Nach der Entscheidung : Hoffen auf Zukunft mit „Prokon 2.0“

Bekam den klaren Auftrag, seinen Kurs fortzusetzen: Insolvenzverwalter Dr. Dietmar Penzlin.
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Bekam den klaren Auftrag, seinen Kurs fortzusetzen: Insolvenzverwalter Dr. Dietmar Penzlin.

Bürgermeister begrüßt Entscheidung der Gläubiger. Ex-Chef Rodbertus plant derzeit keine rechtlichen Schritte.

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24. Juli 2014, 12:00 Uhr

Der Bürgermeister war in der Partnerstadt La Couronne, aber zum Glück gibt es „Whatsapp“: Per Handy-Nachrichten ließ sich Dr. Andreas Koeppen von seinem Wirtschaftsförderer Thomas Carstens permanent über den Verlauf der Prokon-Gläubigerversammlung in Hamburg informieren. Deren Ergebnis sei schmerzlich für die Anteilseigner, so Koeppen gestern. „Aber es ist ein Weg, der aufgezeigt wurde. Das Wichtigste ist, dass wir mindestens die Arbeitsplätze behalten.“

Tausende Gläubiger des insolventen Windkraftunternehmens hatten am Dienstag Insolvenzverwalter Dr. Dietmar Penzlin bestätigt und fast einhellig für sein Konzept eines Sanierungsplans sowie die Fortführung von Prokon gestimmt. „Die Alternative, die sie hatten, war ja in Wahrheit gar keine“, meinte Koeppen mit Blick auf die Ziele von Firmengründer Carsten Rodbertus. Das Kerngeschäft zu retten und das Unternehmen nicht abzuwickeln, sei von Anfang an das Ziel Penzlins gewesen. Zu ihm habe er sofort Vertrauen gehabt, weil er sehr geordnet und strukturiert agiere und „weil er vor allen Dingen einen hohen Bezug zu unserer Stadt und unserer Region hat“, so Koeppen.

Auch Professor Dr. Ralf Thiericke, Geschäftsführer des Innovationszentrums IZET, freut sich, dass es nach einem Erhalt des Standorts nebenan aussieht: „Das ist ein wichtiger Baustein für uns“, und es sei ein gutes Zeichen für die Westküste. Als mittelständischer Windpark-Betreiber sei Prokon wichtig für den Gesamtmarkt, das „überwältigende Votum“ der Anleger biete eine starke Basis für das Weiterführen des Unternehmens.

Das wollte Ex-Chef Rodbertus auch und scheiterte. Gestern zeigte er sich gegenüber unserer Zeitung „betroffen und zutiefst enttäuscht“, dass fast 17 000 Anleger – Dienstag war noch von 15 000 die Rede gewesen – um ihre demokratischen Rechte gebracht worden seien. Wie berichtet, waren die von Rodbertus über einen Vertrauten gesammelten Stimmrechte kurz vor Beginn der Gläubigerversammlung auf Null gesetzt worden. Ein klarer Rechtsverstoß, meinten Rodbertus und damit befasste Anwälte. Doch Julia Gärtner, Sprecherin des Landgerichts, erläuterte: Zu den Formalien einer solchen Versammlung gehöre, am Anfang festzustellen, wie viele Stimmberechtigte und wie viel Kapital vertreten seien. Das könne erst zu diesem Zeitpunkt geschehen, weil vorher nicht klar sei, wer überhaupt komme.

„Ich werde es den Anlegern offen lassen, ob sie dagegen angehen wollen“, sagte Rodbertus. An seiner eigenen Motivation dazu zweifelte er, er könne Informationen liefern, aber rechtliche Schritte nicht finanzieren: „Ich bin privat ruiniert.“

Dennoch, die Idee hinter Prokon – bankenunabhängig und zukunftsgerichtet zu arbeiten – habe weiter ihren Reiz, so Rodbertus. Er wünsche anderen, die sie verfolgen wollen, gutes Gelingen.

Ausdrücklich sprach der Firmengründer dabei die Freunde von Prokon an, auch wenn das Verhältnis zerrüttet ist. Der Anlegerverein hatte noch am Abend der Versammlung von einem „schönen Tag“ gesprochen. Intensiv werde man sich jetzt damit befassen, frisches Kapital für „Prokon 2.0“ einzuwerben. Mit ihm sollen die aussichtsreichsten Windparks bis zur Inbetriebnahme vorangetrieben werden – „so frühzeitig wie irgend möglich“.

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