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Norddeutsche Rundschau

24. August 2017 | 10:57 Uhr

Bauarbeiten : Holzwurm im Kirchengebälk

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der bekannte Architekt Dr. Karl-Ernst Bürkner leitet die Sanierungsarbeiten am Glückstädter Kirchenturm. Trotz der Arbeiten finden weiterhin Gottesdienste statt.

Wackelt etwa der Turm der Glückstädter Stadtkirche? Ist das älteste und sicher prägnanteste Bauwerk der Elbestadt vom Einsturz bedroht? Dieser Eindruck konnte bei Bürgern entstehen, als sich der riesige dreiachsige 60-Tonnen-Autokran der Steinburger Firma Lindemann seine Weg durch die Innenstadt bahnte. Seine Aufgabe: einen fast acht Meter langen, etwa 1,5 Tonnen schweren T-Träger bis an die Spitze des Turm-Mauerwerks zu heben und dort in vorbereitete Löcher zu schieben. Gut zwei Stunden hatten die Männer der ausführenden Firma TK-Boldt aus Elmshorn zu tun, um die knifflige Aufgabe zu lösen. Immer wieder mussten die tragenden Stahlseile nachjustiert werden, ehe der Träger in das erste Mauerloch geschoben werden konnte. Trotz widrigster Wetterverhältnisse lösten die Mitarbeiter ihre Aufgabe mit Bravour.

Bei diesem erheblichen Bauaufwand war auch der Architekt und Statiker anwesend. Dr. Karl-Ernst Bürkner (66) aus Ellerhoop erklärte: Als bei einer Überprüfung kopfgroße Löcher in den tragenden Eichenbalken entdeckt wurden, musste gehandelt werden. „Das ist blanke Fäulnis, in die sich so ziemlich jeder Holzschädling eingenistet hat“, so Dr. Bürkner.

Über Jahrzehnte muss diese Leckage unentdeckt geblieben sein. Da sich der nach oben verjüngende Kirchturmkopf anstatt auf dem Mauerwerk auf diesen Balken stützt, bestand durchaus die Gefahr eines Einsturzes. Ähnlich der Katastrophe von 1648, als nur das Taufbecken im Kirchenschiff einen gewaltigen Einsturz überstand. Dr. Bürkner: „Eine wackelige Angelegenheit.“

Nach dem Wiederaufbau haben Baumeister früherer Generationen vier bis fünf Balkendecken im Kreuz- und Diagonalverband eingezogen, um dem Turm Stabilität zu verleihen. Zusätzlich – um Gewicht zu gewinnen – wurde die tonnenschwere Glockenstube auf diese Balkenlage gesetzt. Dr. Bürkner schätzt, dass entweder zwischen den Weltkriegen oder kurz danach noch ein Stahlträger zur weiteren Stabilität eingezogen wurde. Die weitere Stabilisierung mittels eines zweiten T-Trägers ist jetzt aber unerlässlich geworden.

Dr. Bürkner gilt als ausgewiesener Fachmann für Restaurierung und Erhalt historischer Bauten. Erfahrung und Akribie des Spezialisten wird nicht nur landes- sondern bundesweit geschätzt. Unter seiner Leitung wurde die Kirche in Kollmar restauriert. Auch an den laufenden Arbeiten der St.-Nikolai-Kirche in Elmshorn ist er maßgeblich beteiligt. Und das ist nur ein Bruchteil seines riesigen Tätigkeitsfeldes.

In Glückstadt zählen der Erhalt zahlreicher historischer Bauten – darunter auch der alte Salzspeicher am Hafen – zu seinen Arbeiten. Als Architekt und vor allem – das ist Dr. Bürkner ganz wichtig – als Statiker obliegen ihm Planung, Aufsicht, Auftragsvergabe. Es war für den Kirchenkreis naheliegend, diesen Spezialisten für diesen Auftrag zu gewinnen.

Mit dem Einbau des neuen Trägers wird die Sicherheit für den Kirchturm erreicht, jetzt können sich Fachfirmen um die Ausbesserung und Neuanlage der Balkendecken kümmern. Diese Grundsanierung wird allerdings erst im zweiten Bauabschnitt im kommenden Jahr in Angriff genommen. „Das wird eine teure Angelegenheit, denn es handelt sich um eine zeitaufwändige, akkurate Ausführung“, schätzt Dr. Bürkner. Zum jetzigen Zeitpunkt sieht der Experte die Gefahr als gebannt.

Die momentanen Arbeiten werden etwa zwei Wochen in Anspruch nehmen. Der Kostenpunkt hält sich noch überschaubar: „Weniger als 25 000 Euro.“ Die Kosten trägt der Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf. Pastor Stefan Egenberger teilte mit, dass das Kirchenschiff von den Arbeiten unbetroffen bleibt, Gottesdienste und Veranstaltungen finden in gewohnter Weise statt.

 

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