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Norddeutsche Rundschau

12. Dezember 2017 | 11:54 Uhr

Hohe Haftstrafen für Posträuber

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Noch im Gerichtssaal klickten die Handschellen: dreieinhalb Jahre Gefängnis für Überfall auf Poststelle und vier Jahre für den Anstifter

shz.de von
erstellt am 19.Jan.2016 | 09:19 Uhr

Mit hohen Haftstrafen für beide Angeklagte endete gestern am Landgericht Itzehoe der Prozess um den Überfall auf die Poststelle in Wilster. Wegen des Versuchs einer besonders schweren räuberischen Erpressung wurde der 24-jährige Bewohner einer örtlichen Suchthilfeeinrichtung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Gleich vier Jahre hinter Gitter muss sein 33-jähriger Komplize, der der Anstiftung zu dem Überfall am 4. August vergangenen Jahres überführt wurde. Die Strafkammer um den Vorsitzenden Richter Dominik Groß schöpfte damit den von der Staatsanwaltschaft vorschlagenen Strafrahmen voll aus.

Aus Sicht von Staatsanwältin Hanna Klapetke war der Fall nach der Beweisaufnahme klar. Für den 24-Jährigen spreche, so sagte sie in ihrem Plädoyer, dass es bei einem Versuch geblieben sei, er möglicherweise noch unter Drogeneinfluss gestanden habe und ein ausführliches Geständnis vorliege. Anders bei dem Anstifter. Bei ihm seien kaum Gründe zur Strafrahmenverschiebung oder Milderung zu erkennen. Im Gegenteil: Einschlägige Vorstrafen und das hohe Tempo, mit dem er nach der Haftentlassung im Juli bereits im August wieder straffällig geworden war, führten Klapetke zu der Forderung von glatten vier Jahren Freiheitsstrafe.

Verteidiger Christian Lange bat, die deutlich unterschiedlichen Charaktere der beiden Angeklagten zu berücksichtigen. Sein Mandant „schwimmt derzeit im Leben“, wie ein Betreuer ausgesagt habe. „Er ist ein sehr leicht zu manipulierender, schlichter Mann, der sich hat hinreißen lassen.“ Auch durch seine Unsicherheit habe er sich leider für das falsche Handeln entschieden, so dass letztlich ein Jahr und sechs Monate angemessen seien.

Die Rechtsanwälte Katja Münzel und Philip Seehusen verteidigten den 33-Jährigen. Für beide, so führten sie aus, gebe es kein anderes Urteil als den Freispruch. Die Anklagepunkte seien „nicht verwirklicht“ und die Hauptbelastung sei durch den Mitangeklagten erfolgt. „Entweder will er nicht allein für die Tat geradestehen oder er will meinem Mandanten eins auswischen“, folgerte die Rechtsanwältin. Einer der Hauptzeugen sei so voller Hass, dass dessen Aussage kaum glaubwürdig sei. „Für mich steht fest, dass er die Tat nicht begangen hat.“ Das unterstrich auch der Angeklagte selbst: „Das macht mich stinksauer, weil mir das alles viel Ärger eingebracht hat. Ich könnte so eine Tat gar nicht begehen.“ Sein Kompagnon betonte in seinem Schlusswort mit unsicherer Stimme, wie leid ihm die Tat tue. Und er bat das Gericht: „Ich habe ein Strafe verdient. Ich will auch keine Milde, aber so ein Urteil, dass ich eine Chance habe. Weil ich weiß, dass ich es allein nicht schaffe.“ Beide hatten sich erst in der Suchthilfeeinrichtung kennen gelernt.

Das umfassende Geständnis des jungen Posträubers wertete das Gericht als positiv. Auch, dass der Angeklagte „leicht beeinflussbar und von eher schlichtem Charakter“ sei. Zugute gehalten wurde ihm, dass er als Erwachsener noch keine Vorstrafen hatte. Dass die Strafe am Ende nicht noch höher ausfiel, war letztlich auch dem Umstand zu verdanken, dass gar keine Beute gemacht wurde. Ursprünglich sollte der Überfall bereits am 1. August unter Einsatz einer in einem Itzehoer Waffengeschäft zu erwerbenden Softairpistole über die Bühne gehen. An dem Tag hoffte man auf hohe Beute durch den Auszahlungstermin von Hartz-IV-Geldern. Während der jüngere Angeklagte nach Ansicht des Gerichts in jeder Hinsicht glaubwürdig gewesen sei, habe sich sein Komplize in Widersprüche verstrickt. Grundsätzlich, so erläuterte Dominik Groß, seien Täter und Anstifter in gleichem Maße zu bestrafen. Wegen seines langen Vorstrafenregisters und der „erschreckend hohen Rückfallgeschwindigkeit“ gab es für den Anstifter dann aber gleich vier Jahre Haft.

Ob die beiden Männer jetzt innerhalb einer Woche Revision gegen das Urteil einlegen wollen, können sie sich in der Untersuchungshaft überlegen. Vorsorglich waren neben vier Justizbeamten auch vier Polizisten im Gerichtssaal aufmarschiert. Bei beiden Männern klickten die Handschellen – wegen möglicher Fluchtgefahr.

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