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Anklage gegen soziale Einrichtung : Hundertfacher Betrug? Es wird weiter ermittelt

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Soziale Einrichtung in einer Gemeinde in der Wilstermarsch soll für eine Million Euro falsch abgerechnet haben.

Die Anklage der Staatsanwaltschaft Itzehoe liegt auf dem Tisch: Eine soziale Einrichtung in einer Gemeinde in der Wilstermarsch soll die öffentliche Hand hundertfach betrogen haben. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Peter Müller-Rakow, teilte auf Nachfrage unserer Zeitung mit, dass nach langwierigen Ermittlungen und Vorarbeiten Anklage beim Landgericht Itzehoe erhoben worden sei.

Bei dem bis ins Jahr 2011 zurückreichenden Fall geht es um mehr als eine Million Euro. Die Einrichtung, so der Vorwurf, soll über einen langen Zeitraum die Unterbringung von Klienten vollstationär abgerechnet haben. Tatsächlich seien diese aber nur ambulant versorgt worden. Nach Angaben von Müller-Rakow geht man von Betrug in insgesamt 570 Fällen aus. Hinzu kommen weitere 17 Fälle, die als versuchter Betrug eingestuft wurden.

Der Stein war nach Informationen unserer Zeitung durch einen Mitarbeiter ins Rollen gekommen, der gegenüber der Sozialbehörde beim Kreis anonym mitgeteilt hatte, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugehe. Danach sollen die Unregelmäßigkeiten über einen langen Zeitraum gelaufen sein, wobei auf dem freien Wohnungsmarkt zeitweise bis zu zehn Wohnungen angemietet gewesen sein sollen. Im Kern geht es um Ausgaben für Unterkunft, Essen, Betreuung und Maßnahmen zur Wiedereingliederung in das gesellschaftliche und eventuell auch berufliche Leben.Geschädigte waren die Sozialhilfeträger, wobei ein Großteil der Klienten aus anderen Landkreisen und auch Bundesländern kam.

Die Ermittlungen – und jetzt auch die Anklage – richten sich gegen den früheren Leiter der Einrichtung, die bereits vor längerer Zeit den Träger gewechselt hat. Wann der Fall vor Gericht verhandelt wird, ist noch offen. Nach Vorlage der Anklageschrift landete diese erst einmal in einem gerichtlichen Zwischenverfahren. „Es sind noch Nachermittlungen erforderlich“, sagt der Itzehoer Gerichtssprecher Philipp Terhorst. Das sei auch gar nicht unüblich, schließlich solle es ja eine seriöse Grundlage geben. Mit Ergebnissen rechnet er im Spätsommer.

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erstellt am 14.Jul.2017 | 05:00 Uhr

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