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Lange Nacht der Industrie : Holcim: Wie das weiße Gold entsteht

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bei der Besichtigung des Holcim-Zementwerks in Lägerdorf blieben die Besucher trocken – der Brennofen war so heiß, dass der Regen verdampfte.

„Von einem Zementwerk hat jeder irgendwie eine Vorstellung, aber dann wirklich einen Einblick zu kriegen und zu sehen, was da passiert, ist super.“ Zuhal Schlüter ist begeistert. Gemeinsam mit knapp 80 anderen Gästen hat sie im Rahmen der Langen Nacht der Industrie das Holcim-Zementwerk Lägerdorf besichtigt.

Durch die Anlage führte Willi Breiholz, der von seinen Kollegen scherzhaft „Mr. Goggle der Zement-Industrie“ genannt wird, weil er „auf jede Frage eine Antwort hat“. Früher plante er neue technische Anlagen. Jetzt, im Ruhestand, zeigt Breiholz Besuchergruppen „sein“ Werk.

Die Begeisterung für die Thematik ist ihm deutlich anzumerken. Anschaulich erklärt er seinen Gästen die Geschichte der Zementherstellung in Lägerdorf. Von den Anfängen vor über 150 Jahren, als zwei Engländer, angelockt vom „weißen Gold von Lägerdorf“, der Kreide, mit der Produktion begannen. Bis zur Gegenwart, in der das Werk Teil des internationalen Konzerns Holcim (16 Milliarden Euro Jahresumsatz, 71 000 Mitarbeiter weltweit) ist, von dem der Standort Lägerdorf „nur einen ganz kleinen Teil“ darstellt. Breiholz gibt auch einen Ausblick auf die Zukunft. Anhand von Satellitenbildern erläutert er, wo zukünftig die Kreide, einer der Hauptrohstoffe für die Zementproduktion, rund um Lägerdorf abgebaut werden soll.

Vor allem bekommen die Gäste der Langen Nacht aber einen, zunächst theoretischen, Einblick in die Produktionsprozesse der Zementherstellung: Angefangen bei der Förderung der zwei Millionen Tonnen Kreide pro Jahr mit riesigen Baggern in den Gruben rund um das Werk bis zur Auslieferung in Säcken oder Lastzügen an die Kunden, erklärt Willi Breiholz, wie der Zement entsteht. „Das Herzstück des Werks ist der Drehrohr-Ofen, wo unter enormer Hitze die Mineralien erbrannt werden, die später dem Zement seine Eigenschaften geben.“

Jener Ofen ist dann auch das erste Ziel der eigentlichen Werksbesichtigung und beeindruckt die Besucher. Das riesige, sich langsam drehende Stahlrohr strahlt so viel Hitze ab, dass es darunter auch in einigen Metern Entfernung trotz strömendem Regens trocken ist. Die Wassertropfen verdampfen auf dem Weg zum Boden.

Am Ofen muss sich Breiholz auch kritischen Fragen der Besucher stellen, die sich nach Emissionsschutz und Energieverbrauch erkundigen. Er verschweigt nicht, dass es Proteste aus der Bevölkerung gibt, zum Beispiel durch eine Bürgerinitiative, verweist aber auf die strenge Überwachung durch Umweltschutzbehörden.

Wie es im Inneren des gewaltigen Ofens aussieht, können die Gäste auf einem der vielen Monitore in der Schaltzentrale des Lägerdorfer Werkes sehen. Willi Breiholz: „Das hat schon ein bisschen was von einem Blick ins Höllenfeuer, oder?“

Zum Abschluss der Tour durch das Werk präsentieren die Mitarbeiter den Besuchern einen Bereich, der ihnen besonders am Herzen zu liegen scheint: Die Ausbildungswerkstätten. Holcim bildet dort unter anderem Industriemechaniker aus. Gut zehn Prozent der 320 Mitarbeiter in Lägerdorf sind Auszubildende. „Wir legen sehr viel wert auf gute Ausbildung“, sagt Nils Neumann, Leiter der mechanischen Ausbildung. „Das ist auch in der Region bekannt. Nicht selten fragen andere Firmen bei uns an und möchten unsere Azubis übernehmen.“

Am Ende der Besichtigungstour haben viele Besucher das Gefühl, dass die Zeit viel zu kurz war. „Kommen Sie doch wieder zu unseren öffentlichen Werksbesichtigungen. Sie sind herzlich willkommen“, verabschiedet Willi Breiholz die Gäste.

Führungen: www.holcim.de/werksfuehrung-laegerdorf.html

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