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Infrastruktur : „Ich gehe davon aus, dass sie noch da sind“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der verwaiste Horst zweier Seeadler in der Nähe von Hohenfelde sorgt für einen vorläufigen Stopp der Planungen des A20-Ausbaus. Tierschützer Reinhard Weihrauch glaubt an eine Rückkehr der Adler.

Er gilt als ein Sinnbild der Macht – der Adler. Und die übt er nahe des Naturschutzgebietes Hohenfelde auf das Land aus, sorgt für eine neuerliche Verzögerung des Ausbaus der A20 auf dem 15,2 Kilometer langen Trassenabschnitt im Kreis Steinburg. Gestern verkündete Verkehrsminister Reinhard Meyer in Kiel, dass der Seeadlerhorst einen zeitlichen Verzug von mindestens zwei Jahren bedeuten würde (siehe auch Seite 1). Von Naturschutzverbänden sei der Seeadlerhorst gemeldet worden, der offenbar zuletzt im Frühjahr 2015 besetzt worden sei. Jetzt sei er verwaist.

Reinhard Weihrauch aus Elmshorn, Regionalbetreuer und Mitglied in der Projektgruppe Seeadlerschutz, bestätigt: Die Seeadler haben in diesem Jahr ihren Horst im Bereich Hohenfelde belegt, hatten aber keinen Bruterfolg. „Es gibt Eierschalenreste, ein Zeichen dafür dass ein Gelege da war.“ Da man die Altvögel nicht genau kenne – sie sind unberingt – könne man nichts dazu aussagen, warum sich kein Nachwuchs einstellte. „Es könnte sein, dass einer der beiden Partner noch zu jung ist.“ Den Seeadler-Horst im Planungsbereich der künftigen A20 besteht seit zwei Jahren. Ob die Seeadler noch im Raum Hohenfelde sind, sei nicht bekannt. „Sie halten sich nicht immer im Horstbereich auf.“ Aber Weihrauch ist optimistisch: „Ich gehe davon aus, dass sie noch da sind.“ Jetzt gelte es, abzuwarten. Wenn sie den Horst noch besetzt haben, werden die Seeadler ihn in den nächsten Monaten vorbereiten, um etwa Anfang März ihre Eier zu legen. Der Horst sei natürlich ein Hinderungsgrund für den Autobahnbau, denn der würde eine starke Beeinträchtigung für das Seeadlerpaar bedeuten. „Es ist wichtig, dass dort Ruhe herrscht“, betont Weihrauch, der gespannt ist, wie entschieden wird.

Ob der Seeadler zum „Glücksbringer“ für Hohenfelde wird, bezweifelt Bürgermeisterin Marion Gaudlitz. Die Gemeinde hält ihre Klage gegen den A20-Bau auf Hohenfelder Gebiet weiter aufrecht. „Wir sind von dem gesamten Planverfahren sehr enttäuscht.“ Auf Hinweise und Anregungen, die die Gemeinde gegeben habe, sei nicht reagiert worden. „Wir haben viele Themen aufgemacht“, so Gaudlitz weiter. Das Thema Seeadler sei vielleicht am Rande mit erwähnt worden, für die Einwohner Hohenfeldes habe es Wichtigeres gegeben. Dabei weist die Bürgermeisterin unter anderem auf passiven Lärmschutz hin, der aber aus der Planung verschwand, nachdem „an den Verkehrszahlen gedreht“ worden sei. Jetzt hieße es, dass die Lärmbelastung durch den Autobahnverkehr nicht signifikant erhöht sei, der Grenzwert werde unterschritten. Außerdem fühlt sich die Gemeinde in ihrer Planungshoheit „auf unzulässige Art und Weise beschnitten“. Und es gibt noch weitere Punkte, die die Gemeinde belasten – das Resümee der Bürgermeisterin: Die Belange der Menschen in Hohenfelde wiegen gering, und ob nun der Autobahnbau zwei Jahre früher oder später gebaut werde, ändere nichts am Gefühl der Enttäuschung. Ob der Seeadler vielleicht sogar den Autobahnverlauf verändern könnte? Marion Gaudlitz glaubt nicht daran, und wenn doch – der Adler sei in der Gemeinde willkommen.  

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erstellt am 11.Dez.2015 | 18:20 Uhr

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