Theater Itzehoe : Höchstleistung trotz Hitze

Energisch zupackend und hauchig flüsternd: Nils Mönkemeyer, Sabine Meyer und William Youn (v.l.) auf der Bühne.
Energisch zupackend und hauchig flüsternd: Nils Mönkemeyer, Sabine Meyer und William Youn (v.l.) auf der Bühne.

Das Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) bringt Weltstar Sabine Meyer ins ausverkaufte Theater Itzehoe.

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12. August 2018, 16:09 Uhr

Tenor des Pausen-Smalltalks beim SHMF-Konzert mit Weltstar-Klarinettistin Sabine Meyer im sprichwörtlich bis auf den letzten Platz ausverkauften Theaterrund: „Vergessen Sie den Bratschisten nicht, eine echte Entdeckung! Und auch nicht den Pianisten!“ Gut, zuerst also der Pianist William Youn, der an jedem der fünf Programmstücke und an beiden Zugaben beteiligt war. Und zwar nicht nur als präsenter und agiler Begleiter, sondern als gleichberechtigter Musizierpartner.


Romantisch angehauchte Magie

Nils Mönkemeyer spielte hier in Itzehoe bereits vor drei Jahren Mozarts berühmtes Klarinettenkonzert, aber statt der Klarinette auf der Bratsche. In Robert Schumanns „Märchenbilder“ (für Klavier und Viola, op. 113) zeigte er seine Bratsche mit ihren Klangfacetten als singende Violine und tieftönendes Cello. Das riss das Publikum nach dem 2. Satz zu spontanen Beifallsbekundungen hin. Leidenschaftlich hatte sich Mönkemeyer in die abstrakten Märchenbilder des Romantikers Schumann versenkt, energisch zupackend und hauchig flüsternd.

Letzteres traut man ja eher der Klarinette zu. Was Sabine Meyer ohne jeden Zweifel auch mit ihrer technischen Lockerheit zeigte. Sie brillierte mit ihrer makellos abgestuften Dynamik und ihrem einzigartigen Klarinettentimbre. Sie demonstrierte Schumanns musikalischen Höchstanspruch, in dem das Verhaltene und Zarte ebenso gefordert ist wie das Rauschhafte, ohne dabei jenes romantisch Geheimnisvolle zu vernachlässigen, das Eichendorff so einzigartig mit diesem Vers charakterisierte: „Schläft ein Lied in allen Dingen“.

Das Trio traf auf jeden Fall das von Eichendorff gemeinte „Zauberwort“ durch Schumanns „Märchenerzählungen“, „Märchenbilder“ und die „Fantasiestücke“. Besonders die langsamen Sätze erzeugten jene romantisch angehauchte Magie der Stille, in der sich die Gedanken in alle Richtungen entfalten können – typisch romantisch eben.


Kurzer Ausflug in die Musikmoderne

Das traf nicht ganz zu auf György Kurtágs „Hommage à R. Sch.“. Dieser Ausflug in die Musikmoderne war kaum begonnen, so zerronnen, obwohl die programmatische Musik interessante Begegnungen versprach. Die blieben dann aber doch zu flüchtig. Mozarts „Kegelstatt-Trio“ kugelte dann auch die nachklingenden Ideen weg.

Fazit: Ein sehr schönes Konzert, dem es aber ein wenig an mitreißender Inspiration fehlte. Kein Wunder, denn es wurde Höchstleistung bei Höchsthitze geboten, denn obwohl es draußen gewitterte, war es im Theater brütend heiß. Trotzdem gab es zwei Zugaben, davon besonders schön: Max Bruchs „Rumänische Melodie“.

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