Trotz Singgemeinschaft mit Hörnerkirchen : Horster Liedertafel droht der Stimmverlust

Die Ehrenurkunde zum 175-jährigen Bestehen des Horster Chors überreichte Waltraud Grapentin vom Schleswig-Holsteinischen Sängerbund an Adolf Flöter.
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Die Ehrenurkunde zum 175-jährigen Bestehen des Horster Chors überreichte Waltraud Grapentin vom Schleswig-Holsteinischen Sängerbund an Adolf Flöter.

Ehrenurkunde für 175 Jahre alte Liedertafel Horst – aber die Zukunft ist ungewiss.

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22. April 2019, 15:51 Uhr

Horst | Seit 175 Jahren singen die Männer der Liedertafel Horst ihre Lieder. Dieses Jubiläum wurde nicht groß gefeiert, sondern beim Auftritt der Sänger, die sich inzwischen aufgrund Personalmangels mit dem Männergesangverein Hörnerkirchen zur Singgemeinschaft Horst/Hörnerkirchen zusammengeschlossen haben, beim bunten Abend der Horster Jacob-Struve-Schule offiziell gewürdigt. Waltraud Grapentin vom Vorstand des Sängerbundes Schleswig-Holstein überreichte dem Vorsitzenden Adolf Flöter eine Ehrenurkunde.

Zur Freude der vielen Besucher des bunten Abends präsentierten die Sänger, die auch noch Verstärkung durch den Kiebitzreiher Chor „Freundschaft“ mitgebracht hatte, unter der musikalischen Leitung von Marion Elm einige Lieder.

„Wir hoffen sehr auf Nachwuchs, denn in Horst haben wir nur noch acht aktive Sänger“, warb Flöter für die Liedertafel und die Singgemeinschaft. Einer von ihnen ist der 88-jährige Gottfried Müller, der bereits seit 65 Jahren der Liedertafel seine Treue hält. Als Müller im Alter von 23 Jahren dem Chor beitrat, war Max Höft Vorsitzender und Hans Günther Chorleiter. Damals war das Vereinslokal die Gastwirtschaft Deutsches Haus. „Das waren sehr schöne Zeiten. Wir waren über 30 Sänger, und unsere Feste und Auftritte gehörten zu den Höhepunkten des dörflichen Lebens. Der Saal war immer bis auf den letzten Platz gefüllt, wenn wir sangen und zum Tanz einluden“, erinnerte sich Müller. Die Vereinslokale wurde später gewechselt, man traf sich in der Gaststätte Zur Einkehr und im Ohrid.

Spaß und Geselligkeit gehörten wie das Singen zum Programm des Chors. „Nach unseren Übungsabenden haben wir noch lange zusammengesessen, Skat gespielt und auch so manches Gläschen geleert. Das geschieht heute aufgrund des fortgeschrittenen Alters unserer Mitglieder nicht mehr so intensiv“, berichtete Müller.

Auch die gemeinsamen Ausfahrten waren sehr beliebt. Ziele der mehrtägigen Reisen waren unter anderem die Rhön, Usedom und Rügen sowie der Rhein. Dies hat sich mittlerweile geändert. Die älter gewordenen Sänger treffen sich heute zum geselligen Grillen in privater Atmosphäre.

Müller, der seit seinem Eintritt in die Liedertafel als erster Tenor singt, hat sich auch in der Vorstandsarbeit eingebracht. Er war lange Zeit 2. Vorsitzender und übernahm das Amt des Chorchefs nach dem Rücktritt von Bernd Hallmann zunächst für ein Jahr kommissarisch, danach vier Jahre direkt gewählt. „Danach habe ich mich entschlossen, den Posten einem Jüngeren zu überlassen“, sagte er. Günter Kölln folgte als Vorsitzender.

Seit dem Zusammenschluss mit den Hörnerkirchener Sängern vor zwölf Jahren wird an unterschiedlichen Orten geprobt. Montags trifft man sich im Vereinshaus Op de Host, im Ohrid oder im Landhaus Mehrens in Brande-Hörnerkirchen. Öffentliche Auftritte gibt es nur noch selten. Die Organisation fällt den Sängern immer schwerer.

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