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Nach dem Hochhausbrand in London : „Ich fühle mich hier sehr sicher“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Nach dem Feuer im Londoner Grenfell Tower: Wie sieht es mit dem Brandschutz in Itzehoer Hochhäusern aus? Ein Besuch am Feldschmiedekamp 4.

Elisabeth Fick hat die Nachrichten in den vergangenen Tagen ganz genau verfolgt. Von mindestens 30 Toten wird nach dem verheerenden Feuer im 24-stöckigen Grenfell Tower im Londoner Stadtteil North Kensington in der Nacht zu Mittwoch inzwischen berichtet. Zahlreiche Menschen werden weiterhin vermisst.

Auch die 77-jährige Itzehoerin wohnt in einem Hochhaus – in der sechsten Etage des 19-stöckigen Gebäudes am Feldschmiedekamp 4. Und es ist nicht lange her, dass die Feuerwehr zu einem Einsatz in eben diese Etage gerufen wurde: Die 81 Jahre alte Bewohnerin einer Wohnung schräg gegenüber hatte versehentlich die falsche Herdplatte angeschaltet, dort abgestellte Dinge fingen Feuer und die Flammen breiteten sich bald aus. „Ich habe es direkt mitbekommen, weil ich den Rauchmelder gehört habe“, erinnert sich Elisabeth Fick. Sie ging dann in den Flur, wo ihre Nachbarin gerade die brennende Wohnung verlassen hatte. Der Rauch zog hinter ihr aus der Tür. „,Gehen Sie nicht wieder rein’, habe ich ihr dann gesagt. Und wenige Minuten später war auch schon die Feuerwehr da.“ Die Brandmeldeanlage des Hauses hatte direkt Alarm ausgelöst, Kräfte aller Itzehoer Wachen waren an diesem Abend im Einsatz. Nach 20 Minuten war das Feuer gelöscht.

„Ein Hochhausbrand wie in London wird es in Schleswig-Holstein mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht geben“, sagte in unserer gestrigen Ausgabe Jochen Zehfuß, Prüfsachverständiger für Brandschutz im Land. Auch ältere Gebäude – das Hochhaus am Itzehoer Holstein Center wurde zu Beginn der 1970er Jahre errichtet – könnten einem Feuer länger widerstehen. „Zudem gibt es besondere Brandriegel, die ein Übergreifen der Flammen von einem Stockwerk auf das andere verhindern sollen“, erklärt Itzehoes Wehrführer Mark Bollhardt. Diese befinden sich oft über Türen und Fenster und sollen nur sehr schwer entflammbar sein.

Ob der Brandschutz an den Gebäuden eingehalten wird, kontrolliert das Kreisbauamt im Rahmen der Brandverhütungsschau. Wie Britta Glatki, Pressesprecherin des Kreises Steinburg erklärt, sind für Sonderbauten wie Hochhäuser – aber auch Altenheime, Hotels, Schulen und große Einkaufszentren – Brandverhütungsschauen in regelmäßigen Zeitabständen von sechs Jahren durchzuführen. Insgesamt gelten die Sicherheitsstandards im deutschen Bauwesen als ungleich höher als im Ausland.

Demnächst sollen wieder Umbaumaßnahmen in den Hochhäusern am Holstein Center stattfinden, aus einzelnen Gewerbeeinheiten sollen Büros werden, aus Büros Arztpraxen. Auch dafür muss das Brandschutzkonzept überarbeitet werden, sagt Kerstin Hinrichs vom zuständigen Immobilienunternehmen Adler Wohnen.

Elisabeth Fick jedenfalls macht sich keine Sorgen. „Ich habe früher schon in Hochhäusern gewohnt und schätze auch heute die schöne Aussicht von meinem Balkon“, sagt sie, während sie ihren Blick über die Itzehoer Innenstadt mit der St. Laurentii-Kirche in Richtung Münsterdorf schweifen lässt. Auch das schnelle Eintreffen sowie die Unterstützung von Polizei und Feuerwehr beim Brand in der Nachbarwohnung vor einigen Wochen hätten sie darin bestätigt. „Ich fühle mich hier sehr sicher.“

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erstellt am 17.Jun.2017 | 08:00 Uhr

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