Auseinandersetzung : Hundeattacke am Vatertag

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Gruppe junge Männer gerät mit Polizeihund aneinander. Schilderungen weichen stark voneinander ab.

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28. Mai 2015, 11:53 Uhr

Eigentlich wollte eine Gruppe von acht Freunden aus Kellinghusen und Umgebung eine feucht-fröhliche Vatertags-Tour zum Lanz-Bulldog-Treffen in Brokstedt unternehmen. Die endete für sechs von ihnen im Krankenhaus: Ein Polizeihund fügte ihnen nach einer Auseinandersetzung Bisswunden an Bauch, Armen und Beinen zu. Einer der Freunde erlitt nach eigener Aussage einen Schock. Der Schreck steckt ihnen auch mehrere Tage später noch in den Gliedern. Aus Angst vor Repressalien wollen sie ihre Namen nicht in der Zeitung nennen.

Mit acht Freunden zwischen 18 und 23 Jahren aus Kellinghusen, Huje und Hohenwestedt – alle Azubis und Schüler – starteten sie am Vatertag mit ihrem Bollerwagen, kamen gegen 14 Uhr am Speedwaystadion in Brokstedt an, wo viele Feiernde auf Vatertagstour unterwegs waren. Durch eine „kleine Rangelei“ sei die Polizei auf die Gruppen aufmerksam geworden.

Zunehmend, so berichtet die Polizei, werde die Veranstaltung von Menschen besucht, die Brokstedt als Ziel ihrer Vatertagstour wählen. „Es handelt sich überwiegend um junge Männer, die Alkohol und Grillutensilien auf einem Bollerwagen mitführen und die auf ihrem Weg nach Brokstedt bereits Alkohol getrunken haben“, heißt es von der Polizei. Die Konsequenz: „Wir zeigen uns jetzt mit weit mehr Kräften in Brokstedt als in der Zeit vor 2013.“

So waren auch dieses Jahr die Beamten wachsam. Vier hielten die streitenden Parteien auseinander, sprachen einen Platzverweis aus. „Das war ja auch soweit in Ordnung, wir folgten den Anweisungen und machten uns wieder auf den Rückweg“, schildert eines der Opfer. Die Polizei sieht das anders: „Die Angesprochenen kamen dem nur zögerlich nach und wollten den Platzverweis offensichtlich unterlaufen.“ Bereits zu diesem Zeitpunkt hätte eine „Gruppendynamik mit Eskalationscharakter“ eingesetzt.

Die jungen Männer schildern, dass sie den „begleitenden Polizisten“ anscheinend nicht schnell genug gewesen seien. „Sie stiegen aus und kamen mit dem knurrenden Schäferhund auf uns zu.“ Da einer aus der Gruppe unter Hundephobie leide hätten andere die Polizisten gebeten, den Hund weg zu nehmen. Da sei der erste bereits ohne Vorwarnung in den Finger gebissen worden. Der zweite wurde gleich zwei Mal in die Handgelenke gebissen. Der Polizist habe den Hund zwar an der Leine, aber überhaupt nicht im Griff gehabt, beschweren sich die jungen Männer.

Die Polizei erklärt hingegen, dass der Diensthundeführer von einem anderen Gruppenmitglied angegriffen worden sei. „Der Diensthund tat dann das, was er in einem solchen Falle immer tut: Er schützte seinen Herrn und biss zu.“ Trotz Warnung „Vorsicht, der beißt“ sollen die Gruppenmitglieder weiter gegen die beiden Polizisten vorgegangen sein. Die Folge: Der Diensthund biss zwei Männer. Immer wieder, so die Polizei, seien die Gruppenmitglieder auf den Diensthundeführer zugelaufen.

Die jungen Männer beschreiben die Situation anders: „Obwohl wir die Polizisten und den Hund beruhigen wollten, fing der Hund an, wild um sich zu beißen.“ Der Polizist habe den Hund dann sogar von der Leine gelassen, es sei der Ausdruck „Fass!“ gefallen, woraufhin dieser auf einen von ihnen gesprungen sei und ihn biss – in Arm und Bauch. Die Lage sei da schon außer Kontrolle gewesen. „Obwohl wir versuchten zu beschwichtigen, biss der Hund noch mehrmals zu.“ Bilanz der Rangelei: Vier Männer wurden in Arm und Bauch gebissen, einer ins Bein und ein weiterer erlitt einen Schock. Sie kamen mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus.

Zwei Bissopfer oder sechs, Angriffe aus der Gruppe der jungen Männer oder aggressives Verhalten und ein außer Kontrolle geratener Diensthund – die Beschreibungen der Geschehnisse in Brokstedt gehen zum Teil deutlich auseinander.

Die Eltern einiger Beteiligter bezeichnen den Polizeieinsatz als „völlig überzogen“ und „unverhältnismäßig“. Ein Vater fragt: „Hätte der Hund nicht einen Maulkorb tragen müssen?“ Eine Mutter sagt: „Wenn die Polizisten nicht hinter ihnen her gekommen wären, wäre gar nichts passiert.“ Deshalb haben sie einen Anwalt eingeschaltet, der rechtliche Schritte einleiten soll.

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