„Ich komme in Frieden“

Der Comedian Mohammed Ibraheem Butt spielt mit den Klischees – von Muslimen, Terroristen und Männern.
Der Comedian Mohammed Ibraheem Butt spielt mit den Klischees – von Muslimen, Terroristen und Männern.

Comedian Mohammed Ibraheem Butt nimmt das Araber-Klischee aufs Korn – und punktet beim Publikum mit seiner offenen Art

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18. Februar 2019, 12:35 Uhr

„Ich komme in Frieden“, beschwichtigt Mohammed Ibraheem Butt das Publikum gleich zu Beginn seines Auftritts im Kulturhaus Wilster. Und setzt hinzu: „Ich bin kein Bombenleger.“ Er hasse Bomben, bevorzuge Granatäpfel und liebe vor allem: „Bombenstimmung“, schmunzelt er mit rollenden Augen in seinen langen Spitzbart.

Noch entlarvender ist sein Lachen und Kichern, das setzt er nämlich gern ein, um als Stand-up-Comedian auf die Zuschauer zu reagieren. In der Pause dürften sie ihn anfassen, am Bart zupfen, bietet er an: „Ich bin echt, sehe immer so aus.“ Der Bart ist Butts Markenzeichen, verweist auf den Salafisten, Terroristen und auf alles, was das Araber-Klischee so hergibt.

Dabei ist er gar keiner: Sein Vater kommt aus Indien, seine Mutter aus Pakistan und er selbst aus Frankfurt am Main. Integrieren muss er sich dennoch, also „Alkohol trinken und Blutwurst essen“, empfiehlt er sich selbst, schließlich hat er einen englischen Pass. „Kann mir der Brexit gefährlich werden, droht die Ausweisung?“, sinnt er nur kurz über die Konsequenzen der aktuellen Entwicklung nach. Sein Englisch sei dafür zu schlecht, befindet er. Schnell verdrängt er den Gedanken an die neue europäische Unordnung und widmet sich wieder seinem geballten Bedrohungspotenzial: Migrant, Muslim, Mann... und allen Klischees dazu. „Warum machst du das?“, wird Mohammed Ibraheem Butt nach eigenem Bekunden oft gefragt, wenn er mit seinem Comedy-Programm auf der Bühne steht. „Fragt ihr das auch euren Bäcker oder Friseur?“, empört er sich humorvoll.

Nicht immer zündet die Pointe, wenn er sich über die antimuslimischen, homophoben und rassistischen Vorurteile hermacht, viele davon sind mittlerweile (zu) breit getreten, wie er anfangs selbst ankündigt. Eigentlich hätte man gern mehr über seine schwierigen Startbedingungen erfahren, da er zwar vielen Nachhilfeschülern die Noten verbessern, selbst aber nicht das Gymnasium besuchen durfte und „nur“ Fachabitur machen konnte. Auch die pakistanisch-indische-Brexit-Gemengelage ruft nach kritischem Hinterfragen. Ebenso die Erfahrungen in einem Callcenter, wo er seinem Brotberuf zur Finanzierung des Studiums nachgeht. Sein Soloprogramm ist noch im Werden, von seinen beiden Wilsteraner Auftritten nimmt er viel Ermunterung mit, punktet vor allem mit seiner offenen, geradezu herzlichen Art des Umgangs.

Er freue sich über die Möglichkeit, sich in der Wohnzimmeratmosphäre des Kulturhauses auszuprobieren, zieht er selbst Bilanz. „Macht Werbung für die Comedy-Reihe des Kulturhauses“, gibt er den Besuchern in Wilster in den zwei Vorstellungen mit auf den Weg. „Wir Newcomer brauchen solche Räume!“

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