Leichenschau : Hohe Kosten für Totenscheine

Bestatter legen Kosten für Totenscheine oft aus, schlagen sie nicht Alarm, fallen Angehörigen hohe Rechnungen erst spät auf.
1 von 2
Bestatter legen Kosten für Totenscheine oft aus, schlagen sie nicht Alarm, fallen Angehörigen hohe Rechnungen erst spät auf.

Für die Feststellung des Todes ist ein Arzt nötig, manche treiben die Preise dafür in die Höhe – weil ihnen die Gebührenordnung zu niedrig ist. Betroffen ist auch eine Itzehoerin.

shz.de von
04. Januar 2017, 05:00 Uhr

Zwei schwere Schicksalschläge musste Gitta van den Brink innerhalb eines kurzen Zeitraums hinnehmen: Erst verstarb der Ehemann der heute 71-Jährigen im August 2015, ein Jahr später dann ihre Mutter. Beide in den Abendstunden im Laurentius-Heim, wo sie laut van den Brink sehr gut betreut wurden. Wie üblich bei einem Todesfall folgte mit der Trauer für die Itzehoerin jeweils das aufwendige Prozedere der Bestattung. Und damit auch das Begleichen teurer Rechnungen.

Als van den Brink die Summe für den Totenschein ihrer Mutter begutachtete, stutzte sie: 185,71 Euro berechnete ihr ein Steinburger Arzt – eine sehr hohe Summe. „Als ich dem Bestatter damals sagte, dass jener Arzt die Leichenschau durchgeführt hatte, meinte er schon, das würde teuer werden“, erzählt sie. Verstirbt jemand in einem Altenheim, wird sofort ein Arzt gerufen. Zu später Stunde stellt der ärztliche Notdienst den Tod fest. „Für den Totenschein meines Mannes hat mir ein anderer Arzt noch 90 Euro berechnet“, so van den Brink. Aber selbst das ist laut der Gebührenordnung der Ärzte (GOÄ) zu viel.

Höchstens 76,56 Euro sollte ein Totenschein laut der GOÄ kosten. Darauf verweist auch die „Verbraucherinitiative Bestatterkultur Aeternitas“. Weil die Feststellung des Todes eine unangenehme Arbeit ist, sind manche Ärzte mit der aus ihrer Sicht zu niedrigen Gebührenordnung unzufrieden. Als van den Brink einen entsprechenden Bericht im NDR-Verbrauchermagazin „Markt“ sah, fühlte sie sich bestätigt.

Doch wie setzen sich die Positionen für einen Totenschein zusammen? Laut GOÄ darf die Leichenschau mit 14,57 Euro bis hin zu 51 Euro in besonders schwierigen Fällen berechnet werden. Je nach zu fahrender Strecke und Tageszeit dürfen Ärzte nochmal bis zu 25,56 Euro Wegegeld in Rechnung stellen. Also maximal 76,56 Euro.

Aus Sicht vieler Medizinern eine geringe Summe für die Leistung, die sie bei der Untersuchung einer Leiche erbringen müssen. Denn dazu gehört in der Regel auch das Entkleiden und Kontrollieren der Körperöffnungen, um einen unnatürlichen Tod auszuschließen. Die Bundesärztekammer fordert deswegen, die Gebühr auf etwa 170 Euro festzusetzen. Rechnungen über dem Maximalbetrag von 76,56 Euro müssen Betroffene aber aktuell trotzdem nicht hinnehmen. „Viele achten in ihrer Trauer sicher überhaupt nicht genau auf die Positionen“, vermutet van den Brink.

Bestatter warnen davor, dass Ärzte zusätzlich auch Geld für den Hausbesuch verlangen. Dies sei aber unzulässig, denn der könne nur bei Lebenden über die Krankenkasse abgerechnet werden. Wochenend-, Feiertags- oder Nachtzuschläge seien in der Maximalsumme von 75,56 Euro bereits enthalten.

Im Falle von van den Brinks Mutter hatte der Arzt einen zusätzlichen Aufschlag von etwa 26 Euro für den „Dienst zur besonderen Zeit“ berechnet. Außerdem forderte er knapp 45 Euro für die „Fremdanamnese“, also die Befragung von Angehörigen nach der Krankengeschichte des Verstorbenen. Der Bundestagsabgeordnete Harald Weinberg (Die Linke) stellte vor wenigen Monaten eine Anfrage an die Bundesregierung, ob dies zulässig sei. Die Parlamentarische Geschäftsführerin des Bundesgesundheitsministeriums, Annette Widmann-Mauz, verneinte: Die Fremdanamnese sei ebenfalls Teil der Leichenschau. Und auch eine „Verweilgebühr bis der sichere Todeszeitpunkt eingetreten ist“ musste van den Brink mit knapp 50 Euro bezahlen.

Der Steinburger Arzt begründet seine Rechnung auf Anfrage unserer Zeitung damit, dass er 2002 nach einer Leichenschau seinen Berufsverband gefragt hatte, was er abrechnen dürfe. Dessen Antwort habe er zur Prüfung zur Ärztekammer Schleswig-Holstein geschickt. Diese habe ihm damals geantwortet, dass Fremdanamnese und Verweilgebühr im Einzelfall anerkannt würden. Danach richte er sich seitdem.

Wem die Kosten für einen Totenschein überteuert vorkommen, der sollte die Ärztekammer prüfen lassen. „Dafür ist es wichtig, die Rechnung mit der konkreten Beschreibung, welche Leistungen oder Abrechnungsziffern zu beanstanden sind, einzureichen“, sagt Anne Lütke Schelhowe von der Ärztekammer Schleswig-Holstein. Möglicherweise gibt es dann Geld zurück. Für van den Brink kommt das jedoch nicht in Frage. Sie möchte nach den Trauerfällen inzwischen nur noch ihre Ruhe haben und keinen weiteren Aufwand betreiben.

zur Startseite
Karte

Kommentare

Leserkommentare anzeigen