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Norddeutsche Rundschau

19. August 2017 | 07:52 Uhr

Höhere Fallpauschale hilft wenig

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Klinikchef Stender setzt auf anderes Finanz-Modell

Der Landesbasisfallwert steigt um 3,5 Prozent. Für die Kliniken im Land bedeutet dies voraussichtlich rund 64,5 Millionen mehr Geld. Hört sich gut an, ist für Harald Stender, Geschäftsführer des Westküstenklinikums Heide und Brunsbüttel, aber nichts Besonderes. Jedes Jahr wird der Basisfallwert je nach Tarif- und Kostensteigerung von der Bundesregierung festgelegt. Neu ist lediglich, dass Schleswig-Holstein für dieses Jahr einen etwas höheren Basisfallwert als die anderen Ländern erhält.

Der Basisfallwert legt fest, wie viel Geld die Klinik für die Behandlung der Patienten erhält. Der Wert ist aber in jedem Bundesland unterschiedlich. Schleswig-Holstein liegt am unteren Ende der Skala und kämpft seit Jahren um eine Angleichung. Selbst mit der Erhöhung liegt es immer noch um 1,25 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt: In Rheinland-Pfalz würde das WKK drei Millionen Euro mehr Geld bekommen. Finanzierungsprobleme in Brunsbüttel, mit einem Defizit von 1,6 Millionen Euro, hätte Stender dann nicht mehr.

Für ihn steht fest: „Die Politik muss dringend handeln.“ Er plädiert für eine Finanzierungsgerechtigkeit. Unterschiede zwischen Nord- und Süddeutschland dürfe es nicht geben. Die Anhebung des Basisfallwertes in diesem Jahr reiche nicht mal aus, um das dringend benötigte Pflegepersonal einzustellen, macht Stender deutlich. Ganz zu schweigen davon, das Klinikum in der Schleusenstadt kostendeckend zu finanzieren. „Die ländlichen Räume mit ihren Strukturen sind in der derzeitigen Finanzierung nicht abgebildet“, kritisiert er.

So schnell wird sich das nicht ändern. Erst 2016 hat der Bund das Thema wieder auf der Agenda. Bis dahin feilt Stender gemeinsam mit den Kassen an einem neuen Modell für Brunsbüttel (wir berichteten). Bis Ende März soll ein Konzept stehen, das dem Klinikum eine gesunde, wirtschaftliche Basis ermöglicht. Im Wesentlichen geht es darum, die bislang starre Trennung zwischen der Behandlung stationär aufgenommener und ambulanter Patienten aufzubrechen und das WKK zu einer Art Polyklinik umzubauen. Allerdings: „Es muss auf jeden Fall eine Übergangsfinanzierung geben.“ Ob dies der zurzeit bei Gericht ruhende Sicherstellungszuschlag für Brunsbüttel ist oder eine andere Finanzierungsform, lässt der WKK-Geschäftsführer offen. Er hofft jedoch, dass der gerichtliche Streit mit den Kassen ohnehin der Vergangenheit angehört. Das Argument, dass die Kassen die zusätzlichen Gelder aufbringen müssen, sei nicht mehr aktuell. Dies, so Stender, ginge zu Lasten des Basisfallwertes. „Die Kassen würde das nicht einen Cent kosten.“


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erstellt am 16.Jan.2014 | 05:00 Uhr

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