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Norddeutsche Rundschau

22. August 2017 | 19:16 Uhr

Glückstadt : Hotel Tiessen wird verkauft

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Demnächst soll wieder Leben einziehen in den Holsteinischen Hof in Glückstadt. Der neue Besitzer aus Hamburg lässt bereits die Fassade renovieren. Währenddessen räumen die alten Inhaber auf.

Der Vertrag ist noch nicht unterschrieben, doch das Haus hat der künftige Besitzer schon eingerüstet: Der Hamburger Unternehmer Kamil Aliti will den „Holsteinischen Hof“ – auch Hotel Tiessen genannt – kaufen.

Wehmut herrscht jetzt bei den Noch-Inhabern Hans-Peter und Andreas Tiessen. Sie sind dabei, aufzuräumen. „Wir haben gemischte Gefühle“, sagt Andreas Tiessen (58). Auf der einen Seite sei große Trauer da, „weil wir aus dem Elternhaus heraus müssen.“ Auf der anderen Seite seien sie die Last los. „Froh sind wir, dass das Haus nicht abgerissen wird.“ Denn der neue Besitzer plant ein Hotel mit Restaurant . „Wir sind traurig, aber wir können auch sehen, dass aus dem Haus wieder etwas wird.“

Für Hans-Peter Tiessen (61) sind es die Abende, an denen er ins Grübeln kommt. „Dann muss ich etwas tun, um mich abzulenken.“

Vor einem Jahr hatten sich die Brüder entschieden, das Familienunternehmen – es wurde von den Großeltern 1920 gegründet – zu verkaufen. Ein Grund war: Ihre Mutter Sabine Tiessen war gestorben und sie hatte die Konzession. Die Brüder hätten eine neue beantragen müssen und das wäre mit vielen Kosten verbunden gewesen. Unter anderem hätte nach neuen Vorschriften viel Geld zum Beispiel in die Küche investiert werden müssen. Da beide Brüder keine Kinder haben, entschlossen sie sich, das finanzielle Risiko nicht einzugehen. Sie schlossen Anfang des Jahres und suchten einen Käufer für die Immobilie.

Beide hatten sich vorgestellt, dass dies leichter sein würde. Es gab Interessenten, die aber aus verschiedenen Gründen absprangen. Erst vor Kurzem meldete sich der Hamburger, beide Seiten wurden handelseinig. Was nun noch fehlt, ist die Unterschrift beim Notar. Trotzdem fangen die Mitarbeiter des Bauunternehmers schon an, die Fassade zu renovieren.

Erst einmal werden die Brüder im Haus in der Großen Kremperstraße wohnen bleiben. Beide wissen noch nicht, wie die Zukunft aussieht. Hans-Peter Tiessen überlegt, zunächst zum älteren Bruder Axel (66) nach Süddeutschland zu gehen. Dieser wohnt in der Nähe von Rosenheim. Andreas Tiessen sucht eine neue Arbeitsstelle in der Gastronomie. „Für die Rente bin ich noch zu jung.“ Bisher zuständig für den Service im Hotel, geht er davon aus, mit seine Frau Martina für den Beruf wegziehen zu müssen. Doch noch sei nichts entschieden.

Im Moment haben beide noch viel zu tun: Vieles gilt es noch aufzuräumen. Und dabei entdecken sie so manches Interessante: alte Bilder, alte Dokumente. Aber auch wenig Brauchbares: „Wir haben noch 1000 Stück Nähsets für die Hotelgäste gefunden“, in ähnlicher Größenordnung gibt es Duschhauben. „Da hat sich viel angesammelt“, sagt Andreas Tiessen über den Hotelbetrieb, wo schon immer viel aufbewahrt wurde.

Was beide vermissen werden, ist der Kontakt zu den vielen Gästen, die sie früher hatten. „Gäste und Freunde – das ist schon fast dasselbe“, sagt Andreas Tiessen über das gute Verhältnis über viele Jahre. Dafür sagt er Danke. Und auch dafür, dass er und sein Bruder das Hotel und das Restaurant so lange mit ihrer Mutter führen durften: „Wir sind dankbar, dass wir dies hier die ganzen Jahre machen durften.“

Was bleibt, sind die Erinnerunge:. So erzählen sie vom Club „Tutti Frutti“ – Geschäftsfrauen aus Glückstadt und Umgebung. Ihren Namen hatte der Club, weil sie so gerne den Eisbecher Tutti Frutti bestellten. Das war in den 30er-Jahren im Ratskeller bei der Großtante Dora. Die Brüder lernten die Damen später als „Witwenclub“ kennen, als sie ab den 80er-Jahren ins Hotel Tiessen übergesiedelt waren. Immer am Montag gab es dann kein Eis mehr, sondern Torte und Korn. „Damit die reichhaltige Torte besser verdaut wurde“, sagt Hans-Peter Tiessen und schmunzelt. Diese Erinnerungen bleiben im Kopf, die handfesteren in Form von Papier werden jetzt in Kartons verpackt.

Unterdessen beginnt der neue Besitzer Kamil Aliti mit den Arbeiten: „Zuerst wird die Fassade gemacht, dann das Dach gedeckt.“ Im nächsten Jahr wird das Hotel und das Restaurant ausgebaut.

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erstellt am 18.Nov.2014 | 12:00 Uhr

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