte ich die noch rauchen. Doch dann habe ich mir gesagt: Du kannst auch jetzt schon aufhören.“ Und so habe sie sich genüsslich einen Latte Macchiato gegönnt, um ihren inneren Beschluss zu besiegeln. Beim Trinken kam ihr die Idee, ihre Freunde aus der Facebook-Gruppe, mit denen sie sich oft auch persönlich trifft, mit einzuweihen.

Mit 14 Jahren habe sie aus Gruppenzwang mit dem Rauchen angefangen, erinnert sich Christine Bunge. „Damals habe ich Atika-Zigaretten von meinem Vater geklaut.“ Während ihrer Ausbildung zur Masseurin, die sie mit 18 Jahren begann, habe sie etwa eine Schachtel am Tag geraucht.

Seit sie seit 17 Jahren mit einem privaten Pflegedienst selbstständig sei, habe ihr Zigaretten-Konsum zugenommen. „Ich bin hauptsächlich im Verwaltungsbereich tätig und habe viel geraucht, wenn ich am Computer gesessen habe.“ Aber auch in ihrer Wohnung, in der Küche, in der Badewanne und sogar während des nächtlichen Toiletten-Gangs griff Christine Bunge zum Glimmstängel. In letzter Zeit habe sie etwa drei Schachteln am Tag verbraucht.

Vor 15 Jahren habe sie schon einmal versucht, aufzuhören. Doch als nach einigen Wochen ihr Hund krank wurde und sie zusätzlichem Stress ausgesetzt war, sei sie rückfällig geworden. „Heute ist das ganz anders“, sagt Christine Bunge. Sie sei einfach genervt vom vielen Rauchen und auch ihre Mitarbeiterin habe der blaue Dunst gestört.

Zusätzlichen Auftrieb gab ihr, dass ihr Mann vor vier Jahren ebenfalls Nichtraucher geworden sei. Als sie in den vergangenen Tagen noch eine Zigarette unter dem Autositz fand, habe sie kein Verlangen mehr gespürt. Es mache ihr auch nichts aus, wenn ihre Freundin in der Eisdiele neben ihr rauchen. Dank Facebook und dank ihrer eigenen Entschlossenheit weiß Christine Bunge: „Ich rühre die Dinger hundertprozentig nicht mehr an.“

>Die Glückstädter Fortuna ist ab sofort auch auf Facebook vertreten. Die Seite ist zu finden unter www. facebook.de/glueckstaedter.fortuna

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