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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2017 | 03:57 Uhr

Sportboothafen : Holländer spülen Hafen frei

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Sportschipper-Verein Borsfleth lässt Hafen nahe der Störmündung vertiefen / Niederländisches Spezialschiff drei Tage im Einsatz

von
erstellt am 11.Apr.2015 | 17:00 Uhr

Oberflächlich bleibt das Wasser der Stör ganz ruhig. Nur das laute Rattern der beiden 550 PS-starken Zwölf-Zylinder-Pumpenmotoren an Bord des „Jetsed“ deuten darauf hin, dass unten in der Tiefe kräftig gearbeitet wird. Ganz langsam schiebt sich das aus zwei Rümpfen zusammengefügte Arbeitsschiff durch den Hafen des Sportschipper-Vereins Borsfleth.

Was der Betrachter nicht sieht: Am Grund zieht die Jetsed ein Spülrohr durch den Hafenschlick. 12 000 Kubikmeter Wasser pro Stunde drücken die beiden Pumpen an Bord durch vierzig Düsen im Rohr. „Wir spülen so 40  000 Kubikmeter Schlick aus dem Hafen“, sagt Kapitän Rijk Paans. Gemeinsam mit Maschinist Alfred Boersma ist der Niederländer nur drei Tage beschäftigt, um die gewaltige Materialmenge aus dem Hafen zu entfernen. Zum Vergleich: Über Land wären weit über 1000 große Sattelzüge notwendig, um die gleiche Last zu bewegen.

In der Stör besorgt die Tide den Transport: Der Schlick wird durch das Wasser der Pumpen aufgeweicht und verflüssigt, jedoch nicht komplett aufgewirbelt. Er wird aber fließfähig und so vom ablaufenden Wasser Richtung Elbe gezogen. „Wir fangen am Eingang des Hafens an. Schaffen zunächst eine tiefe Rinne. Dann arbeiten wir uns durch das Hafenbecken“, sagt Paans. „So kann alles abfließen.“ Das sogenannte „Wasserinjektionsverfahren“ gilt als besonders schonend. Der Hafenschlick verschwindet auf die gleiche Weise, wie er auch angekommen ist.

„Wenn wir nicht regelmäßig ausbaggern, wäre unser Hafen sehr schnell nicht mehr wirklich nutzbar“, erklärt Ludger Walterbusch, Vorsitzender des Sportschipper-Vereins Borsfleth. Der Verein als Pächter des Hafens hat die Baggerarbeiten bei der niederländischen Firma Van Oorth, dem Eigentümer der Jetsed, in Auftrag gegeben. Dort, wo heute die Sportboote festmachen, war bis Mitte der Siebziger Jahre der eigentliche Flusslauf der Stör. Dann wurde das Sperrwerk gebaut und die Flussmündung in die Elbe anschließend dorthin verlegt. Der so entstandene Nebenarm wurde zum Hafen. „Unser Hafen ist eine Sackgasse. Mit der Flut werden aus der Elbe Sedimente eingetragen, die sich ablagern,“ sagt Walterbusch. „Wenn er nicht wieder vertieft wird, wäre er nur noch bei Hochwasser erreichbar. Bei Ebbe würden die Boote trocken fallen.“ Das wäre nicht nur für die knapp 100 Mitglieder problematisch, sondern auch für die vielen Gäste, die im Sommer dort festmachen.

„Im Schnitt kommen während der Saison etwas zehn Gastlieger pro Wochenende. Regelmäßig melden sich aber auch größere Gruppen mit bis zu 20 Booten an“, sagt Walterbusch. Viele kommen aus Hamburg, wollen Richtung Nordsee. „Wer in Hamburg startet, ist ungefähr nach sechs Stunden bei uns – genau eine Tide.“ Fahren die Gäste wie üblich mit ablaufendem Wasser die Elbe herunter, wäre gerade Ebbe und der Borsflether Hafen nicht erreichbar. „Wenn die Jetsed hier fertig ist, ist unser Hafen wieder tidenunabhängig anzufahren“, sagt Walterbusch.

Deshalb ist der Borsflether auch glücklich, dass es noch rechtzeitig zum Saisonstart geklappt hat – den fast hätte Sturmtief „Niklas“ einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Jetsed, die im gesamten Nordseeraum eingesetzt wird, kam von Arbeiten in England Richtung Stör. „Das Schiff hat keinen eigenen Antrieb für Fahrten über See. Es wird geschleppt. Und das geht nur bis Windstärke fünf“, sagt Kapitän Paans, der die Jetsed bereits seit ihrer Indienststellung 1987 führt. „Fast hätten wir wegen des Sturms einen unfreiwilligen Nothalt einlegen müssen und wären dann nicht gekommen.“ Denn als nächstes warten wieder Arbeiten in England auf die Crew.

Die übernehmen dann aber Kollegen. Für Paans und seinen Maschinisten ist nach dem Auftrag auf der Stör erst einmal Pause angesagt. Sie bringen die Jetsed noch nach Cuxhaven, wo die Besatzung wechselt. Denn die Arbeit auf dem Spezialschiff ist kräftezehrend. Gespült wird immer mit ablaufendem Wasser. Für die Männer an Bord heißt das, dass ihre Arbeitszeiten sich ständig verschieben. Wenn nötig, werfen sie auch nachts um zwei die Pumpen an. Der Körper kann sich nicht wirklich an die wechselnden Zeiten gewöhnen. „Nach zwei Wochen weiß man, was man getan hat“, sagt Paans. Deshalb hat die Jetsed auch zwei Besatzungen, die jeweils im Wechsel zwei Wochen arbeiten und sich zwei Wochen zuhause erholen.

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