Werft in Wewelsfleth : Hohe Hürden bei Ausschreibungen

Werftbesuch durch den SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst-Dieter  Rossmann (2.v.r.) mit der Wewelsflether Ortsvorsitzenden Gabi Sachse und  Vertretern des Betriebsrats der Peters-Werft. Das Steuerrad rechts wird die  sanierte „Peking“ schmücken.
Werftbesuch durch den SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst-Dieter Rossmann (2.v.r.) mit der Wewelsflether Ortsvorsitzenden Gabi Sachse und Vertretern des Betriebsrats der Peters-Werft. Das Steuerrad rechts wird die sanierte „Peking“ schmücken.

Der Geschäftsführer der Peters-Werft, Mark Dethlefs, äußert Kritik am Vergabesystem.

shz.de von
01. August 2018, 05:00 Uhr

Das Gespräch mit dem Betriebsrat der Wewelsflether Peters-Werft suchte der SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann. Er war zusammen mit der SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Gabi Sachse und dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Dieter Pahl auf die Werft gekommen. In dem intensiven Gespräch mit dem Betriebsrat ging es um die Entwicklung im Schiffbau, die Spezialisierung und die Entwicklung im Neubau von Luxus-Yachten und bei den Schiffsreparaturen.

Angesprochen wurden auch die Hürden für mittelständige Unternehmen bei öffentlichen Ausschreibungen. Dieses Thema stellte Geschäftsführer Mark Dethlefs besonders voran. „Es müssen faire Bedingungen geschaffen werden, sonst kommen kleinere Unternehmen gegen die Großen nicht an“, sagte Dethlefs.

Bis 2000 hatte die Werft keine öffentlichen Aufträge angenommen. Mittlerweile liegt der Anteil bei 33 Prozent. Die restlichen 66 Prozent der Aufträge sind aus dem Sektor des Spezialschiffbaus. „Das heißt für uns aber auch, dass wir für maximal 24 Monate planen. Der Regelfall ist eher 12 Monate Planungsvorlauf“, so Dethlefs.

Als Vorsitzender des Bildungsausschusses im Berliner Bundestag wollte Ernst Dieter Rossmann außerdem wissen, wie es um die Ausbildungslage und Fachkräftemangel in der Peters-Werft steht. Meist gebe es zwischen acht und zehn Auszubildende bei einer Stammbelegschaft von 110 Mitarbeitern, aber für den Beruf des Schiffsbauers könnten sich nur noch wenige begeistern, berichteten die Mitglieder des Betriebsrats. Das wäre aktuell aber kein nachhaltiges Problem, da die technologische Entwicklung weiter voranschreite und der konkrete Bedarf an Fachkräften zurückginge. „Durch die Technik geht vieles schneller. Gleichzeitig wird im Schiffbau auch in Zukunft wegen der besonderen Anforderungen mit schweren Material die Manpower gebraucht“, so der Betriebsratsvorsitzende.

Für den Standort Wewelsfleth betonte Mark Detlefs die Bedeutung des Ausbaus der Autobahnen A 23 und A 20. Auch die Arbeit an der Bundesstraße  5 sei wichtig für die Traditionswerft, da eine funktionierende Infrastruktur enorm zu einem guten Standort beitrage.

Der SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Gabi Sachse liegt viel an der Werft. „Sie gehört nach Wewelsfleth. Fast jeder in der Umgebung hat eine Verbindung mit der Werft. Mein Vater beispielsweise hat hier gearbeitet“, so Sachse. Dem konnte SPD-Fraktionsvorsitzender Dieter Pahl nur zustimmen.

Im Anschluss an die Gespräche mit dem Betriebsrat und dem Geschäftsführer, ging es noch auf eine Tour durch die Werft, die aktuell den berühmten Frachtsegler „Peking“ beherbergt und wieder zurecht macht. Ende 2019 soll das 1911 erbaute Schiff wieder in seinen Heimathafen nach Hamburg zurückkehren und dort den Mittelpunkt im neuen Museumshafen bilden.

„Der Besuch auf der Peters-Werft hat sich natürlich nicht nur wegen der „Peking“ gelohnt. Sondern vor allem wegen der sehr konkreten Gespräche. Ich nehme vor allen Dingen die Kritik an den Rahmenbedingungen für mittelständige Unternehmen bei öffentlichen Ausschreibungen mit nach Berlin“, sagte Rossmann zum Abschluss.


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