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Voltigierpferd geht in Rente : Hohenlockstedt: Kein Nachfolger für „Knappi“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Das 21 Jahre alte Therapie- und Kinder-Voltigierpferd Knappi des Vereins „Lockstedter Lager“, soll schrittweise aus dem Betrieb genommen werden. Geld für einen Nachfolger fehlt.

Hohenlockstedt | Er ist 21 Jahre alt, weiß mit dunklen Flecken und eine echte Lebensversicherung. Knabstrupper-Wallach Knappi macht sich seit 15 Jahren im Reit- und Rennverein Lockstedter Lager als Therapie- und Kinder-Voltigierpferd verdient. Doch „er ist in die Jahre gekommen“, sagt Sandra Meier, zweite Vorsitzende des Vereins. Ein Nachfolger müsste her, doch das Geld fehlt. Ein Antrag über finanzielle Unterstützung zur Beschaffung eines neuen Therapiepferdes wurde von der Gemeinde Hohenlockstedt abgewiesen.

„Ein Therapiepferd muss absolut zuverlässig sein“, erklärt Meier. So wie Knappi. „Mit dem kannst du jeden losschicken“, weiß sie. Selbst der größte Lärm und Trubel um ihn herum bringen ihn nicht aus der Ruhe. Zahlreiche Kinder und Erwachsene mit körperlichen, geistigen und sozialen Entwicklungsdefiziten, mit Behinderungen, Verhaltensstörungen und ähnlichem hat Knappi bereits auf ihrem Weg begleitet.

Durch den rhythmische, dreidimensionale Bewegungsimpuls, der bei der Reittherapie in der Gangart Schritt auf natürliche Weise vom Pferderücken auf den Patienten übertragen wird, können neurophysiologische Störungen therapiert werden. Gleichzeitig entsteht eine Bindung zwischen Pferd und Patient, die das Selbstbewusstsein des Patienten und gleichzeitig den Therapiefortschritt fördert. „Im Mittelpunkt steht die individuelle Entwicklungsförderung“, betont Maier. Reiterliche Fähigkeiten seien nebensächlich.

Seit ein paar Wochen müssen Knappis Patienten jedoch auf ihren besten Freund verzichten. Aufgrund von Wetterumschwung und Fellwechsel hat er stark abgebaut. „Sein Job ist nicht der leichteste“, so Meier. Sein Arbeitspensum beschränkt sich derzeit auf eine Voltigiergruppe mit Kindern zwischen vier und sieben Jahren, die ausschließlich im Schritt auf seinem Rücken turnen. Mehr Belastung möchte der Vereinsvorstand dem Wallach derzeit nicht zumuten. „Er macht echt einen Bombenjob“, urteilt Meier. „Aber irgendwann muss man so einem Pferd auch mal die Rente gönnen.“

Schrittweise soll Knappi aus dem Betrieb genommen werden, denn die Ausbildung eines potentiellen Nachfolgers kann mehrere Jahre in Anspruch nehmen. „Aber es ist nicht so einfach, ein echtes Verlasspferd zu finden“, berichtet Meier. Außerdem fehlen dem Verein durch den Bau einer neuen Reitanlage, der allein durch Vereinsgelder und Eigenleitung des Vereins finanziert wird, bis auf weiteres die finanziellen Mittel für ein neues Pferd. Zwar sammeln sie die Einnahmen von Flohmärkten, Kuchenverkauf, Schaunummern und Ponyreiten in einer gesonderten Kasse, aber von den benötigten rund 2500 bis 5000 Euro für ein geeignetes Therapiepferd sind die 113 Vereinsmitglieder noch weit entfernt.

Sollte in nächster Zeit kein Nachfolger für Knappi gefunden werden, „können wir den Therapieunterricht nicht wieder aufleben lassen“, bedauert Maier. Und auch die Kinder-Voltigiergruppe müsste langfristig mit dem Holzpferd vorlieb nehmen.

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