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Kunsthandwerk : „Ich habe immer noch viele Ideen“

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Auch mit 85 Jahren ist Töpfermeisterin Meike Falck an der Drehscheibe kreativ und bietet auch Kurse an

von
erstellt am 25.Mai.2016 | 05:01 Uhr

„Ich liebe es einfach, zu drehen. Man kriegt dabei richtig gute Laune“, erzählt Meike Falck lachend. Ihre Profession ist ihr Hobby – auch im hohen Alter: das Töpferhandwerk. Im Januar dieses Jahres feierte sie ihren 85. Geburtstag, strahlt nach wie vor große Lebensfreude aus: „Ich habe immer noch viele Ideen, was man machen könnte“, fügt Meike Falck hinzu. Mit ihrer Begeisterung steckt sie auch immer wieder ihre Schülerinnen an. Die Töpfermeisterin gibt in ihrer Werkstatt in der Engelbrechtschen Wildnis Kurse, „demnächst will sich auch ein Mann bei mir an die Drehscheibe setzen“, fügt sie schmunzelnd hinzu.

Und beim Pressegespräch lässt sie es sich auch nicht nehmen, Grundfähigkeiten ihres Handwerks vorzuführen. Kräftig greift die 85-Jährige den Ton, um ihn so lange zu schlagen, bis er keine Blasen mehr wirft und bearbeitet werden kann. Dann setzt sie sich an die Drehscheibe, wo sich unter ihren geschickten Händen schnell eine Vase formt. Dabei erklärt sie wie die Finger angesetzt werden müssen, damit der Keramik-Rohling gelingt, der später farblich gestaltet und gebrannt wird.

„Manchmal kommen Privatleute, um etwas Bestimmtes zu bestellen.“ Doch am liebsten arbeitet sie nach eigenen Vorstellungen. „Alles, was mir in den Sinn kommt.“ Von Gebrauchsgeschirr über Vasen bis hin zu figürlichen Kreationen wie Tierfiguren für den Garten entstehen so in ihrer Werkstatt und stehen in der Kleinen Töpferei hinter dem Haus an der Herzhorner Durchgangsstraße Am Deich 44. Dort gestaltet sie auch einmal im Jahr eine Verkaufsausstellung, hauptsächlich mit ihren Keramiken, aber auch selbst genähten Taschen und gestrickten Accessoires wie Ponchos oder Schals. Zusätzlich zur Verkaufshütte wird ein Zelt aufgebaut, um den Besuchern der Ausstellung im Garten am Sonnabend, 4. Juni, von 10 bis 18 Uhr das Angebot in einem etwas größeren Rahmen zu präsentieren.

„Sehr gerne werden Becher gekauft“, weiß Meike Falck, die für die Ausstellung neue Vasentypen gestaltet hat: innen türkis, außen mit Streifen und in verschiedenen Größen. „Mal sehen, wie das ankommt“, sagt die Töpfermeisterin, deren Keramiken mit dem Falken-Emblem gekennzeichnet sind. „Seit ein paar Jahren schreibe ich auch das Datum drunter“, erzählt sie weiter. Bei so manchen früheren Stücken frage sie sich nämlich selbst manchmal, wann die entstanden sind. Schließlich übt sie das Töpferhandwerk seit fast 70 Jahren aus. 1947 ging sie in Itzehoe in die Lehre, im Anschluss folgten zehn Gesellenjahre und die Meisterprüfung. Als 30-Jährige machte sie sich 1961 in Bad Pyrmont selbstständig. „Die Landschaft blieb mir aber immer fremd.“ Darum entschied sie sich, wieder in den Norden zu gehen, entdeckte das Rethdachhaus am Rande der Engelbrechtschen Wildnis und richtete sich 1967 dort mit einer Werkstatt ein. Anfang der 80er Jahre eröffnete sie eine große Töpferwerkstatt in Glückstadt, verkaufte auch Kunsthandwerk – und präsentierte ihre Arbeiten zweimal im Jahr auf der Messe in Frankfurt. Sie hatte viele Angestellte, fand aber immer weniger Zeit sich selbst an die Drehscheibe zu setzen. Mit Mitte 60 verkaufte sie ihren Betrieb, nahm sich vor, als Rentnerin in ihrer kleinen Hobbywerkstatt zu Hause nur noch mit dem Ton zu „spielen“. Doch die Nachfrage nach ihren Arbeiten blieb. „Dass das so viel wird, hätte ich damals nicht gedacht“, meint sie. Zumal sie 20 Jahre lang die Wintermonate auf Mauritius verbrachte, dort auch töpferte und Workshops anbot. Aus gesundheitlichen Gründen musste sie das Domizil dort aufgeben, zu Hause hält sie sich heute mit Gymnastik und natürlich weiterhin dem Töpfern fit. Besonders freut sie sich auf die Stunden mit ihren Schülern, die zwischen 30 und 60 Jahre alt sind. „Es macht mir Riesenspaß, den Leuten das Töpfern beizubringen, denn ich möchte nicht, dass das Handwerk verloren geht.“  


>Mehr Info: www.die-kleine-töpferei.de

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