Stadtgalerie Brunsbüttel : Holzschnitte schöner Frauen

Galerieleiterin Silke Eikermann-Moseberg vor einem Farbholzschnitt-Triptychon: Frauen überqueren eine Furt des Oi-Flusses.
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Galerieleiterin Silke Eikermann-Moseberg vor einem Farbholzschnitt-Triptychon: Frauen überqueren eine Furt des Oi-Flusses.

Heute wird eine Ausstellung mit hochkarätiger Handwerkskunst aus Japan in der Stadtgalerie am Elbeforum eröffnet.

shz.de von
21. Januar 2018, 08:01 Uhr

Manchmal entsteht die Idee für eine Ausstellung durch Zufall. So wie bei der großen „Manga-Bijinga-Shunga“-Schau, die am heutigen Sonntag um 15 Uhr in der Stadtgalerie Brunsbüttel eröffnet wird. Als Galerie-Leiterin Silke Eikermann-Moseberg für die Oskar-Kokoschka-Ausstellung vor genau einem Jahr im Hamburger Magazin von Kunsthistoriker Heinz Spielmann Exponate auswählte, fiel ihr Blick auf einen antiken japanischen, mehrfarbigen Holzschnitt von Hiroshige aus dem Nachlass des Künstlers. „Ich war völlig fasziniert und wünschte mir zu dem Thema eine Ausstellung“, erzählt Eikermann-Moseberg.

Spielmann konnte stapelweise weitere historische Holzschnitte zeigen, allesamt aus seiner Stiftung Spielmann-Hoppe. Für die gewünschte Ausstellung legte er den Schwerpunkt auf die Edo-Zeit (von 1603 bis 1868 die längste Friedenszeit Japans) und auf die Ukiyo-e-Kunst, die das Lebensgefühl und die Weltsicht des aufkommenden Bürgertums und der Bevölkerungsmehrheit in den großen Städten darstellt. Da während der Edo-Zeit die Grenzen Japans geschlossen waren, mussten sich die Bürger, überwiegend Handwerker und Kaufleute, ihre Freizeit ohne weite Reisen gestalten. Da waren Bilder von Schauspielen, (fremden) Landschaften, zu beliebter Literatur oder von Liebesspielen willkommene Abwechslung. Als Bijinga-Kunst werden Darstellungen von schönen Frauen bezeichnet, die dem Schönheitsideal entsprachen und Tätigkeiten der Damen im Fokus hatten: Musizieren, Boot- und Wagenfahrten, Teezeremonien.

In den Bildern, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts berühmte Meister wie Utamaro fertigten, sieht Spielmann die Vorläufer der puppenhaften Mädchendarstellungen moderner Comics und vergleicht sie mit den Barbie-Puppen des Westens. Die Dargestellten sind oft auch berühmte Kurtisanen. „Das Bordell fungierte als Ort der Sinne“, so Eikermann-Moseberg. Der Übergang zu den Shunga-Darstellungen ist fließend. Die sogenannten „Frühlingsbilder“ zeigen Sex- und Liebesspiele. Oft unterlagen sie der Zensur, fanden aber trotzdem ihre Abnehmer. Auch galten diese Darstellungen als Vorbereitung junger Mädchen auf ihre Hochzeit.

Fast alle führenden Meister, so Spielmann, haben sich an der Erfindung und Herstellung von Shunga-Holzschnitten beteiligt, da ihr Verkauf lukrativ war. Die brisantesten Beispiele dazu sind in der Ausstellung in einem abgetrennten Séparée aufgehängt.

Insgesamt zeugen die Holzschnitte von einer unglaublich perfekten Handwerkskunst. Gerade die Reihe von Hiroshige über die „Tukaido-Straße“ ist überaus sehenswert.


Bis zum 8. April ist die Ausstellung in der Stadtgalerie im Elbeforum, Von-Humboldt-Platz 5, zu sehen.



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