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Gesellschaft : „Ich feiere heute meinen 15. Geburtstag“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Erika Glamann gehört zu den wenigen Menschen, die ausgerechnet am 29. Februar das Licht der Welt erblickten

shz.de von
erstellt am 29.Feb.2016 | 04:38 Uhr

Die Vorbereitungen haben schon viele Tage vor dem eigentlichen Fest begonnen. Denn Erika Glamann will ihren großen Tag besonders begehen. „Ich feiere heute meinen 15. Geburtstag“, sagt die gebürtige Itzehoerin, die seit über vier Jahren im Stadtmanagement arbeitet – und dort auch am liebsten bis zur Rente bleiben möchte. Und dann schlägt sie die Hand vor den Mund und ergänzt: „Manchmal kann ich kaum glauben, dass ich schon 60 werde.“

Die Zahl 15 klingt da natürlich besser. Und sie bestätigt das, was Erika Glamann immer wieder in ihrem Leben gehört hat, wenn Menschen von ihrem Geburtsdatum erfahren haben: „Oh Gott, Sie Arme, Sie können ja nur alle vier Jahre Geburtstag feiern.“

Doch für Erika Glamann gilt das nicht. Sie habe nie darunter gelitten, dass sie an einem besonderen Tag Geburtstag habe, würde das Datum auch nicht tauschen wollen wenn sie könnte, sagt die Itzehoerin, die das mittlere von fünf Kindern ist. Menschen, die an Weihnachten Geburtstag hätten, seien viel benachteiligter als sie. Als Kind habe sie immer am 1. März gefeiert. „Für mich war das ein ganz normaler Geburtstag wie ihn auch alle anderen Kinder gefeiert haben. Ich stamme aus einfachen Verhältnissen, da kamen Cousins, Cousinen und es gab kalten Hund – und das war’s“, so Glamann, die heute noch für das besondere Gebäck schwärmt. Und auch wenn heute Freunde oder Bekannte in einem normalen Jahr bereits am 28. Februar gratulieren ruft Erika Glamann nur ins Telefon: „Zu früh, Ihr müsst morgen wieder anrufen.“ Denn bekanntlich bringe das Gratulieren vor dem eigentlichen Geburtstag Unglück.

Die Gefahr ist heute denkbar gering. Erika Glamann wird ihren regulären Geburtstag so unoriginell beschließen wie alle vier Jahre. „Ich gehe mit Freunden Essen.“

Denn das eigene Geburtstagsfest auszurichten, das liegt ihr nicht. „Ich feiere nicht gern und groß.“ Statt dessen hat sie häufiger die Flucht angetreten – vor allem in den Schaltjahren, wenn es ihren Geburtstag tatsächlich im Kalender gibt. „Früher habe ich mit meinem Mann häufiger Städtereisen unternommen.“ Doch in diesem Jahr wird es eine Feier im Stadtmanagement geben, zu der sie einige Freunde und Arbeitskollegen eingeladen hat. „Es ist doch etwas Besonderes und wer weiß, ob ich so einen echten runden Geburtstag in 20 Jahren noch feiern kann.“ Ihre letztes Geburtstagsfest als Mitarbeiterin im Stadtmanagement soll es auf jeden Fall sein.

Erika Glamann erwartet dazu auch Freunde, die zwar nicht am 29. Februar Geburtstag haben, die aber an eben jenem Tag geheiratet haben. „Das sind nicht so die Hochzeitsfans. Vielleicht wollten sie sich auch nicht jedes Jahr was schenken.“ Warum es genau der Tag geworden ist, das weiß Erika Glamann nicht genau, aber sie hat eine Vermutung: „Es ist genau wie bei meinem Geburtstag – diesen Tag kann man nicht so leicht vergessen.“

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