FDP Steinburg : „Ich bin ein ziemlich harter Hund“

Noch braucht er etwas Hilfe beim Gehen oder längerem Stehen. Spätestens im Sommer soll für Willi Göttsche diese Unterstützung der Vergangenheit angehören.
Noch braucht er etwas Hilfe beim Gehen oder längerem Stehen. Spätestens im Sommer soll für Willi Göttsche diese Unterstützung der Vergangenheit angehören.

Zwölf Monate nach einem Schlaganfall steht der FDP-Kreisvorsitzende Willi Göttsche vor der Rückkehr auf die politische Bühne.

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02. März 2018, 17:00 Uhr

Die Frage nach seinem Gesundheitszustand kann Willi Göttsche leicht beantworten. „Ich lebe noch“, sagt der 66-Jährige mit einem leichten Lächeln auf den Lippen. „Von daher geht es mir gut.“ Dass er noch lebt, ist nicht selbstverständlich. Zu Beginn des vergangenen Jahres erlitt der Kreisvorsitzende der Steinburger FDP einen Schlaganfall. Binnen zwölf Monaten hat er sich zurück ins Leben gekämpft. Als nächstes steht die Rückkehr auf die politische Bühne bevor. Göttsche ist Spitzenkandidat der Freien Demokraten bei der Kommunalwahl am 6. Mai.

Erinnerungen an jenen schicksalhaften 3. Januar 2017 hat Göttsche kaum. Er habe bei einem Glas Wein im Wohnzimmer gesessen. Seiner Enkelin fielen die Veränderung in Göttsches Verhalten zuerst auf. „Sie rannte zu meiner Frau in die Küche. Opa gibt so komische Antworten, hat sie zu meiner Frau gesagt“, so Göttsche.

Bis Ende Mai war er ans Krankenhausbett gefesselt. Für einen umtriebigen Mann wie Göttsche ein Horror. „Das war ganz schlimm für mich“, sagt er. Aber schon als er die ersten klaren Gedanken wieder fassen konnte, stand für ihn fest: „Ich komme zurück.“

Zweifel daran, dass er es schaffen würde, hat er bis heute nie gehabt. Scheitern sei für ihn keine Option. „Die Krankenschwestern und Therapeutinnen haben immer gesagt: ‚Wenn das jemand schafft, dann Sie‘“, verrät Göttsche. Bis Weihnachten habe er krank gespielt, flachst er, keine offiziellen Termine wahrgenommen. „Ich brauchte einfach die Ruhe“, sagt er. Ganz ohne Pausen geht es bis heute nicht. „Am Abend bin ich doch ziemlich erschöpft“, gibt er zu. Vollkommen untätig war er in dieser Zeit der Rehabilitation dennoch nicht: „Was hätte ich machen sollen? Am Fenster sitzen und den Vögeln zuschauen? Da wäre ich verrückt geworden.“ Im Herbst fing er langsam wieder an für seine Wirtschaftsberatung zu arbeiten. Kundentermine fanden zumeist in seinem Büro zu Hause statt.

Dass er so schnell wieder ins Berufsleben einsteigen konnte, verdankt er einem optimalen Heilungsverlauf und einer disziplinierten Physiotherapie. „Ich habe mich dazu gezwungen, täglich an mir zu arbeiten“, so Göttsche. Dazu gehörte auch das Lesen der Zeitung – und zwar von vorn bis hinten. „Das dauert zwar etwas länger als früher, aber auch das hat meine Genesung unterstützt.“ Er habe sich zuvor den Kranken- und Heilungsverlauf erklären lassen und täglich geübt. „Ich bin ein ziemlich harter Hund“, sagt er voller Selbstbewusstsein. Zudem konnte er sich stets der Unterstützung seiner Frau Magret und seiner Familie gewiss sein. „Auch das hat mir geholfen.“

Was hat sich nach so einem schweren Schlag geändert? Gar nicht so viel, wenn man Göttsche glauben darf: „Ich habe nie Dinge getan, die ich nicht machen wollte.“ Als eigenwillig bezeichnet er sich selbst. Eine Eigenschaft, die sowohl politische Freunde wie auch Gegner bestätigen dürften. Auf genau diese wird er bald schon wieder treffen – auf Veranstaltungen, in Ausschüssen, im Kreistag. Angst davor, Debatten zu folgen und kontrovers zu diskutieren, hat er nicht – natürlich nicht, würde er selbst wohl sagen. Ebenso hat sich für ihn nie die Frage gestellt, seine politischen Ämter niederzulegen. „Mittlerweile fühle ich mich wieder jedermann gewachsen, auch wenn es vielleicht etwas länger dauert, bis ich etwas sage. Im Kopf bin ich völlig klar.“ Möglicherweise könne er seine Meinung nicht mehr so gut verbergen, wie er es früher gekonnt habe. Schade ist es ihm um diese Fähigkeit indes nicht. „Das ist ganz gut so wie es ist.“

Die Rückkehr in die erste Reihe der Kommunalpolitik stand für Göttsche nie zur Debatte. „Das war von Anfang an klar“, sagt er voller Überzeugung – auch für seine Parteifreunde. Die hoffen, dass ihr Vorsitzender wieder 100 Prozent erlangt. „Wir freuen uns, dass es ihm wieder besser geht und werden ihn bei seiner Rückkehr unterstützen, wo es geht“, sagt Parteivize Tobias Rückerl.

Die Rückkehr in den Kreistag sei ein Antrieb für Göttsche gewesen, ein Ziel. Möglicherweise will er es seinen Kritikern auch noch einmal zeigen, denn: Es habe Stimmen gegeben, die bereits sein Abdanken verkündet hatten. „Das hat mir weh getan“, gibt er zu. Die politischen Entwicklungen im Kreis habe er nur von außen verfolgt. Da müsse er sich erst wieder reinlesen. „Darum werde ich mich zunächst auch einmal mit Kommentaren zurückhalten“, kündigt er an. Wie lange er dieses Vorhaben einhalten wird, wird die Zeit zeigen. Immerhin – den Kreisvorsitz seiner Partei plant er im kommenden Jahr abzugeben. „Ein wenig kürzer treten muss ich ja“, sagt er. An der Spitze der Kreistagsfraktion will er vorerst bleiben. „Es sei denn ich stelle fest, dass es doch zu viel wird. Aber ich glaube, das wird nicht so kommen.“

Selbstbewusst, eigenwillig, ohne Zweifel. Eigenschaften, die im Übermaß zum Problem werden können. Für Willi Göttsche waren sie notwendig, beim Kampf zurück ins Leben.

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