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Norddeutsche Rundschau

12. Dezember 2017 | 00:02 Uhr

Brokdorf : Hotels für Insekten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Aus einer Leidenschaft wurde für Erwin Hildebrandt ein Kleingewerbe / Seine Handwerkskunst präsentiert er im Vorgarten

shz.de von
erstellt am 19.Jun.2017 | 05:02 Uhr

Erwin Hildebrandt bietet kleinsten Lebewesen ein Zuhause. Aus Liebe zur Natur und zum Baustoff Holz hat der gelernte Maurer und Holzkaufmann eine in der Region bislang vielleicht einmalige Produktion aufgenommen: Der 59-Jährige baut Insektenhotels. Eine Vielzahl davon in höchst unterschiedlichen Größen kann man seit kurzem in Brokdorf bewundern. Direkt an der – derzeit noch wegen einer Baustelle gesperrten – Landesstraße an der Ecke zum Ortsteil Siethwende hat Hildebrand sein Schaufenster sozusagen im Vorgarten aufgebaut. Dort will der erst kürzlich zu seiner Lebensgefährtin Kerstin Lau gezogene Frührentner sein Hobby weiterführen, das schon zu einer Lebensaufgabe geworden ist.

Angefangen hatte es mit einer Insektenunterkunft für den eigenen Garten in seiner früheren Heimat im niedersächsischen Ammerland. „Es hat nicht lange gedauert, bis da die ersten Wildbienen einzogen“, berichtet er über seinen ersten Erfolg und die wachsende Begeisterung. Es folgten Anfragen aus der Nachbarschaft und von Bekannten. Und schon war die „Manufaktur für die Natur“ geboren.

Inzwischen hat Erwin Hildebrand sich auch in seinem neuen Brokdorfer Domizil eine vollwertige Holzwerkstatt eingerichtet. Verwendung findet bei seinen Bauten ausschließlich robustes Lärchenholz. Das Material für die von Bienen, Hummeln und Marienkäfern geliebte „Inneneinrichtung“ findet er zumeist in der freien Natur.

Seine Kundschaft, so berichtet er, komme inzwischen aus ganz Deutschland und sogar schon aus der Schweiz. Meist wurden Interessenten im Vorbeifahren auf die im Grünen präsentierten Schlaf- und Winterquartiere für kostenlose biologische Schädlingsbekämpfer aufmerksam. Gerade erst hat er ein mannshohes Hotel an eine Jägerschaft ausgeliefert, die sich nun bald ebenfalls über einen willkommenen Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht in der Natur freuen kann.

„Gartenfreunde sind ehrliche Menschen“, freut sich Hildebrand auch über eine höchst unkomplizierte Verkaufsstrategie. Wer in seiner Abwesenheit eines der ausgestellten Insektenhotel erwerben will, nimmt es einfach mit und lässt den ausgewiesenen Geldbetrag zurück. Bisher habe das immer gut geklappt. Die Preise für seine Arbeiten, von denen jede ein Unikat ist, hält er für angemessen. „Das ist das, was ich auch dafür zahlen würde.“ Immerhin bietet er individuelle Handarbeit aus bestem Material an. Zum Teil, so berichtet er weiter, nähmen Kunden inzwischen sogar schon weite Anfahrtswege in Kauf. Neben Insektenhotels hat er übrigens auch Nistkästen und Futterhäuser im Angebot.

Ganz besonders freut sich Hildebrand, wenn er Erfahrungen mit seinem Hobby und mit dem Umgang mit Insekten auch an Kinder weitergeben kann. Gerne, so bietet er an, besuche er auch Kindergärten und Schulen.

Ansonsten sei es wirklich ganz einfach, im eigenen Garten Quartiere für nützliche Insekten aller Art zu installieren. „Als ich mein erstes, damals noch recht stümperhaftes Insektenhotel aufgestellt habe, kamen sofort Wildbienen. Als hätten die nur darauf gewartet.“ Inzwischen freut er sich, dass er mit seinem Hobby sogar einen kleinen Beitrag zum Überleben von Arten leisten kann, die auf der roten Liste stehen und vom Aussterben bedroht sind. Eigentlich, so gibt er noch einen Tipp, müsse man die Insektenhotels nur an einem möglichst sonnigen Platz aufstellen. Dann funktioniere alles von ganz allein.

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