zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

24. November 2017 | 05:05 Uhr

Wildschutz : Hunde an die Leine

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Hund tötet junges Reh in Winseldorf: Besitzer drohen mit Konsequenzen. Jäger bitten Halter der Vierbeiner um Rücksicht.

Endlich Frühling – blauer Himmel, wärmende Sonnenstrahlen und frisches Grün. Mit Kind und Kegel und Hund suchen Menschen nach dem Winter Erholung im Freien. Darunter auch solche, die meinen, ihrem vierbeinigen Lieblingen querfeldein Auslauf ohne Leine bieten zu müssen. Was dabei herauskommen kann, trübt das Bild vom unbeschwerten Lenz-Vergnügen. Hunde sind Laufjäger – gerät ihnen eine Stück Wild vor die Nase, können die Folgen schlimm sein. Nicht nur für das gehetzte Wild sondern im Rahmen des Hundegesetzes, auch für Halter und Hund.

Ein trauriges Beispiel liefert ein Vorfall in Winseldorf. Dort geriet ein junges Reh in die Fänge eines wildernden Hundes. Fotoaufnahmen lassen erahnen, wie es vor seinem Tod gelitten haben muss. Tief ins Wasser eines Grabens gedrückt, wäre es womöglich gar nicht gefunden worden, hätte nicht ein Zeuge die wilde Hatz beobachtet. Herausgerissene Muskulatur an der Hüfte, Kratzspuren sowie der zuletzt tödliche Biss in den Hals dokumentieren den archaischen Vorgang.

„Das ist schrecklich und muss nicht sein“, sagt Rüdiger Bruse. Gemeinsam mit den Jägerkollegen Guido Schlupp und Michael Spanuth appelliert er an Hundehalter, Vernunft walten zu lassen und ihre Tiere anzuleinen. Als Jagdpächter einer rund 600 Hektar-Fläche im Bereich Winseldorf treffen die erfahrenen Waidmänner auf viele Herrchen und Frauchen, die sich korrekt verhalten. Sie beobachten aber auch, dass das Wissen um die Zusammenhänge in der Natur zunehmend verloren geht. Besonders in der von März bis Juni andauernden Setz- und Brutzeit gehörten kleine und große Schnüffelnasen aller Rassen an die Leine. „In anderen Bundesländern ist das Gesetz, bei uns leider nicht“, sagt Spanuth. Auch deswegen gerate das Niederwild immer mehr unter Druck, sind sich die Jäger einig.

Wenn Menschen den Blick über das saftige Grün der Felder schweifen lassen, bemerken sie nichts von der tierischen Kinderstube zwischen den Halmen. In den Gelegen von Fasanen, Rebhühnern und Singvögeln will der Nachwuchs heranwachsen. Für Laien und auch für Jäger kaum erkennbar ducken sich dort ab Mai zusätzlich Rehkitze und Hasenjunge. In freier Wildbahn lägen Hasenjunge oft stundenlang allein, erklärt Schlupp. „Die Jungtiere sind nicht niedlich und allein gelassen“, unterstreicht er. Das Ablenken von den Jungen sei vielmehr Überlebensstrategie. Auch ausgewachsene Rehe lägen nur wenige Meter neben dem Weg. Wenn Hunde mit ihrer feinen Nase Witterung aufnähmen, sei es schon die hohe Kunst der Hundehaltung, sie zurückzupfeifen, meint Spanuth. Vom Hochsitz aus beobachtet er häufig genug brenzlige Situationen. Zu Fuß oder auf dem Rad bemerke der Mensch viel zu spät, was ein Hund schon längst auf dem Radar habe. Auch wenn es gut gehe und der Hund abdrehe, die Tiere flüchteten in Todesangst Hunderte von Metern. „Jeder Zwischenfall mit einem Hund bringt beträchtliche Unruhe mit Todesangst für das Wild.“

Im Falle des gerissenen jungen Rehs – welches noch im Familienverband mit der Mutter lebte - wird die hochträchtige Ricke das Klagen gehört haben und dadurch unter einem Riesenstress gesetzt worden sein. Die Jäger bitten Hundehalter daher eindringlich, Vierbeiner an der Leine zu halten und sich in der freien Landschaft nur auf Wegen zu bewegen. Der Fall des gerissenen Jungrehs wird die Unachtsamkeit nicht ohne Konsequenzen bleiben. Laut Hundegesetz kann die Gefährlichkeit des Hundes festgestellt werden, was beutet, dass eine Erlaubnis beantragt werden muss, ihn zu halten. Zudem kann die Ordnungsbehörde vom Halter einen Sachkundenachweis verlangen. „Es müssen Kenntnisse und Fähigkeiten nachgewiesen werden, den Hund so zu halten dass von ihm keine Gefahr ausgeht“, bestätigt Mathias Siebenborn. Der Chef des Ordnungsamts vom Amt Itzehoe Land zählt eine Reihe von gesetzlichen Maßnahmen auf, die für Halter von auffällig gewordenen Hunden gelten. Von der individuell erteilten Hundeführ-Erlaubnis über Leinen- und Maulkorb- und Chipzwang bis zu einem - je nach gemeindlicher Hundesteuersatzung – erhöhten Steuersatz. Einig mit den Jägern ist er sich: „Hunde sind keine Lifestyleprodukte – der Halter muss sich kümmern, sie tiergerecht halten und ausbilden.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen